Gegen das Vergessen

Exkursion zum medizinhistorischen Museum Gabersee mit Zeitzeugin

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Auf den Spuren der NS-Verbrechen an Opfern des sogenannten
„Euthanasie-Programms“: Am kommenden Samstag, 2. Juni, findet eine Exkursion nach Wasserburg zum Psychiatriemuseum Gabersee statt. Vor Ort gibt es neben der
Schwerpunktführung „Euthanasie in der NS-Zeit“ durch das medizinhistorische Museum ein Zeitzeugengespräch mit Antje Kosemund von der Stiftung Auschwitz-Komitee. Start der Bildungsfahrt ist um 12.15 Uhr am Bahnhof Rosenheim. Es besteht auch die Möglichkeit, am Samstag um 13.30 Uhr am Haupteingang des Inn-Salzach-Klinikum dazu zu kommen …

Veranstalter sind die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Kooperation mit der Gruppe „contre la tristesse“ und dem Kurt Eisner-Verein, die eine Exkursionsreihe zu kaum bekannten NS-Gedenkstätten im Raum Rosenheim organisieren.

Die Teilnahme an der Führung und dem Zeitzeugen-Gespräch ist kostenlos, es fallen lediglich Kosten für die Zugfahrt nach Wasserburg an.

Die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt „Gabersee“ wurde 1883 als
„Kreisirrenanstalt“ in Betrieb genommen. Der Grundsatz einer möglichst
freien Arbeitstherapie wurde von den Gründer*innen konsequent verfolgt
und führte zu einer Blüte der Anstalt in den 1920er Jahren.

Während des Nationalsozialismus wurden die Ausgaben für die medizinische und
therapeutische Versorgung der Patient*innen massiv gekürzt, ab 1936
wurden Zwangssterilisationen eingeführt und letztendlich 1940/41 im
Rahmen der Aktion T4 mindestens 509 Patient(innen), wahrscheinlich aber
weitaus mehr, in sogenannte „Reichsanstalten verlegt“. Von dort wurden
sie weiter ins Schloss Hartheim in der Nähe von Linz deportiert und dann
ermordet.

Auf dem Gelände des Wasserburger Inn-Salzach-Klinikums erinnert heute eine
Gedenktafel an die mehr als 500 getöteten Menschen.

Im Rahmen der Exkursion gibt es einer Führung durch das medizinhistorische Museum auf dem Gelände des Klinikums. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt der Führung
dabei auf dem nationalsozialistischen Umgang mit Menschen, die als
psychisch krank erklärt wurden, sowie auf der Nutzung des Geländes als
Camp für sogenannte Displaced Persons nach der Befreiung.

Anschließend referiert die Zeitzeugin Antje Kosemund zum Thema Euthanasie während des Nationalsozialismus und deren Aufarbeitung.

Antje Kosemund hat durch die Nachforschungen zur Ermordung ihrer
Schwester Irma einen wesentlichen Anteil an der Aufarbeitung der
NS-Verbrechen an Opfern des sogenannten „Euthanasie-Programms“
geleistet. Irma wurde mit nur 13 Jahren aus den Alsterdorfer Anstalten
in Hamburg nach Wien in die Kinderfachabteilung in der Klinik „am
Spiegelgrund“ verlegt, wo sie wie viele andere Kinder auch ermordet
wurde. Sterbliche Überreste, vor allem Gehirne wurden für
Forschungszwecke konserviert und ausgestellt.

Für den wissenschaftlichen
„Verdienst“, welcher durch die Forschung an den Überresten der
ermordeten Kinder erlangt wurde, wurde ihr Mörder Heinrich Gross noch
mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse geehrt. Wie
auch viele andere NS-Verbrecher, starb er vor einer Verurteilung.

Der Initiative von Antje Kosemund ist es zu verdanken, dass weit über 600
sterbliche Überreste von Euthanasie-Opfern bestattet wurden und nicht
weiter als medizinische Exponate ausgestellt und verwendet werden.

Nach der Exkursion zum KZ Außenlager Haidholzen sei dies die zweite Besichtigung einer kaum bekannten NS-Gedenkstätten im Raum Rosenheim, so die Veranstalter. Man wolle dazu beitragen, die Schicksale der Opfer des Naziterrors in Erinnerung zu halten und den wenigen noch lebenden Opfern Interesse an ihrer Leidensgeschichte und Mitgefühl entgegen zu bringen.

 

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