Fast normale Bergfreuden

Ein Tag auf der Priener Hütte in Zeiten der Corona-Krise - Auch ein Wasserburger ist dabei

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Es geht im doppelten Sinne aufwärts, wenn man derzeit die auf 1.410 Metern hoch gelegene Priener Hütte im Naturschutzgebiet Geigelstein besucht. Die neunwöchige, coronabedingte Zeit der Schließung ist vorbei. Die schrittweise Wiedereröffnung in Richtung fast normaler Bergfreuden hat mit einem viertägigen Kiosk-Betrieb mit dem Hütten-Eigentümer, der Alpenvereins-Sektion Prien, begonnen. Der nächste Schritt war die Öffnung des Gartenbetriebs, es folgen die Öffnung der Innenräume (neuerdings mit Trennwänden) und ab 30. Mai können auch wieder Übernachtungen gebucht werden.

Wie sich das Team um die aus Deisenhofen stammende Pächterin Monika Becht auf die neuen Umstände einstellt, damit den Gästen der Aufenthalt so angenehm wie möglich ermöglicht wird, das konnten wir in diesen ersten Tagen der Garten-Öffnung vor Ort erfahren. „Entschleunigung soll bei uns auf dem Geigelstein heroben neben Sport und Natur vorrangiges Thema sein“ – mit diesem Grundsatz lässt sich die Pächterin, die im sechsten Jahr auf dem Geigelstein ist und die vorher fünfeinhalb Jahre die immer noch verwaiste Riesenhütte bewirtete, nicht aus der Ruhe bringen.

Um den Betrieb ohne Ruhetag am Laufen zu halten, arbeitet das insgesamt achtköpfige Personal im Schichtbetrieb mit wöchentlichem Wechsel und mit Verstärkung am Wochenende.

Die Abläufe von der Ankunft bis zum Weggang haben sich den auch im Tal inzwischen üblichen Regeln angepasst, denn der Corona-Virus kennt auch hoch oben auf dem Berg keine Ausnahme. So werden die Besucher am Garteneingang vom Personal abgeholt, über alles, was zu beachten ist, informiert, die Kontaktdaten werden festgehalten. Dann geht es mit einer frisch desinfizierten Speisenkarte zu einem festgelegten Tisch. Die Sitzordnung ist klar erkennbar, die Tische sind auf einer größeren Freifläche verteilt.

Die Speisenkarte gibt auch in diesen Corona-Zeit das her, wofür die Priener Hütte auch vorher schon bekannt war, am meisten gefragt sind an diesem Tag der Kaiserschmarrn und der Krusten-Schweinebraten. „Das Wichtigste ist uns, dass die Gäste ihre Masken mitbringen und diese erst abnehmen, wenn Sie ihren zugewiesenen Platz eingenommen haben.“ Diesen dringenden Appell richtet das Personal an jeden Gast.

 

Mehr Radler auf dem Berg unterwegs

Auffallend ist, dass die Bergradler mit den ersten Corona-Freizeit-Öffnungen etwas mehr geworden sind, als vorher. Einer, der ein paarmal im Jahr auf die Priener Hütte radelt ist der Wasserburger Sven Werk, er schätzt den anspruchsvollen Aufstieg von Sachrang und sagt: „Der Sport ist ein wichtiger Ausgleich zum Büro-Alltag und die Priener Hütte ob ihrer guten Gastlichkeit ist ein lohnendes Ziel, das ich manchmal auch nach der Arbeit zum Feierabend genieße. Die Corona-Vorsichtsmaßnehmen stören dabei in keinster Weise.“ Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem auch, dass im gesamten Garten- und Haus-Gelände eine Einbahn-Regelung festgelegt wurde und dass zum Zahlen nur eine Person je Gruppe ins Haus kommt. „Die Leute reagieren wirklich gelassen, zum Teil sogar noch mit einer Portion Humor“, freut sich die Pächterin.

Hüttenwart Herbert Ass, der oft vor Ort ist und viele Maßnahmen mit Monika Becht abgestimmt hat, freut sich auf den regen Betrieb nach Ende der Schließzeit. „Der Alpenverein sowie die Besucher der Priener Hütte dürfen sich glücklich schätzen, mit Monika ein so kompetente, auch haustechnisch versierte Pächterin mit stets professionellem Team zu haben“.

Gut drauf sind auch die E-Biker, die sich auf den Weg zur 1925/1926 vom Deutschen Alpenverein erbauten sowie in den Sechziger und Siebziger Jahren erweiterten Hütte machen. Auch wenn auf dem Berg aus technischen Gründen keine Ladestation vorhanden ist, ist das kein Manko. „Die Radsportler wissen das, sie sind gut informiert, bevor es auf den Berg geht. Das haben wir unter anderem auch den beiden Tourist-Informationen der bestens zusammenarbeitenden Bergsteigerdörfer Aschau-Sachrang und Schleching zu verdanken. Sie haben mit ihrer Arbeit von Anfang an die coronabedingten Änderungen und Neuigkeiten gut unter die Leute gebracht und damit für Ruhe und passendes Bewusstsein gesorgt.“

 

Fotos: Hötzelsperger

 

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4 Kommentare zu “Fast normale Bergfreuden

  1. Echt toll, wenn die Alpen mit tausenden von E-MTB’s überflutet werden. Es macht echt keinen Spaß mehr zu wandern.

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    1. sir eisen, do muasd du hoid do nauf geh, wo de E/biker ned aufe kemman. Das ma am Geilstoa fui Radla drift, liegt an der hoibm Autobahn, des in de 70ga jahr do naufbaud ham. Gehsd ueban Jagasteig nauf, ueber de Schreckoima und ume zur Sulzing Oim, weida yur Braena Huettn, do drift ned fui Radla. An da Huettn is dan wurscht ob Radla oda Breissn,, haupsach s Bier schmeggd.

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  2. Also die E-Biker als Bergsportler zu bezeichnen, ist ja schon eher ein Witz. Die meisten von denen würden ja noch nicht mal zu Fuß auf den Berg kommen. Wenn man sich da mal den Durchschnitt anschaut – die haben glaube ich noch nie Sport betrieben. Und wenn es ans bergab Fahren geht – was ich da schon Stürze mit erlebt habe – weil die Leute einfach keine Ahnung haben. MountainBiken in den Bergen ist neben SkiTouren so ziemlich das konditionell Anspruchvollste, was man machen kann. Da haben (in den Bergen) E-Bikes einfach nix verloren. Ich lasse mich ja auch nicht mit einer Seilwinde einen Klettersteig hochziehen – kommt aber sicher noch;)

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    1. Wahlweise kann man sich von 4 Sherpas auf einer Sänfte den Berg hochtragen lassen … für’s Gipfelbild muss man dann halt kurz aussteigen. Ganz allgemein finde ich es aber schön, dass an wieder (zu Fuß) auf die Priener Hütte kann.

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