Ein ethisches Wirtschaftsmodell

Die „Gemeinwohl-Ökonomie" unter der Lupe - Kommenden Dienstag nächster Vortrag

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Die sogenannte  „Gemeinwohl-Ökonomie” ist derzeit in aller Munde. Auf Einladung des Pfaffinger Wirtschaftswissenschaftlers Dr. Andreas Fieber (links) hielt dieser Tage ein ausgesuchter Experte zu diesem Thema, Franz Galler, einen Vortrag vor Studierenden der TH Rosenheim in Burghausen. Galler wird zudem am  kommenden Dienstag, 19 Uhr, in Wasserburg zu Gast sein.

Im Rahmen des Seminars „Operative Unternehmensführung” fand kürzlich auf Einladung von Dr. Andreas Fieber ein Gastvortrag von Franz Galler zu dem Thema „Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) – ein ethisches Wirtschaftsmodell“ in Burghausen statt.

Galler ist Koordinator der Gemeinwohl-Regionalgruppe Südostbayern. Er stellte zunächst dar, in welchem Kontext Unternehmensführung gestaltet werden muss (Verteilungskrise, Armutskrise). Aus der Verfassung des Freistaates Bayern leitet er die Verpflichtung für Unternehmen ab, sich für das Gemeinwohl zu engagieren (Artikel 3, 103, 151, 157 und 158). So heißt es zum Beispiel in Artikel 151, dass die „gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl zu dienen“ habe.

Anschließend stellte Galler die Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie an Hand zahlreicher konkreter Beispiele von Unternehmen aus der Region Südostbayern dar. Demnach werde eine Gemeinwohlorientierung anstelle einer Gewinnorientierung angestrebt. „Gewinn ist für ein Unternehmen überlebenswichtig, die Fragen sind jedoch: Wie erziele ich meinen Gewinn? Wie wird der Gewinn verwendet?”

Das Herzstück der GWÖ sei die Gemeinwohl-Bilanz. „Darin beurteilen die Unternehmen in Bezug auf die Werte Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Mitbestimmung und Transparenz ihr Verhalten gegenüber ihren Stakeholdern und Geschäftspartnern. Diese Bilanz kann zertifiziert werden.”

Nach erfolgreicher Zertifizierung erhalte das Unternehmen Gemeinwohl-Punkte. Galler: „Ziel der Gemeinwohl-Bilanz ist es, im Sinne einer ganzheitlichen Sicht neben der herkömmlichen Handelsbilanz eine zweite Bilanz zu erstellen in Bezug auf die Frage, wie gemeinwohl-orientiert ein Unternehmen mit seinen Produkten und Dienstleistungen auf das gesamte Umfeld – Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Gesellschaft, Umwelt – wirkt. Unternehmen, die im Sinne des Gemeinwohls mehr als andere tun, können dies über Punkte dokumentieren und erhoffen sich daraus natürlich Vorteile, zum Beispiel über das Einkaufsverhalten der Kunden.”

Großes Interesse fand auch ein alternatives Modell zur Entscheidungsfindung, das sogenannte „Systemische Konsensieren“. Damit kann in kurzer Zeit ein Meinungsbild einer größeren Gruppe erfasst und als Basis für Entscheidungen verwendet werden. Das gemeinwohl-orientierte Spiel „Enkeltauglich Leben“ für Bürger diene dem Ziel, sein eigenes nachhaltiges Verhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Hier konnte Galler von Erfolgen aus seiner Beratungspraxis berichten.

Zuhörer waren nicht nur Studierende der Betriebswirtschaft, vor allem aus dem sechsten Semester, sondern auch interessierte Bürger. Diese beteiligten sich rege an der Diskussion und nahmen an einer Einführung in das Spiel „Enkeltauglich Leben“ teil.

Ausführliche Informationen zur Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie in Südostbayern sind  unter www.bayern.ecogood.org/suedostbayern/ zu finden.

 

Zum Vortrag am Dienstag:

Ein ethisches Wirtschaftsmodell

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