Die Gedanken eines Ex-Alkoholikers

„Er nahm mir alles" - Treffen der Anonymen Alkoholiker in Wasserburg jeden Donnerstag trotz Corona

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Die Gruppe Wasserburg der Anonymen Alkoholiker – und mittlerweile auch einige andere AA-Gruppen in unserer Region – treffen sich weiterhin beziehungsweise jetzt wieder. Da die Meetings der Anonymen Alkoholiker eine medizinische Notwendigkeit darstellen, haben die Gruppen eine Ausnahmegenehmigung vom Landratsamt Rosenheim. Selbstverständlich werden alle gesetzlichen Verordnungen und Vorsichtsmaßnahmen eingehalten. Das Gruppen-Meeting ist jeden Donnerstag um 19.30 Uhr in der Evangelischen Christuskirche in Wasserburg, Surauer Straße 3. Hier dazu die Gedanken eines ehemaligen Alkoholikers, der jetzt genau an Pfingsten seit vier Jahren „trocken” ist …

Jetzt sind es schon vier Jahre, die ich „trocken“ bin. Es war Pfingsten 2016, als ich, mal wieder, sturzbetrunken in meiner kleinen Wohnung lag. Ich kam zu mir, weil Gott mich in seine Arme nahm. Er gab mir die Kraft, dass ich die halbe Flasche Wodka, die neben mir stand, in die Spüle geschüttet habe – und das nach 40 Jahren trinken.

Schon im Alter von zwölf Jahren hatte ich damit begonnen. Anfangs war es etwas Rotwein, zum Schluss tagtäglich unglaublich viel Wodka. Schon der erste Schluck Alkohol war der Beginn einer immer größer werdenden Hölle.

Ja, ich schaffte die Schule, Ausbildung, Studium, Selbstständigkeit. Ich hatte Familie, Freunde, Beziehungen, Geld. Alles, was sich wohl jeder wünscht. Aber immer wieder nahm mir der Alkohol alles. Es war ein ewiges Auf und Ab. Letztendlich hatte ich nichts mehr, außer einer großen Einsamkeit, der ich nicht mehr entfliehen konnte.

Ich bin Gott unendlich dankbar, dass er mich vor vier Jahren vom Alkohol befreit hat. Durch meine Trockenheit bekam ich etwas, was ich mir während meiner Trinkerei nicht vorstellen konnte: Ein Leben, ein glückliches Leben.

Dass ich seit Damals trocken bin, verdanke ich den Anonymen Alkoholikern. Nachdem ich alleine einen (kalten) Entzug durchstanden hatte, wusste ich, dass ich auf jeden Fall Hilfe brauchte, um trocken zu bleiben.

Durch Zufall las ich in den „Wasserburger Heimatnachrichten“ den Terminhinweis und die Kontaktadresse der AA. Ich nahm allen Mut zusammen und rief an. Seitdem gehe ich jede Woche zu dem Meeting, in dem ich auf Menschen treffe, die genau wie ich die Krankheit Alkoholismus in sich haben, die alles was ich sage nachvollziehen können, die mich verstehen. Eine Gruppe von Menschen, die mich versteht und nicht verurteilt.

Leider können z.Zt. viele AA-Gruppen ihre Meetings infolge von Corona nicht abhalten. Trotzdem versuchen die Anonymen Alkoholiker so gut es möglich ist zu helfen.

Wenn Ihr Hilfe braucht und Hilfe sucht – nehmt allen Mut zusammen. Ich habe es niemals bereut.

Quelle: Stadt Wasserburg

 

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