„Ausbildung ist absolute Chefsache“

Bildungszentrum der Sozialverwaltung in Wasserburg feiert 25-jähriges Bestehen

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Im bestens gefüllten „Festsaal“ – zwei zweckmäßig umfunktionierten Hörsälen – konnte die Leiterin der Akademie der Sozialverwaltung, Brigitte Schulan (rechts), die Geburtstagsfeier zum 25-jährigen bestehen eröffnen. Zu Beginn ihrer Begrüßungsrede erklärte sie, dass ein „doppelter“ Geburtstag gefeiert werden könne: Sowohl die Akademie als auch das Bildungszentrum (BiZ), bestehend aus Akademie und der Hochschule für den öffentlichen Dienst, Fachbereich Sozialverwaltung (HfÖD), vollenden das 25. Lebensjahr nach der Inbetriebnahme 1993.

Zwar ringe das BiZ mit dem Haus des Deutschen Ostens um den Titel „kleinste Behörde des Geschäftsbereichs“, doch was die Bedeutung angeht, müsse sich Wasserburg nicht verstecken. Im Gegenteil, leiste man hier mit geringen Ressourcen doch Großes, nämlich die Aus- und Fortbildung der Mitarbeitenden des gesamten Geschäftsbereichs – und sogar noch darüber hinaus. Auf ein Jahr gerechnet kommt man so übrigens auf knapp 50.000 Aus- und Fortbildungstage – Zukunftsarbeit für das Zukunftsministerium also.

Bei allem Zukunftsdenken ist es aber gerade auch in Bayern wichtig, gesellschaftliche Traditionen zu beachten. Und Geburtstagskinder dürfen traditionell Wünsche äußern. Die dringlichsten zwei Wünsche des BiZ sind: Ein Mehr an Infrastruktur, damit auch die künftigen Anwärter und Studierenden in vernünftigen Hörsälen lernen und in angemessenen Zimmern leben können sowie eine zentrale Unterstützung des Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales bei der Gewinnung der Nachwuchskräfte – auch mit einer entsprechenden personellen Ausstattung im Ministerium. Man bemerke insgesamt ein sinkendes Interesse von Schulabgängern, sich für den Öffentlichen Dienst zu entscheiden, so Schulan. Zwar finde man gerade noch ausreichenden Nachwuchs, doch seien die absoluten Bewerberzahlen rückläufig und die Bekanntheit des nachgeordneten Geschäftsbereichs des Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales zu gering. „Es steht zu befürchten, dass künftig nicht mehr alle Stellen besetzt werden können. Hier gibt es daher erheblichen Handlungsbedarf.“

 

Der Leiter des Fachbereichs Sozialverwaltung der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Rainer Schmid, begann seine Begrüßungsrede mit einem Zitat von Goethe: „Drei Dinge sind an einem Gebäude zu beachten: dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohlgegründet und dass es vollkommen ausgeführt sei.“ An Hand dieser Vorgaben überprüfe er das Bildungszentrum.

Mit Wasserburg stehe das Bildungszentrum sicher am rechten Fleck, in einer der schönsten Städte Bayerns. Beschäftigte wie auch Studenten hätten den Standort ans Herz geschlossen. Auch Brigitte Schulan hatte dies in ihrer Begrüßung dargestellt. Schmid: „Das Bildungszentrum wurde auch wohlbegründet und vollkommen ausgeführt.“ Grundsätzlich würde es auch heute noch allen Anforderungen genügen, wenn es denn nicht zu klein geworden wäre. So sei beispielsweise im Jahr 2011 eine Obergrenze von 50 Studenten diskutiert worden, um das Bildungszentrum nicht zu überlasten. Im Studienjahr 2018/2019 würden es aber über 100 Studenten werden, also mehr als das Doppelte. „Die 50 wurde immer gerissen und Wasserburg wurde dabei auch quasi Opfer seiner guten Ausbildung. Absolventen hatten keine Probleme, jenseits ihrer ursprünglichen Ausbildungsbehörden hinaus Arbeitsstellen zu finden. Auch deshalb mussten die Ausbildungszahlen erhöht werden.“ Die Bayerische Versorgungskammer sei als neue Ausbildungsbehörde hinzugekommen. Damit schloss sich Schmid ausdrücklich der Bitte von Brigitte Schulan nach dem Erweiterungsbau an. Bezüglich der Kosten eines Erweiterungsbaues schloss er die Begrüßung frei nach Churchill mit den Worten: „Bildung ist teuer, sehr teuer. Es gibt eigentlich nur eins was noch teurer ist: keine Ausbildung.“

Daran schloss sich die Festrede des Amtschefs des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales, Michael Höhenberger, an. Dieser überbrachte die Glückwünsche der Ministerin und gratulierte: „Wir sind stolz auf diese Schule und auf die großartige Arbeit der beiden Einrichtungen“. In seiner Rede spannte er einen Bogen vom Nachkriegsdeutschland zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation „mit einer risikobehafteten Weltlage, Brexit und dem Verlust der Wahrheit“. Fake News würden als Waffe eingesetzt und die Demokratie sei kein Selbstläufer, sondern Aufgabe.

Eine dieser Grundvoraussetzungen sei der Sozialstaat. Ohne den Ausgleich der Interessen, ohne soziale Gerechtigkeit, die Eigenverantwortung und Solidarität in Balance halte, sei Demokratie nicht möglich. Daran werde die große Bedeutung der Ausbildung deutlich. „Im Bildungszentrum der Sozialverwaltung werden seit 1993 die Fachkräfte ausgebildet, die für die Staatsverwaltung tätig sind und damit das Fundament des bayerischen Sozialstaats tragen“. Deshalb sei es wichtig, Ausbildung zur Chefsache zu machen.

Ebenfalls zu Wort kamen politische Vertreter aus der Region, nämlich der Bürgermeister der Stadt Wasserburg, Michael Kölbl, und der stellvertretende Landrat des Landkreises Rosenheim, Josef Huber. Der Bürgermeister unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung des BiZ für die Stadt. So seien die Anwärter und Studierenden aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken und auch wirtschaftlich von großer Wichtigkeit für den Standort Wasserburg. Auch ganz persönlich verbindet er vieles mit dem BiZ respektive dem Grundstück, auf dem es gebaut wurde. Bis Mitte der 1960-er Jahre stand hier das Kreiskrankenhaus, in dem er geboren wurde: auf der Entbindungsstation im ersten Stock – mit fantastischem Ausblick auf den gegenüberliegenden Friedhof.

Der Standort sei nach der Auflösung des Kreiskrankenhauses behelfsmäßig umgebaut und teilweise als Wohnraum vermietet worden, bevor die Volkshochschule Wasserburg für einige Jahre hier ihr Zuhause gefunden habe, so Kölbl. „Nachdem auch diese Beziehung nicht von Dauer war, vegetierte das Gebäude nach Aussage des Bürgermeisters einige Zeit vor sich hin, bis es der Freistaat Bayern kaufte und von dem mittlerweile desolaten Zustand rettete.“

Josef Huber knüpfte an die Passage der Festrede des Amtschefs an, in der dieser die Bedeutung des BiZ für das „Gedeihen des Rechts- und Sozialstaates und unserer Staatsform, der repräsentativen Demokratie“ hervorhob: „Die Staatsform Demokratie wird vielen zu schwierig, so gut wie sie auch ist. Es ist eine wichtige Aufgabe des BiZ, ein Bewusstsein für die Demokratie zu bilden.“ Des Weiteren hob er den familiären Charakter der Schule hervor. „Man kennt sich, man grüßt sich; hier entstehen Freundschaften.“ So kann es auch gerne bleiben!

 

Das Trio „Harpa Nera“ umrahmte die Feier musikalisch.

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