IHK: Volkswirtschaftlicher Schaden in keinem Bundesland so stark wie im Freistaat

 

Wetterextreme nehmen auch in Bayern messbar zu – ein weiteres Geschäftsrisiko für die bayerische Wirtschaft, mahnt heute die Industrie- und Handelskammer. „Ob Hitzeperioden mit monatelanger Trockenheit oder umgekehrt Starkregen mit Überflutungen und Erdrutschen: Wetterextreme bekommen auch Unternehmen unmittelbar zu spüren und entwickeln sich mehr und mehr zu einem Risiko für den Wirtschaftsstandort Bayern“, erklärt Manfred Gößl, IHK-Hauptgeschäftsführer. Er verweist auf Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, denen zufolge sich in den kommenden 30 Jahren die Folgekosten des Klimawandels für die Wirtschaft in Bayern auf mehr als 100 Milliarden Euro summieren werden. Wirtschaftsforschungs-Institute gehen davon aus, dass alleine der volkswirtschaftliche Schaden durch Hitzetage in keinem Bundesland so stark ausfallen dürfte wie in Bayern.

„Die größten Mehrkosten durch Extremwetter entstehen der Wirtschaft durch Schäden oder Beeinträchtigungen an der Infrastruktur und das bekommen die Unternehmen dann vor allem in ihren Lieferketten zu spüren. Die Folgen sind weniger Angebot und steigende Kosten“, warnt Gößl. „Langhaltendes Niedrigwasser erschwert und verzögert den Transport auf den Wasserwegen, großflächige Waldbrände in Europa machen Zulieferungen teilweise unmöglich, tagelange Hitze wie in den vergangenen Wochen beschädigt Straßen und Bahngleise. Überflutungen und Erdrutsche nach Starkregen sind das andere Extrem. Die Folgen zeigen sich nicht nur in der bayerischen Landwirtschaft, sondern wirken sich auch branchenübergreifend auf die Lebensadern der ganzen Wirtschaft im Freistaat aus. Im schlimmsten Fall sind Existenzen gefährdet, in jedem Fall die Unternehmensgewinne und damit die staatlichen Steuereinnahmen.“

Der IHK Bayern ruft die Unternehmen dazu auf, die teils unterschätzten Risiken von Extremwetter ins Kalkül zu ziehen. „Einerseits geht es darum, die Beschäftigten vor gesundheitlichen Schäden beispielweise durch Hitze zu schützen“, macht Gößl deutlich. „Darüber hinaus sollten die Betriebe die Folgen von Extremwetter-Ereignissen für die eigene Produktion, Beschaffung und Transporte einschätzen und Szenarien für den Notfall aufstellen.“

Die bayerischen IHKs erwarten, dass die Politik auf kommunaler Ebene mit Unterstützung von Bund und Land in erster Linie auf kurz- und mittelfristig wirkende Maßnahmen zur Klimaanpassung setzen werde, wie zum Beispiel Begrünung, Wasserversorgung und Hochwasserschutz. Jeder investierte Euro werde so direkt vor Ort wirksam, was bei kommunalen Sonderzielen der Treibhausgas-Minderung nicht der Fall sei.

„Die bayerische Wirtschaft steht zum Klimaschutz. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist ein globales Thema, das vor allem auf internationaler und europäischer Ebene angegangen werden muss. Mit dem EU-Emissionshandel existiert seit 2005 ein wirksames und zugleich effizientes Instrument, das den Treibhausgas-Ausstoß in den erfassten Sektoren in der EU seither um rund die Hälfte abgesenkt hat. Nationale oder gar lokale Sonderregeln und Sondertermine, fehlende Technologieoffenheit sowie komplexe Förderbedingungen machen hingegen Klimaschutz unnötig teuer, belasten die heimischen Wirtschaft zusätzlich, treiben die Abwanderung energieintensiver Industrien ins Ausland voran und untergraben letztlich die Akzeptanz für Klimaschutz in Deutschland und Europa“, mahnt BIHK-Chef Gößl.

Foto: IHK / Schulz

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