Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen des Wasserburger Museumsdepots
Was verbirgt sich eigentlich in einem Museumsdepot? Was wird dort aufbewahrt und wie sieht die tägliche Arbeit der Experten aus? Ist ein historisches Objekt am Ende nur verstaubt oder ein wertvolles Kunstwerk und wie schützt man es vor gefährlichen Schädlingen? Diese und weitere Fragen standen heute im Mittelpunkt einer exklusiven Führung durch das Wasserburger Museumsdepot mit Bürgermeister Bastian Wernthaler sowie Museumsleiterin Sonja Fehler, Diplom-Restauratorin Susanne Raffler und Maria Wimmer von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern.
Derzeit rollt die zweite große Umzugswelle ins Depot. Nachdem in einer ersten Phase vor allem Gemälde transportiert wurden, stehen aktuell historische Möbelstücke im Fokus, die aus dem Museum ausgelagert werden.
„Wir haben das Depot in einen Quarantänebereich, Multifunktionsbereich und einen großen Lagerbereich zur Aufbewahrung aufgeteilt“, erklärte Museumsleiterin Sonja Fehler. „Unser Ziel ist es, die Sammlung für die Zukunft zu bewahren und vor dem Verfall zu schützen. Dafür sorgt unter anderem ein sehr gleichmäßiges Raumklima.“
Wie dieser Prozess in der Praxis abläuft, wurde beispielhaft an einer historischen Truhe demonstriert, die von einem Speicher stammt. Angeliefert von einer Spezialspedition, durchläuft das Möbelstück nun die Vorbereitung. „Gebrauchsspuren und die historische Patina sollen bewusst erhalten bleiben, aber das Objekt muss absolut schädlingsfrei werden“, so Fehler. An dem Stück ließ sich erkennen, wo bereits Hand angelegt wurde und wo nicht.
Die Logistik hinter dem Umzug gleicht einem logischen Puzzlespiel. „Später hat jedes Teil seinen festen Platz im Depot. Deshalb wird im Vorfeld alles ganz genau ausgemessen, damit kein wertvoller Platz verschwendet wird – sozusagen Tetris für Fortgeschrittene“, schmunzelte Fehler. Der Dreh- und Angelpunkt ist dabei die sogenannte Schleuse des Depots. Je nach Zustand des Objekts entscheidet sich hier, wohin der Weg führt, in die Quarantäne, in den Multifunktionsraum oder direkt ins Depot. Besonders anspruchsvoll sei dabei die Arbeit mit biologischem Befall: „Es ist beispielsweise extrem schwierig, hartnäckigen Schimmel von einem Bild wegzubekommen.“
Restauration bedeutet dabei Präzisionsarbeit. Diplom-Restauratorin Susanne Raffler erläuterte die feinen Unterschiede der Behandlung: „Am Ende dürfen kein Schimmel und keine Sporen mehr vorhanden sein. Alles wird lückenlos protokolliert, vermessen und mit einer Inventarnummer versehen.“ Dabei greifen die Experten auf bewährte Methoden zurück: „Das Vermerken der Nummer mit Bleistift ist dabei in Ordnung, weil es reversibel, also spurlos wieder entfernbar, ist.“ Dass sich der Aufwand lohnt, zeigte Raffler anhand Vorher-Nachher-Bilder von bereits abgeschlossenen Restaurationen.
Ein großer Vorteil des neuen Depots gegenüber alten Speichern ist die systematische Erfassung. Alles, was hier ankommt, wird digital registriert. Damit bleibt die Sammlung auffindbar und steht flexibel für künftige Ausstellungen zur Verfügung. Rund 65 bis 70 Stücke sind bereits vor Ort. Das älteste Exponat ist aktuell eine Truhe aus dem 16. Jahrhundert. Zum Bestand gehören außerdem bäuerliche Möbel um 1800 sowie elegante Biedermeiermöbel. Gelagert werden die schweren Stücke transportabel auf Paletten, um sie jederzeit im Raum verschieben zu können.
Ein Blick in den hellen Multifunktionsraum zeigt, wie wichtig die Architektur für die Restaurierungsarbeit ist. „Wir brauchen hier zwingend Tageslichteinfall, dürfen aber keine direkte Sonneneinstrahlung haben“, erklärte Raffler. „Restauratoren müssen bei gutem Tageslicht arbeiten, um Farben und Materialien exakt beurteilen zu können.“
Ein großes Thema im Depot ist die Schädlingsbekämpfung. Manche Insekten sind gefürchtet, allen voran der Holzwurm, aber auch Silberfischchen oder die Bücherlaus können großen Schaden anrichten. „Sehr wichtig ist es daher, alles absolut sauber zu halten, auch rund um das Gebäude herum“, so die Experten. Als Schutzmaßnahme dienen unter anderem unauffällige Eintrittsfallen. Auf gelbem Klebeband am Boden bleiben Insekten haften, bevor sie die wertvollen Exponate erreichen können. Am Ende der Führung gab es noch einen Blick auf die restaurierten Totentanz-Gemälde, die einst in der Wasserburger Friedhofskapelle hingen.
Bürgermeister Bastian Wernthaler zeigte sich begeistert von den Fortschritten: „Das ist ein tolles Projekt und eine Möglichkeit, unser historisches Erbe zu bewahren, es für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und nach außen zu tragen.“
Auch wenn die Öffentlichkeit aufgrund von Sicherheits- und Hygieneauflagen nur in kleinen Gruppen Zutritt erhalten kann, sind künftige Führungen fest eingeplant. In diesem Jahr wird der Heimatverein das Depot besichtigen, später soll es reguläre Führungen für Kleingruppen sowie für Fachpublikum geben.
Für Restauratorin Susanne Raffler ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Es ist ein echter Knochenjob“, sagte sie. „Aber es ist einfach cool, die Chance zu haben, ein komplett neues Depot von Grund auf mitaufzubauen. Der Moment, wenn man den Vorher-Nachher-Unterschied sieht, ist einfach jedes Mal wieder beeindruckend.“
Ein spannender Vormittag, der zeigt Im Wasserburger Museumsdepot wird die Geschichte der Stadt für die nächsten Generationen sicher aufgehoben und lebendig gehalten.
TANJA GEIDOBLER
Schaufenster








Wäre es nicht möglich, die Exponate wie z.B. die Bilder digital zu erfassen und danach der Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Im Depot mag es gut konserviert sein, zugänglich sind die dort aufbewahrten Gegenstände aber nur für die wenigsten.