Werke von Thomas Helbig in der Alten Polizei zu sehen
Thomas Helbig zeigt in seiner Ausstellung „Création“ beim AK68in Wasserburg Gemälde, Objekte und Collagen aus den letzten drei Jahren. Der aus Rosenheim stammende Künstler, der nach Aufenthalten in München und London seit langem in Berlin lebt und international ausstellt, ist bekannt für seine sich zwischen Figuration und Abstraktion bewegenden Bilder und Objekte. Seine Werke integrieren Elemente aus der Kunstgeschichte, der Volkskunst oder Populärkultur und verweisen auch in metaphysische Dimensionen sowie abseitige Sphären.
Bei der Vernissage in der „Alten Polizei“ eröffnete die Vorsitzende Katrin Meindl die Ausstellung und begrüßte die beiden Stadträte Werner Gartner und Wolfgang Janeczka. Die Resonanz zu dieser Vernissage war gut, über knapp 100 Besucher konnte sich der AK68 freuen.
Kuratiert hat die Ausstellung Rudolf Finisterre, der Zweite Vorsitzende des AK 68.
Nach der Begrüßung durch Katrin Meindl übernahm Cora Waschke das Wort, die Frau an der Seite Thomas Helbigs. Sie führte die Besucher in die Spezifika der künstlerischen Werke von Thomas Helbig ein: Die Ausstellung trägt den Titel „Création“, den französischen Begriff von „Schaffen“. Wann immer Menschen etwas schaffen, sei dies nicht natürlich, sondern Kunst. Kreaturen und Kreationen seien also das, was Menschen schaffen, künstlerische Werke also.
Thomas Helbig bewege sich mit seinen neueren Gemälden in die Richtung der Figuration.
In den Ausstellungsräumen der „Alten Polizei“ sind unter anderem anonyme Porträts von Menschen in historischer, an das Rokoko erinnernde Kleidung zu sehen. Gemeinsam sei ihnen ihre offene, instabile Form, erläuterte Cora Waschke die Werke ihres Mannes: Ein Kopf sei verschoben, ein Gesicht teilweise verwischt, der Körper dehne sich mutierend in den Umraum aus oder werde von diesem durchbohrt. In einem weiteren Bild scheine der Leib aus dem Bildgrund ins Licht gezogen zu werden, das Gesicht werde gleichsam zu dessen Verkörperung, zum Gestirn.
Nicht ohne Grund gehe der Begriff Porträt auf das lateinische Wort prō-trahere für ‚ans Licht bringen‘ und ‚hervorziehen‘ zurück.
Die Überblendung von Malerischem und Dargestelltem sei bei Thomas Helbig umfassend und essentiell. So könnten die abstrahierten Bildräume, die Helbigs malerisches Werk seit über 20 Jahren prägten, als das uns umgebende Weltall wie als Kosmos der Malerei an sich betrachtet werden, in deren beider Manifestationen ein stetiges Werden und Vergehen inbegriffen seien. Dahingehend ließen sich auch die in Helbigs Bildern immer wieder auftauchenden, oft behandschuhten Hände deuten. Hände stünden hier sinnbildlich für Schaffenskraft und Herrschaftswillen; denken wir nur an die sich vor dem himmlischen Umraum berührenden Hände von Gott und Mensch in Michelangelos Darstellung der Erschaffung Adams. Zugleich seien es die Hände, die in Werken des Barock, aber auch der Moderne und der Gegenwart andeuteten, wie die Arbeit in der Spannung zwischen geistigem Entwurf und konkreter Ausführung reflektiert werde.
Angesichts dieser ikonographischen Engführung von Kopf und Hand sei es durchaus bemerkenswert, dass die Hand bei Helbig meist getrennt vom restlichen Körper, wenn nicht sogar als vereinzeltes Element auftauche.
In diesem Sinne verweise die herrschaftsbefreite Hand auf den abstrakten, unendlichen Raum. Diese Form der Darstellung postuliere abermals, dass jedes Kunstwerk mit der Zeit zerfallen muss. Und dennoch blieben die Reste für die weitere künstlerische Behandlung und Gestaltung.
Man könnte durchaus versucht sein, die Gemälde und Plastiken von Thomas Helbig als Ausdruck eines dichotomen Weltbildes zwischen Ordnung und Chaos, Gut und Böse aufzufassen. Doch wäre dies nicht nur zu kurz gegriffen, sondern sogar ein Missverständnis, da Helbigs künstlerische Praxis keineswegs mit einer Moral des Entweder – Oder verbunden sei.
Es ist wohl die alte Debatte zwischen Natur und Kunst, wie sie Johann Wolfgang Goethe eingehend und eindringlich behandelt hat, die auch hier fortlebt.
Die Ausstellung beim AK68 ist noch bis zum 7. Juni zu sehen, und zwar immer donnerstags, freitags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr.
PETER RINK
Schaufenster












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