Das „Arcis Saxophon-Quartett" gestern zu Gast im Rathauskonzert
Mit den seit über 50 Jahren existierenden Rathauskonzerten in Wasserburg verbindet man vielleicht spontan klassische Konzerte von Bach bis Mozart, Beethoven oder Franz Schubert. Das Konzert im Historischen Rathaussaal der Stadt Wasserburg am Freitagabend war allerdings von etwas anderer Natur: Das „Arcis Saxophon-Quartett“ aus München bot ein Konzert unter dem Motto: „Quirky Nightclub Chronicles“, was so viel heißen mag wie: „Skurrile Nachtclubgeschichten“. Und skurril ging es tatsächlich zu: Die vier Saxophonisten hatten als Komponisten den Leadgitarristen der Band „Mothers of Invention“, Frank Zappa, ebenso im Programm wie den bekannten argentinischen Begründer des „Tango Nuevo“, Astor Piazzolla.
Das Konzert begann mit der „Rhythmic Intoxication – G-Spot Tornado“ von Frank Zappa. Bereits hier konnte der Zuschauer spüren, dass die Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim, Anke Hellmann, mit den Rathauskonzerten auch neue, mutige Wege gehen möchte. Wilder Pop erfüllte den Historischen Rathaussaal. Die vier Musiker nutzten die Chance, ihre Aerophone dem Publikum zu Gehör zu bringen. Claus Hierluksch, Sopransaxophonist des Ensembles, erläuterte dem Publikum, was dieses Instrument vermag: Man könne nämlich synthetisch jeden Sound programmieren und spielen.
Bei dem wilden Pop konnte es einem schon sprichwörtlich die Schuhe ausziehen, und so nimmt es nicht wunder, dass Claus Hierluksch selbst seine Schuhe auch auszog und barfuß musizierte. Anschließend hatte das Ensemble Seelennahrung, „Soul Food“, von dem US-Amerikanischen Komponisten Marc Mellits auf dem Programm. Hier vermochte es das Quartett in eindrucksvoller Weise, moderne Saxophonmusik in kreativen Arrangements zu präsentieren. Die aus Lübeck stammende Sonia Tcherepanov am Tenorsaxophon, der portugiesischstämmige Altsaxophonist Bernardo Correia Pereira und der aus Slowenien stammende Baritonsaxophonist Jure Knez, zeigten eindrucksvoll, dass der Siegeszug des Saxophons Anfang des 20. Jahrhunderts kein Zufall war. Mit diesen Instrumenten ist nämlich vieles möglich: Einerseits die Herstellung eines großen Klangteppichs, auf dem die verschiedensten Klänge kraftvoll interpretiert werden und andererseits auch samtweich das Ohr des Zuhörers erreichen können.
Dem Arcis Saxophon Quartett gelang es an diesem Abend, den Eindruck einer Atmosphäre schummriger Kneipen und Nachtclubs herbeizumusizieren. Der Klang der Instrumente war schon beeindruckend, wenngleich für manchen sicher auch ein wenig ungewohnt.
Im Laufe des Konzerts bezog das Ensemble dann das Publikum ein. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sollten ein Sommergewitter nachahmen. Dazu durfte man lediglich seine Finger, Hände und Füße einsetzen und es war höchst beeindruckend zu erleben, wie täuschend nahe man den Geräuschen eines Wolkenbruchs mit parallel eintretendem Platzregen kommen konnte. Die Vielseitigkeit des Ensembles, das das Publikum derart in den musikalischen Abend einzubinden vermochte, strahlte ein hohes Maß an Faszination aus.
Die aus der Mongolei stammende und jetzt in Berlin lebende Komponistin Shuteen Erdenebaatar lieferte dem Quartett eine Komposition: „In a sentimental mood – Echoes of life“. Die vier Musiker entrollten hier einen großen Klangteppich. Man war beeindruckt.
Zum Abschluss kam Astor Piazolla zur Aufführung. Kompositionen des Begründers des „Tango Nuevo“ bildeten den Höhepunkt und Abschluss dieses Konzertes. Natürlich fehlte auch das bekannte Werk Piazzollas „Libertango“ nicht. Die Verbindung von modernem Jazz-Style und harmonischem Klang gelang dem Quartett in außergewöhnlicher Weise. Hier kamen dann auch noch Klanghölzer zum Einsatz, was den Eindruck, man könnte auch in einem Nachtclub an der Bar sitzen, durchaus abrundete.
Mit der Einladung des „Arcis Saxophon Quartetts“ aus München ist es den Veranstaltern der Rathauskonzerte gelungen, musikalisch auch neue Wege zu beschreiten. Man darf deshalb auf künftige Veranstaltungen gespannt sein, ob auch solche neuen Wege bei den Konzerten integriert werden können.
Das nächste Rathauskonzert wird am Freitag, 12. Juni um 20 Uhr stattfinden. Mit William Youn am Klavier und Nils Mönkemeyer werden Werke von Maurice Ravel, Claude Débussy, Konstantia Gourzi, Rebecca Clarke und anderen präsentiert werden. Kritiker nennen William Youn, der sich in den letzten Jahre international einen Namen gemacht hat, gerne auch einen „echten Poeten am Klavier“. Nils Mönkemeyer hat sich auch international als ein brillanter und sehr erfolgreicher Bratschist profiliert.
Vor dem Konzert lädt die Kulturreferentin des Kreises Rosenheim, Anke Hellmann, zu einem Gespräch mit den Künstlern ein. Es beginnt um 19.15 Uhr im Historischen Rathaussaal.
Im Herbst finden dann das 4. und 5. Rathauskonzert dieses Jahres statt: Am Samstag, 17. Oktober, um 20 Uhr, wird das Trio Parnassus Werke von Ludwig van Beethoven und Johann Christian Heinrich Rinck präsentieren und am Samstag, 21. November, um 20 Uhr ist das „Mozart Ensemble Bamberg“ im Rathaussaal zu Gast mit einer „musikalischen Reise“ „Von Wien nach St. Petersburg“. Sie werden Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Alexander Glasunow und Alexander Bordin dem Publikum zu Gehör bringen. Karten gibt es im Ticketshop der Stadt wasserburg (www.wasserburg.de/ticketshop), in der Touristinfo im Rathaus oder bei den Verkaufsstellen von Reservix. Die Abendkasse ist an den Konzertabenden jeweils ab 19 Uhr geöffnet.
PETER RINK
Schaufenster






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