Gestern: Starbulls und Regensburg schrieben Geschichte - Bislang längste DEL2-Partie

Das dritte Spiel der Playoff-Viertelfinalserie zwischen den Starbulls Rosenheim und den Eisbären Regensburg schrieb Geschichte. In der bislang längsten DEL2-Partie erzielte Bryce Kindopp den 6:5-Siegtreffer für die Gäste in der dritten Minute der vierten Verlängerung. Dabei hatten die Grün-Weißen den Sieg vor 4.425 Zuschauern im ausverkauften ROFA-Stadion bereits vor Augen, führten mit 2:0, 3:1 und 5:3 – Teemu Pulkkinen gelang ein Hattrick –, kassierten aber 34 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit den Ausgleichstreffer zum 5:5.

In der Best-of-Seven-Serie liegen die Starbulls nun vor dem vierten Spiel, das am Mittwoch in Regensburg stattfindet, mit 1:2 zurück.

Starbulls-Cheftrainer Jari Pasanen setzte auf die gleiche Aufstellung wie zwei Tage zuvor beim überzeugenden 5:1-Auswärtserfolg. Bei den Eisbären rückte für den nach seinem Stockfoul gegen C.J. Stretch für eine Partie gesperrten David Morley der 26-jährige Kanadier Bryce Kindopp von der Tribüne in die erste Sturmreihe. Und ausgerechnet Kindopp sollte zum Matchwinner werden.

Zunächst lief aber alles für Starbulls. Maximilian Adam gelang der verdiente Führungstreffer. Der Verteidiger kam nach einem von Ville Järveläinen vorgetragenem Angriff an den Puck, skatete sich in die zentrale Abschlussposition und jagte das Spielgerät platziert ins linke obere Eck. Lukas Laub nahm Gästetorwart Jonas Neffin die Sicht und damit jegliche Abwehrchance (6.).

Regensburg kam danach besser ins Spiel, aber Christopher Kolarz hielt den Rosenheimer Kasten sauber. Im ersten Powerplay lief bei den Starbulls zunächst wenig zusammen, doch dann fasste sich Teemu Pulkkinen ein Herz. Der finnische Stürmer startete aus der eigenen Zone und nagelte die Scheibe von der blauen Linie in den linken Winkel zum 2:0 (14.).

Im zweiten Drittel konnten die Gäste zunächst durch Donat Peter auf 2:1 verkürzen, nachdem die Hausherren die Scheibe im eigenen Drittel schon erobert hatten, aber beim Spielaufbau an der blauen Linie hängen blieben (22.). Eine Minute später scheiterte Ville Järveläinen im Powerplay am Pfosten. Aber kurz nachdem die Eisbären wieder komplett waren, zog Shane Hanna aus der Überzahlaufstellung ab, Pulkkinen fälschte ab und der Puck zappelte hinter dem irritierten Jonas Neffin im Netz – 3:1 (25.).

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Zunächst traf Corey Trivino glücklich zum 3:2, als er einen von der Bande zurückprallenden Schuss von hinter der Grundlinie direkt vor das Tor brachte – der Puck prallte vom Schlittschuh von Torwart Kolarz ins Netz (29.). Momente später vergab Lukas Laub binnen Sekunden gleich zweimal frei vor Neffin. Statt 4:2 hieß es aber plötzlich 3:3, weil Kindopp einen Schrägschuss von Sean Giles raffiniert so abfälschte, dass der Puck unhaltbar für Kolarz ins rechte Kreuzeck sprang (31.).

Mehr vom Spiel hatten aber nach wie vor die Hausherren. Kurz vor der zweiten Pause hätten Luigi Calce und Dominik Tiffels die erneute Führung besorgen können. Nach einem Doppelschlag binnen 22 Sekunden im dritten Drittel sahen die Zuschauer die Grün-Weißen dann aber endgültig auf der Siegerstraße. Zunächst traf Ville Järveläinen nach Doppelpass mit Stretch zentral aus der Halbdistanz platziert rechts unter die Latte zum 4:3 (47.). Teemu Pulkkinen, der am Torraum einen Schuss von Maximilian Adam leicht, aber entscheidend abfälschte, stellte auf 5:3 und machte damit seinen Hattrick perfekt (48.).

Torwart Neffin verhinderte mit einer starken Parade gegen Shane Hanna den sechsten Rosenheimer Treffer, der die Partie wohl entschieden hätte (49.). Doch die in dieser Phase kurzzeitig beindruckt wirkenden Gäste kamen zurück – mit gütiger Mithilfe der Starbulls. Bei einem Pass von Jakob Weber aus der eigenen Zone kam der erwartete Icing-Pfiff nicht, der Puck prallte eigentlich harmlos von der Bande zurück, wurde aber nicht geklärt, Sam Payeur sagte danke und mogelte ihn ins kurze Eck zum 5:4-Anschluss (54.).

Die Starbulls hätten sich zum 6:4 kontern können, aber Wyatt Schingoethe löffelte die Vorlage von Pulkkinen frei vor Torwart Neffin knapp über die Latte (58.). In der Folge ersetzten die Gäste ihren Keeper durch einen sechsten Feldspieler. Die Grün-Weißen verteidigten zunächst erfolgreich, mussten 34 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit aber doch noch das 5:5 schlucken. Payeur war erneut zur Stelle und schob nach einem abgeprallten Schuss ein.

Es folgte der Wahnsinn mit drei Mal 20 Overtimeminuten ohne Tor.

Beide Schlussmänner wuchsen über sich hinaus. Ville Järveläinen hatte Pech, dass er mit einem verdeckten Schuss nur den Pfosten traf (76.). Bei einem Regensburger Drei-gegen-Eins-Angriff verfehlte Kevin Slezak das leere Tor knapp (86.).

In der 95. Spielminute zappelte die Scheibe im Netz: Fabian Dietz hatte einen Schuss von Luigi Calce abgefälscht – allerdings mit dem hohen Stock, wie die Unparteiischen in der Videoüberprüfung erkannten und deshalb den vermeintlichen Rosenheimer Siegtreffer annullierten.

Die Starbulls waren das Team, das in den ersten drei Verlängerungen den etwas spritzigeren Eindruck machte und auch ein Chancenplus verzeichnete – aber in den Anfangsmomenten der vierten Overtime war Regensburg wacher. Nach einem gewonnenen Bully von Corey Trivino legte Sean Giles das Spielgerät in den Slot, wo Bryce Kindopp die Verwirrung nutzte und zum 6:5 für Regensburg einschob.

Mit 122 Minuten und 35 Sekunden Spielzeit übertrumpfte die Partie das zuvor längste DEL2-Spiel deutlich: Das Playdownduell Freiburg – Bad Tölz am 30. März 2019 dauerte „nur“ 107 Minuten und 48 Sekunden.

Die Starbulls liegen in der Best-of-Seven-Serie gegen die Eisbären nun mit 1:2 in Rückstand.

Zum vierten Spiel treffen sich die Teams am kommenden Mittwoch in Regensburg, Spielbeginn in der Donau-Arena ist um 20 Uhr.

Zwei Tage später – am Freitag – geht das fünfte Duell der Serie im Rosenheimer ROFA-Stadion über die Bühne (Freitag, 19:30 Uhr).

Eintrittskarten sind auf www.starbulls.de/tickets buchbar, die Liveübertragungen der Spiele gibt’s bei www.sporteurope.tv.

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