Katharina Weigand aus München referierte beim Heimatverein zur Bedeutung von Denkmälern

In der Aula des Luitpold-Gymnasiums veranstalteten der Wasserburger Heimatverein und das Luitpold-Gymnasium gemeinsam eine Vortragsveranstaltung zum Münchner Friedensengel und seiner Bedeutung. Die Leiterin des Gymnasiums, Tanja Oberhofer, freute sich in ihrer Begrüßung sehr über die Tatsache, dass eine feste Kooperation zwischen dem Heimatverein und dem Gymnasium habe entstehen können.

Die heutige Vortragsveranstaltung sei auch ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Die Referentin des Abends, Dr. Katharina Weigand von der Ludwigs-Maximilians-Universität in München, sei eine ausgewiesene Expertin für die Bayerische Geschichte im 18. und 19. Jahrhundert.

Wie es zu dieser Einladung gekommen sei, erläuterte dann ein Mitglied des W-Seminars von Franz Quirin Meyer, dem Fachbetreuer für Geschichte am Luitpold-Gymnasium. Im W-Seminar gehe es darum, wissenschaftliches Arbeiten zu lernen. Man beschäftige sich auch mit Fragen wie man eine Recherche gestalte. Im Ergebnis schreibe jede Schülerin und jeder Schüler eine Seminararbeit, in der diese erworbenen Fähigkeiten dokumentiert werden könnten.

Daran anschließend stellte die Referentin des Abends ihr Thema vor: Ihre erste Frage war, „was sind Denkmäler?“ Sind es verstaubte Möbelstücke aus alter Zeit? Und wozu halten wir uns Denkmäler?

Der Friedensengel in München beispielsweise, könne uns gut Auskunft geben über die Zeit seiner Entstehung. Und sie erwähnte das Dürerdenkmal in Nürnberg, das zwischen 1837 und 1840 entstanden sei. Man habe hier zwar auf eine Portrait-Ähnlichkeit mit Albrecht Dürer geachtet und auch seine typische Kleidung einbezogen, ansonsten erfahre man aber wenig über Dürer und mehr über den Initiator zu diesem Denkmal, König Ludwig I. von Bayern. Denkmäler gäben uns also zwei verschiedene Informationen: eine über die Zeit, auf die sich das Denkmal beziehe, zum anderen über die Initiatoren von Denkmälern. Wenn, wie beim Dürerdenkmal, eine Person auf einen Sockel gehoben werden soll, meine der Initiator damit letztlich auch sich selbst.

Denkmale hätten also die Funktion, Erinnerung zu bewahren und damit, so führte die Referentin weiter aus, verwiesen sie nicht nur auf die Vergangenheit und die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft. Und gerade deshalb könne ein Denkmal letztlich niemals historisch korrekt sein, sie erinnerte nur an die zahlreichen Bismarck-Denkmäler in Deutschland, in denen die Person Otto von Bismarcks in erster Linie heroisiert werden sollte.

Schwierig sei es auch bei eher abstrakten Monumenten wie beispielsweise dem Luftbrücken-Denkmal in Berlin. Hier sei eben das Gedenken entscheidend. Das Denkmal solle helfen, die Erinnerung zu wahren und zu pflegen. Und sie ergänzte, dass auch unsichtbar gewordene und missinterpretierte Denkmäler uns wohl einiges zu sagen hätten.

Der Münchner Friedensengel trage beispielsweise mehrere Botschaften in sich: Er sei, so Weigand, kein Engel im engeren Sinne, sondern durchaus mehrdeutig: Er sei Zeugnis des Sieges im deutsch-französischen Krieg 1870/71 und damit gleichzeitig ein Zeugnis des Krieges und des Friedens, allerdings in heroisierender Darstellung.

Im Folgenden wies die Referentin darauf hin, dass im späten 19. Jahrhundert auch ein Richard-Wagner-Haus in München angedacht gewesen sei, aber niemals realisiert worden sei. Die Wirkung einer Umsetzung wurde auch jedem klar: München wäre die Richard-Wagner-Stadt geworden und die Wagner-Festspiele hätten in München ihren Platz gefunden. Warum es zu diesem Richard-Wagner-Haus niemals gekommen sei, konnte die Referentin schnell erklären: Zum einen hätten die Münchner einen großen Zorn auf Richard Wagner gehabt, was auch mit der Tänzerin Lola Montez zu tun gehabt habe. Das Zerwürfnis zwischen König Ludwig I. und Richard Wagner habe letztlich dann die Errichtung eines Richard-Wagner-Hauses verhindert.

Im Laufe ihres Vortrages ging Katharina Weigand auf die verschiedensten „Friedensengel“-Monumente ein, unter anderem die Siegessäule in Berlin, das Niederwalddenkmal in Rüdesheim oder das „Sieges- und Friedensdenkmal“ in Edenkoben in der Pfalz.

Allen „Friedensdenkmälern“, die nach 1871, aber vor 1914 entstanden seien, sei eines gemeinsam gewesen: Sie seien letztlich keine Denkmäler des Friedens, sondern Monumente zur Verherrlichung des Sieges im Krieg.

Und als 1896 der Grundstein zum Denkmal „Münchner Friedensengel“ gelegt wurde, wurden natürlich in erster Linie Veteranen des Krieges geehrt. Man erinnerte in der Bauweise aber auch gerne an die griechische Antike, einem wichtigen Merkmal im Klassizismus.

Mit einer Anekdote schloss die Referentin ihre Ausführungen: Es sei im Kaiserreich üblich gewesen, dass sich der Bauträger eines Auftrages an den vereinbarten Kostenrahmen zu halten habe, ansonsten müsse er Mehrkosten aus eigener Tasche tragen. Sie fragte mit einem Augenzwinkern, ob nicht auch heutige Entscheidungsträger davon lernen könnten, es könnte nämlich Kosten sparen.

In der anschließenden Diskussion kam die Sprache auf Denkmalstürze, wie man sie immer wieder erleben kann. Die Referentin sah in der „Geschichtsbeseitigung“ ein ernsthaftes Problem. Wenn ein Gedenken in der Gegenwart mit der politischen Korrektheit konfligiere, riet sie zur Erläuterung, statt zum „Entsorgen“ der geschichtlichen Erinnerung.

Peter Rink

 

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