Immer mehr extreme Wetterereignisse: Expertin hielt Vortrag bei der Sparkasse

Der Klimawandel ist auch im Altlandkreis Wasserburg angekommen. Im Sommer waren einige Gemeinden von Hagel und Starkregen betroffen, an Häusern und auf den Feldern entstanden Schäden in Millionenhöhe.


„Auch der Raum Wasserburg befindet sich zwischen zwei Extremen“, wie Dr. Miriam Dühnforth (Foto) von der Versicherungskammer Bayern heute in einem Vortrag bei der Sparkasse Wasserburg zum Thema „Naturgewalten und Klimawandel“ verdeutlichte.

Noch im Juni warnte der Deutsche Wetterdienst vor einer erhöhten Waldbrandgefahr, nur wenige Tage später erinnerten Bilder von verhagelten Feldern aus Rechtmehring und Albaching eher an Winterlandschaften.

Es kam zu extremen Hagelschäden und Überschwemmungen. Laut aktueller Zahlen belaufen sich die Schäden, die der Versicherungskammer Bayern gemeldet wurden, auf rund 1,15 Millionen Euro.

Kurz darauf waren Halfing, Amerang und Obing von Starkregen betroffen.

Die Schäden, die dieser hier angerichtet hat, beziffert die Versicherungskammer Bayern mit zirka drei Millionen Euro.

Und das, obwohl im vergangenen Jahr noch Wassermangel ein großes Problem war, gerade in der Landwirtschaft. Überall war eine ungewöhnliche Trockenheit aufgetreten, in einigen Regionen Bayerns sogar außergewöhnliche Dürre, erklärte Dr. Dühnforth.

Drei der vergangenen vier Jahre waren vor allem von Ernteausfällen durch Trockenheit geprägt. Dennoch erhöht sich die Versicherungsdichte einer Mehrgefahrenversicherung nur langsam und liegt – mit Ausnahme der Absicherung der Ernte gegen Stürme – nach wie vor im einstelligen Prozentbereich.

„Die Abfolge solcher Ereignisse wird enger und die Intensität stärker“, befürchtete Dr. Dühnforth. „Extreme Wetterereignisse wie Stürme, Starkniederschläge und Hitzewellen nehmen aufgrund des Klimawandels immer mehr zu. Auch in trockenen Zeiten können lokale Starkregen und Überschwemmungen auftreten. Dies kann auch in Siedlungsgebieten fernab von Flüssen zu existenzgefährdenden Schäden an Hab und Gut führen.“

Zurückzuführen sei das auf die steigenden Jahresmitteltemperaturen.

Denn warme Luft nehme mehr Wasser auf, die Verdunstung führe zu Dürreperioden und wo der Wasserdampf abregne, sei „katastrophales Hochwasser“ die Folge. „Bis man reagieren kann, ist der Keller voll“, so Dr. Dühnforth. Und die heißen Tage über 30 Grad Celsius werden mehr.

Laut der Wetterstation Amerang-Pfaffing gab es allein heuer bereits sieben solcher Tage, „es war aber kein besonders heißer Sommer“, gab die Referentin zu bedenken.

Wer bisher nicht betroffen war, könne sich vor so einem Ereignis nicht vorstellen, was passieren kann, aber inzwischen „haben wir gesehen, was passiert ist“, betonte Mischa Schubert, Vorstandsmitglied der Sparkasse Wasserburg (Foto, rechts, hier zusammen mit Anja Weidemann, bei der Sparkasse unter anderem für Gebäudeversicherungen zuständig).

„Die jüngsten Unwetterereignisse verdeutlichen einmal mehr: Nach wie vor unterschätzen viele Immobilienbesitzende die Gefahr, Opfer von Überschwemmung durch Starkregen oder Hochwasser zu werden.“ Gerade weil die Wassermengen bei Starkregen nicht schnell genug abfließen können, unter anderem auch aufgrund versiegelter Flächen in Wohn- und Gewerbegebieten, empfehle sich eine ausreichende Vorsorge. Schubert weiter: „Deshalb ist es wichtig, sich vor eventuellen Schäden durch entsprechende Elementarschadenversicherungen für Gebäude und Hausrat individuell zu schützen. Unser Partner, die Versicherungskammer Bayern, Marktführer in der Wohngebäudeversicherung, kann in Bayern fast alle Gebäude, genau gesagt 99,2 Prozent, problemlos versichern.“

Nur 38 Prozent sind versichert

In der Wohngebäude- und Hausratversicherung sind die Grundgefahren Sturm, Leitungswasser und Hagel gedeckt. Überschwemmung durch Starkregen oder Hochwasser, Schneedruck, Erdbeben, Erdrutsch und Lawinen sind nur versichert, wenn eine ergänzende Elementarschadenversicherung besteht.

Während in Deutschland 46 Prozent aller Gebäude entsprechend abgesichert sind, haben in Bayern bislang nur rund 38 Prozent der Häuser diesen Schutz gegen Naturgefahren. Das bedeutet, dass mehr als jeder zweite Immobilienbesitzer sich nicht auf die Unterstützung einer Versicherung im Schadenfall verlassen kann.

In einer Umfrage vor einigen Jahren wurde deutlich: Nur etwa ein Viertel der Befragten schätzen das Risiko, dass ihr Gebäude von Überschwemmungen betroffen sein kann, als groß oder sehr groß ein. Durch die jüngsten Ereignisse seien die Beratungsanfragen zum Schutz vor solchen Wetterereignissen allerdings gestiegen, die Problematik sei „in der Bevölkerung angekommen“, so Dr. Dühnforth.

Nach der Unwetterserie im Sommer lässt sich aktuell ein verstärktes Interesse an diesem existenziellen Schutz erkennen. Für ein Standard-Einfamilienhaus kostet die Elementarschadenversicherung nur rund 120 Euro im Jahr.

Welches Risiko für das eigene Heim besteht, können Immobilienbesitzende über den Risiko-Check der Versicherungskammer Bayern ermitteln. Auf die Hausnummer genau wird überprüft, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Unwetters am Wohnort ist und wie hoch sich die Schäden auswirken könnten. Darüber hinaus kann man mit dem  des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft ermitteln, welche Schäden Unwetter bereits am Wohnort verursacht haben.

In Wasserburg entstanden 175.000 Schäden durch Naturgefahren im Jahr 2019. Der teuerste Schaden durch Starkregen lag bei 350.000 Euro, durch Sturm und Hagel bei 90.000 Euro.

Um das individuelle Schadenausmaß der vergangenen Monate im Wasserburger Umland zu ermitteln und sich mit den Geschädigten über die anstehenden Wiederaufbaumaßnahmen abzustimmen, sind einige Außenregulierer in den stark getroffenen Ortschaften als Helfer in der Not.

Für Überschwemmungseinsätze hatte die Versicherungskammer Bayern die Feuerwehren im Landkreis Rosenheim mit 14 Schwimmsaugern ausgestattet. Wasserburg selbst ist naturgemäß an Hochwasser gewöhnt, doch die geringe Vorwarnzeit bei Überschwemmungen durch Starkregen im Vergleich zu Flusshochwasser werde in der Region immer mehr zum Problem.

Nächsten Mittwoch Online-Veranstaltung

Zum diesem Thema findet am kommendem Mittwoch, um 18.30 Uhr, die kostenlose Online-Veranstaltung „Wetterextreme in Folge des Klimawandels: Der Altlandkreis Wasserburg – zwischen Wassermangel und Starkregen“ mit Referentin Dr. Miriam Dühnforth statt.

Interessierte Kunden und Nichtkunden der Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg können sich bis Montag direkt über die Homepage www.sparkasse-wasserburg.de/online-vortrag anmelden.