Alois (92) und Christl Schlemer (85) feiern das seltene Fest der Eisernen Hochzeit


Das gibt es nicht oft: Vor 65 Jahren gaben sich Christl und Alois Schlemer das Ja-Wort. Nun feierte das Paar aus Aschau die Eiserne Hochzeit. Leider gab es wegen der Pandemie keine große Feier – dafür gab’s Glückwünsche vom Bundespräsidenten, vom Ministerpräsident von der lokalen Politik sowie per Karte von Verwandten, Freunden und Nachbarn. Unter den Gratulanten natürlich die Großfamilie: Zwei Töchter, zwei Söhne, neun Enkelkinder und fünf Urenkel…


„Bei unserer Eisernen Hochzeit ist es in Aschau nicht ganz so kalt gewesen, wie bei unserer Trauung vor 65 Jahren in der Kirche Heilig Blut in Aising, minus 36 Grad zeigte damals das Thermometer an“ erinnert sich Christl Schlemer in der gut geheizten Stube beim „Fellerer“ hoch über Aschau. Im Kreise ihrer Familie feierten Alois (92) und Christl Schlemer (85) das seltene Fest der Eisernen Hochzeit – also 65 Jahre gemeinsamen Weg durchs Leben. „9,80 Mark mussten wir damals für das Aufgebot in Aising bezahlen“; beim „Kramen in alten Unterlagen“ fand Christl Schlemer ein paar Tage vor der Eisernen Hochzeit noch den „Aufgebots-Zettel“ von 1956.

Auf eine große Feier der „Eisernen“ musste wegen Corona leider verzichtet werden. So mussten sich die zahllosen Gratulanten mit Telefon und Skype-Anrufen begnügen oder ganz altmodisch zur Glückwunschkarte greifen. Zum Ehejubiläum kamen Glückwünsche von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, von Landrat Otto Lederer aus Rosenheim und Aschaus Bürgermeister Simon Frank auf den Fellerer. Familie, Freunde und Nachbarn gratulierten dem weitum bekannten Jubelpaar, der weiteste Gruß kam per Skype von der Nichte aus Florida.

Alois Schlemer wurde 1929 in Urschalling geboren. Christl Schlemer, auf dem elterlichen Anwesen am Fellerer in Aschau. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und zwei Söhne hervor, mittlerweile können sich die Großeltern auch über neun Enkelkinder und fünf Urenkel freuen, im März wird das sechste Urenkelkind erwartet, so Christl Schlemer. Die Enkel sind mittlerweile alle groß, so ist der aktuelle „Liebling“ von Christl und Lois Schlemer der Familienhund „Miri“. Er bekommt jeden Tag schon am Frühstückstisch das erste Leckerli, will anschließend vom Opa gekrault werden und sorgt auch sonst für Heiterkeit und Betriebsamkeit im Hause Schlemer.

Die ersten Ehejahre verbrachten sie nach der Hochzeit gemeinsam in Rosenheim, dann ging es weiter nach Fischbach. Nach der Geburt des dritten Kindes übernahmen sie den elterlichen Hof am Fellerer in Aschau. Miteinander bewirtschafteten sie das Anwesen im Nebenerwerb. Alois Schlemer ist gelernter Maurer, er wechselte dann zur Bundesbahn und war bis zur Pensionierung als Fahrdienstleiter in Prien tätig. Die gelernte Schneiderin Christl Schlemer arbeitete „auf dem Fellerer“ als Bäuerin und vermietete lange Jahre an „Sommerfrischler“. Der traumhafte Blick vom Fellerer auf Aschau und die Kampenwand zog die Sommergäste geradezu magisch an, viele Stammgäste kamen immer wieder in den Urlaub. Seit der Hofübergabe an den jüngsten Sohn genießen die beiden ihr „Austraglerleben“. Ein wichtiger Bestandteil des Tages ist das gemeinsame Kochen. Gerne sitzen die beiden auf Ihrer Hausbank, oben am Fellerer und genießen die Aussicht auf Aschau. Sie freuen sich schon sehr auf die warmen Frühlingstage.

Christl Schlemers besonderes Interesse galt der Milchschafhaltung Sie war 25 Jahre Schatzmeisterin der Bayerischen Milchschafhaltervereinigung. Auf dem Zentrallandwirtschaftsfest in München erhielt sie zweimal den ersten Preis als Auszeichnung für das schönste Milchschaf. Jahrelang engagiert sie sich aktiv bei den Seniorennachmittagen des BRK Aschau.

Alois Schlemers ganz große Liebe gilt vor allem der Musik. Lange Jahre war er Dirigent der Musikkapelle Aschau und zweiter Dirigent der Kapelle in Bad Endorf. Alois Schlemer ist Gründer der Aschauer Stubnmusi, Gründungsmitglied der Frasdorfer Tanzlmusi und Arrangeur unzähliger Volksmusikstücke. Er musiziert auch gerne mit seinen Kindern und Enkeln, von denen die meisten die Musiker-Gene vom Opa und die Freude am Kochen und Reisen von der Oma geerbt haben.

Die größte gemeinsame Leidenschaft der beiden rüstigen Jubilare war stets das Reisen. Von Island bis Marokko haben sie schon viele Länder besucht.

Text und Fotos: Heinrich Rehberg