Dass der Schnee stets komplett geräumt wird, ist für Bauhof-Chef Alexander Murner nicht realistisch


Alle Jahre wieder: Kaum bedeckt die weiße Pracht Straßen und Gehwege, hagelt es Beschwerden von Bürgern, warum der Schnee an manchen Stellen nicht geräumt wird. Dabei ist der städtische Winterdienst so wie in den letzten Tagen unermüdlich im Einsatz. Der Leiter des Bauhofs – Alexander Murner – appelliert daher an die Eigenverantwortung und Rücksicht der Wasserburger.

Morgens Regen, elf Grad plus mittags – heute ging es der weißen Pracht in Stadt und Altlandkreis richtig an die Substanz. Aber wenn es wie zuletzt heftig schneit, steht bei Alexander Murner das Telefon nicht mehr still. „Ich bekomme bis zu 40 Anrufe pro Tag“, sagt der Bauhof-Chef, „bei denen sich die Leute teils beschweren, warum bei ihnen nicht geräumt wird.“ Mitunter wird sogar gefordert, dass aufgehäufte Schneeberge abgeholt werden, wofür der Winterdienst gar nicht zuständig sei. „Es herrscht eine Erwartung, dass überall zu jeder Zeit und zu 100 Prozent der Schnee beseitigt wird“, so Murner, „das ist schlichtweg nicht umsetzbar.“ Dafür bräuchte er dreimal so viele Mitarbeiter.
21 Angestellte mit zehn Fahrzeugen (darunter drei externe) räumen auf 94 Kilometern städtischen Straßen und Gehwegen den Schnee. Allein Bürgersteige und Übergänge umfassen etwa 50 Kilometer. Meist sind die Winterdienstler in Wechselschichten unterwegs, sodass immer elf Mann im Einsatz sind. Der beginnt bereits gegen drei Uhr früh. Schon etwa eine Stunde früher fährt ein Melder durch die Stadt und alarmiert dann die Trupps, die übrigens auch per Hand den Schnee räumen – beispielsweise an Bushaltestellen. Wenn notwendig, rückt der Winterdienst sogar zwei Mal am Tag aus.
Allein bei den kräftigen Schneefällen vor einigen Tagen wurden 40 Tonnen Streusalz ausgebracht – von insgesamt 200 Tonnen, die für diese Saison eingeplant sind. Weil der Winter letztes Jahr eher mild war (nur 50 Tonnen wurden gebraucht) greift Murner auf das im Vorjahr eingelagerte Salz zurück und musste kein neues im Sommer einkaufen. „Wir streuen so wenig Salz wie möglich aus“, meint er im Hinblick auf die Umwelt.
Die Beschwerden betreffen zu 80 Prozent Privatstraßen und –parkplätze sowie Anliegerstraßen, die von der Stadt nicht geräumt werden. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, betont Murner, „genauso wenig wie wir verpflichtet sind, dass die Straßen stets frei sind.“ Es komme auch vor, dass engere Straßen gar nicht geräumt werden können, weil sie so zugeparkt sind, dass Räumfahrzeuge keinen Platz haben.  „Bevor wir Autos beschädigen, lassen wir diese Straßen besser aus“, sagt Murner. Die Anwohner sollten gegebenenfalls ihre Fahrzeuge anderweitig abstellen, sodass eine Durchfahrtsbreite von 3,50 Metern verbleibt.
Alexander Murner wünscht mehr Eigenverantwortung der Bürger. „Im Winter darf es auch mal glatt sein, die Menschen sollten ihre Fahrweise anpassen und langsamer fahren – und einfach mehr Rücksicht nehmen.“
CF