„Soyen 60plus“ besuchte das Museum in Gabersee

„Gabersee“ ist ein Begriff, weit und breit. Doch generell macht man sich nicht allzu viele Gedanken, wie die Einrichtung entstand und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Dazu gibt das Psychiatrie-Museum Gabersee Aufschluss über deren kompletten Werdegang. Wolfgang Schmid führte 20 Mitglieder von „Soyen 60plus“ durch das Museum.

Als Gründer des Museums, so Wolfang Schmid, würde er Hans Fischberger benennen. Ein Essenswagerl sollte bei Sanierungs- und Aufräumarbeiten verschrottet werden, „zu schade“, wie er meinte. Der erste und entscheidende Schritt war getan und Haus 23 wurde 1990 umgewandelt in Museumsräume im Obergeschoss und in die Aufnahme als Notstation.

Ausgesprochen spannend für die Teilnehmer war die bewegende Geschichte „Gabersees“, wie es von den Einheimischen kurzerhand genannt wird. Bereits in der Zeit König Ludwigs I. entstand im Jahr 1859 in München eine Kreis-Irrenanstalt mit einer Kapazität für 600 Patienten, allerdings für den kompletten Bereich Oberbayern, was bedeutet, dass sehr bald eine Ausweitung dringend notwendig wurde.

Unheilbar Kranke wurden 1873 dann nach Attel ausquartiert. Im Jahr 1882 konnte damals dann das Gut Gabersee erworben werden. Die neue Anstalt des Bezirks Oberbayern mit ihren fünf Neubauten wurde nach nur neun  Monaten Bauzeit im November 1883 bezogen. Viele neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, ein großer Gewinn für die Stadt Wasserburg, zumal wegen der neuen Bahnverbindungen die Innschifffahrt weggebrochen ist. Gerade aber diese Bahnlinien waren auch entscheidend für die Wahl des neuen Standort Gabersee, zumal dadurch für die Patienten die Erreichbarkeit der Krankeneinrichtung gewährleistet war.

Die damalige strenge Geschlechtertrennung konnte nur durch unerschiedliche Gebäude gewährleistet werden . Wolfgang Schmid ging auch auf die wissenschaftlich basierte Psychiatrie des Professor Bernhard von Gudden ein, der in erster Linie durch den tragischen Tod mit Ludwig II. bekannt wurde. Zu einem neuen Konzept gehörte auch die offene Unterbringung und die Arbeit in der Landwirtschaft als erfolgreiche Behandlungsmethode. Die guten Erfahrungen in der Arbeitstherapie wurden auch in der Wäscherei, Küche und in unterschiedlichen Handwerksbetrieben umgesetzt. Dieses erprobte Konzept, wie in Gabersee, wurde dann auch in den neuen Einrichtung Eglfing (1905) und Haar (1912) übernommen. Ein wichtiger Schritt war die Gründung der Krankenpflegeschule im Jahr 1923. Die Ausbildung, davon sechs Wochen Theorie, dauerte damals ein Jahr und basierte auf dem Wissen aus der sehr dünnen Broschüre „Leitfaden für Irrenpfleger“, so der ehemalige Pfleger Wolfgang Schmid.

Erschütternde Details über die tragische Geschichte ab 1933, in der Kranke und Behinderte nur als unnötige Kostenverursacher abgetan wurden und Euthanasiebefehle und Zwangssterilisation angeordnet wurden, folgten.  Offiziell aufgelöst wurde Gabersee am 1. April 1941, für einige Wochen umfunktioniert in das Heim der sogenannten NS-Wohlfahrt-Kinderlandverschickung, auch als Lazarett genutzt und von 1946 bis 1950 ein Lager der UNNRA für „Displaced Persons“.

Alles nahm am 1. September 1953 mit der Neueröffnung des Nervenkrankenhauses Gabersee ein Ende. Es wurde wieder aufgebaut, erreichte im Jahr 1959 den Zustand wie vor dem II. Weltkrieg und präsentiert sich heute als moderne Einrichtung mit vielen Fachbereichen, wie ZAM, ZEPP, Suchtfachbereich, Tagesklinische Plätze, Neurologie und forensische Psychiatrie. Ein großartiger Vortrag der durch den abschließenden Rundgang und die Erklärung der unterschiedlicher Museums-Objekte aus der Vergangenheit auch dem Laien Einblick gab in eine für ihn völlig fremde Welt. Die doch zum Teil schwer verdauliche Kost wurde beim anschließenden gemeinsamen Besuch im Cafe des neuen Krankenhauses ausgiebig besprochen und als ausgesprochen interessant und wertvoll bezeichnet.

MR

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