AK68 zeigt außergewöhnliche Ausstellung in der Alten Polizei
Lee Jiyoun stammt aus Südkorea, lebte viele Jahre in Paris, wo sie den in Würzburg geborenen Burkard Blümlein kennenlernte. Beide Künstler leben derzeit in München und haben auch eine kleine Galerie in Wasserburg. Der AK68 zeigt jetzt eine außergewöhnliche Ausstellung mit Werken der beiden Künstler in der Alten Polizei.
Ihr Thema sind die kleinen Dinge, die wir eigentlich nicht beachten, ja nicht einmal wahrnehmen und die doch eine so große Bedeutung für uns haben können.
Wenn man die Ausstellung „Ein kleiner Stein im Schuh, ein Faden schwebt“ in der Alten Polizei am Kaspar-Aiblinger Platz besucht, stößt man als erstes auf einen Tisch, der hängend an der Wand angebracht worden ist. Doch muss man wissen, dass er seine Balance in einem labilen Gleichgewicht nur halten kann, weil alle Kräfte miteinander äußerst behutsam austariert sind. Legt man nur ein Reiskorn auf diesem Tisch ab, so ist das Gleichgewicht erschüttert und der Tisch gerät in eine Schieflage. Oder man wird eines Tisches gewahr, der nur auf drei Beinen steht, das vierte Bein fehlt. Seine Stabilität erhält der Tisch durch einen Felsblock, sodass auch ein Glas, an der anderen Seite stehend, diese Stabilität nicht erschüttern kann. Entfernt man den Felsblock, bricht alles zusammen.
Lee Jiyoun und Burkard Blümlein wollen unsere Aufmerksamkeit auf jene Dinge lenken, denen wir nicht selten recht achtlos begegnen. Und genau das scheint die Philosophie hinter ihrer Kunst zu sein: Jedes Material berge Erinnerung, seien es Kratzer oder Abdrücke. Jeder Gegenstand besitze nicht nur seine Dinghaftigkeit, sondern sei auch ein Bedeutungsträger, wenngleich der Gegenstand auch kein Gedächtnis habe. Ein kleiner Stein im Schuh beherbergt Ungemach für uns. Dennoch werfen wir den Stein weg und vergessen ihn.
Burkard Blümlein hat in einem Raum in der Galerie einen größeren Fleck im Teppichboden entdeckt und ihn zum Thema seiner künstlerischen Aufarbeitung gemacht. In einem Gespräch verrieten uns die beiden Künstler, dass sie auch hier in Wasserburg zuerst die Räumlichkeiten begutachtet hätten, um dann zu entscheiden, welche Kunst in diesem Raumangebot gefertigt werden könne. In der ehemaligen Küche der Alten Polizei hat Lee JiYoun auch genügend Anregungen für ihre künstlerische Gestaltung gefunden.
Am vergangenen Samstag wurde die Ausstellung jetzt eröffnet. In Vertretung der verhinderten Katrin Meindl begrüßten der Zweite Vorsitzende Rudolf Finisterre und Vorstandsmitglied Robert Lang die Besucher. In seiner Einführung wies Robert Lang darauf hin, dass die Ausstellung, die hier entstanden sei, ebenso uneitel sei wie die beiden Künstler. Es gebe schon so viele Dinge auf der Welt, man müsse nicht ständig etwas Neues schaffen.
Die Perspektiven der beiden Künstler seien zwar unterschiedlich, aber durchaus verwandt und er wünsche allen Besuchern „einen offenen Blick für die feinen Dialoge“ die einen in den Räumen erwarteten.
Burkard Blümlein hat zwei vollkommen zerstörte Teller neu zusammengesetzt und zusammengeklebt, damit sie, geklebt zwar, aber wieder als Teller herhalten könnten. Auf jeden Fall könnten sie Geschichten erzählen: von ihrem Gebrauch, ihrer Zerstörung und der Restauration. Das Material speichere damit wohl Erinnerungen, kann sie aber nur mittelbar weitergeben. Viele Dinge würden für etwas Bestimmtes geschaffen und erführen eine neue Lebenszeit in anderen Zusammenhängen.
Die Vielfalt unseres Lebens mit den durchaus vielfältigen Erfahrungen wird in dieser Ausstellung ergänzt und bereichert durch die Erfahrung, dass auch die nebensächlichsten Dinge eine eigene Bedeutung erfahren können und damit Spuren hinterließen.
Geöffnet ist die Ausstellung noch bis Sonntag, 26. April, immer donnerstags, freitags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr in der Alten Polizei am Kaspar-Aiblinger-Platz 5.
Am Samstag, 18. April, um 17 Uhr findet ein Künstlergespräch mit Lee JiYoun und Burkard Blümlein statt. Die Kunstjournalistin Roberta de Righi wird dieses Künstlergespräch moderieren.
Am Sonntag, 19. April, um 10.30 Uhr und um 14.30 Uhr läst Lee JiYoun zum workshop „Schatzkiste“ in den Galerieräumen ein.
PR
Schaufenster





















Hinterlassen Sie einen Kommentar