„Mia woins ned und mia brauchans ned!“

Riesiger Andrang beim Diskussionsabend um die B15 neu im Rathaussaal

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1De B 15 neu – mia woins ned und mia brauchans ned!“ Mit diesen Worten fasste Peter Kammerl aus Brandstätt die Meinungen von gefühlten 90 Prozent der anwesenden Bürgern zusammen und tosender Applaus begleitete ihn im voll besetzten Rathaussaal in Wasserburg am Dienstagabend. Zweieinhalb Stunden lang wurde dort der Direktor der Autobahndirektion Südbayern, Gilbert Peiker, mit Fragen bombardiert …

Alle Bürger, die aus Soyen, Edling, Rott, Ramerberg, Haag, Pfaffing und Wasserburg sowie Reitmehring gekommen waren, versuchten, sachlich in ihren Wortmeldungen zu bleiben. Sehr bemerkenswert, wenn man bedenkt, worum es geht: Um einen gewaltigen Einschnitt in ihre Natur- und Kulturlandschaft direkt vor der Haustür …

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Fotos: Renate Drax

„Und jetzt bitte mal konkret“: Viel zu vage waren vielen Besuchern die Antworten, die der Vertreter der Autobahndirektion gab – auch wenn alle sich mit Applaus bei ihm zuvor bedankt hatten, dass er überhaupt gekommen war, um auf die vielen Fragen einzugehen.

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Peter Kammerl aus Brandstätt nahm an der Versammlung mit seinem Kind teil.

Sehr oft aber war von ihm von Abwägungs-Prozessen die Rede. Die Krönung des Abends schien gegen Ende der Diskussion die Frage eines Bürgers zur Natur, die Frage nach dem Gedanken der Schöpfung. Woraufhin Peiker meinte, die Natur spiele für die Autobahnplaner eine große Rolle. Woraufhin er wiederum schallendes Gelächter von den Besuchern erntete.

Nachdem Michael Kölbl, Wasserburgs Stadtoberhaupt, alle begrüßt hatte – unter den Besuchern waren auch MdB Daniela Ludwig, MdL Otto Lederer und der neue Landrat Wolfgang Berthaler sowie die Bürgermeister von Edling, Soyen, Pfaffing, Rott, übernahm Wasserburgs Bürgermeister zu späterer Stunde auch selbst die Läufe durch die Reihen des ganzen Saals – samt Mikro, damit die Bürger durch selbiges sprechen konnten. Bis auf ein paar wenige waren zu Beginn der Versammlung alle dafür gewesen, dass auch die Bewohner der umliegenden Gemeinden zu Wort kommen dürfen.

3Einführend erklärte Gilbert Peiker (Foto links) anhand einer Powerpoint-Präsentation den Planungsablauf und die Projektbewertung im Bundesverkehrswegeplan. Laut Peiker stelle die vorgeschlagene Linie definitiv keine festgelegte tatsächliche Straßenführung dar. Erst nach der Aufnahme des Teilstücks von der A 92 bei Essenbach bis zur B 299 bei Geisenhausen in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans werde eine konkrete Raumwiderstandanalyse vorgenommen. Die nun vorgeschlagene Straßenführung könne sich dabei noch entscheidend verändern. Und Berlin – ja, Berlin höre diesen Widerstand der Bürger und nehme ihn ernst, sagte Peiker.

Der Anmeldeplan für die Bedarfsplanung ist im Internet unter www.abdsb.bayern.de/projekte/  einsehbar. Sollte der „vordringliche Bedarf“ 2015 festgestellt werden, könne eine konkrete Planfeststellung frühestens 2016 erfolgen. Als Zahl nannte Peiker im Verlauf des Abends das Jahr 2025 – also in etwa zehn Jahren – wo es konkret werden könnte mit einer B15neu im Altlandkreis. Betonung auf „könnte“.

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Unterschriften gegen die B15 neu vor der Versammlung.

Gleich zu Beginn übte Wasserburgs Bürgermeister Kölbl massive Kritik am Ablauf des ganzen Informations-Vorgehens und kritisierte die Staatsregierung scharf. Besonders starken Beifall erntete die Meinungsäußerung von Soyens Bürgermeister Karl Fischberger. Um der Ernsthaftigkeit der Bedenken und der Dramatik der persönlichen Gefühle Nachdruck zu verleihen, erzählte Fischberger einen Fall aus seiner Nachbarschaft, wo vor Jahrzehnten schon ein Landwirt seinen Hof verkauft habe wegen der damals angedachten Trassenführung.

7 Und jetzt sei wieder alles anders. Ihm dränge sich da der Verdacht auf, viel wichtigere Ausbauten von Straßen, wie zum Beispiel in Altenmarkt oder Eglharting/Kirchseeon würden so auf Eis gelegt. In Altenmarkt würden 16.000 Autos und Lkw gezählt – täglich, so Fischberger (Foto am Mikro). Und in Soyen seien es etwa die Hälfte auf der B15 alt.

8Zum Thema falsche Verkehrspolitik setzte auch Rainer Kurzmeier aus Reitmehring an. Man dürfe doch nicht vergessen, dass man auch Verkehr säe, mit dem Bau solcher Straßen wie einer B15 neu. Außerdem sei es auch Teil einer Verkehrspolitik, dass man in einer Wohnbebauung, die von Bundesstraßen umzingelt sei, auch noch selbst für den Lärmschutz bezahlen müsse. Und zudem verlaufe die Trasse der B15 neu jetzt genau zwischen Bade- und Schlafzimmer seiner Familie. Peiker meinte süffisant, dass er ihm garantieren könne, dass die Straße so nicht zwischen diesen Räumen gebaut werde.

Zu einem Argumentations-Höhepunkt kam es – vor allem in den Augen der meisten Besucher – bei der Antwort auf eine Frage aus Ramerberg. Fritz Schreyer hatte wissen wollen, warum denn ausgerechnet da bei Ramerberg so ein Schlenker bei der Trassenführung gemacht werde und wer auf so etwas komme? Peiker meinte, dass seien schon Überlegungen von ihnen, der Autobahndirektion und da habe man die Linienführung eben so angesetzt. Halt nicht vor Ort, sondern nur mit Hilfe von Kartenmaterial, was Kopfschütteln im Besucherraum verursachte.

10Mutig meldete sich ein einziger Befürworter der B15 neu an diesem heißen Diskussionsabend. Klaus Wagenstetter von der gleichnamigen Spedition in Forsting sprach sich für die Trasse vor allem im Interesse der Lastwagen-Fahrer und einer zügigen Verbindung aus. Man brauche die Entlastung in dieser Richtung. Nicht zuletzt sei das Fahren auf einer Bundesstraße doch wesentlich kostenintensiver für ein Unternehmen als auf einer Autobahn. Vom Spritverbrauch her gesehen zumindest. Peiker wiederum bedankte sich für diese Wortmeldung geradezu persönlich.

Bürgermeister Kölbl erklärte, dass es wichtig sei, mit dem Klinikumbau so bald wie möglich zu beginnen, damit eine Trassenführung da an Ort und Stelle keinen Vorrang mehr haben könne. Wenn der Neubau stehe, stehe er halt.

9Zwei Frauen aus der Landwirtschaft im Gemeindebereich Soyen sprachen ebenfalls durchs Mikro – sie können nicht verstehen, warum alles so verbaut werde. Eine Trassenführung, bei der auch niemand an die Landwirtschaft denke. Auch aus Babensham waren Bürger anwesend. Einer von ihnen verstand nicht, warum bei Haag die Trassenführung für eine A 94 uninteressant war und nun plötzlich eine Trassenführung für die B15neu möglich sein solle. Widersprüche gab es noch viel mehr, die den Rahmen an dieser Stelle sprengen würden. Es ging da zum Beispiel um die Thematik der Verlagerung auf die Schiene, um die Frage der Anschlusstellen im Bereich der Ortschaften, um Zielrichtungen und Prioritäten, um fehlenden Weitblick beim Ausbau in Rosenheim und so weiter.

Vor allem gegen Ende war die Meinung von Landrat Berthaler und auch von den Abgeordneten Ludwig (Foto unten) und Lederer gefragt. Sie äußerten sich unisono gegen eine B15 neu – und für einen sanften Ausbau, heißt eine bleibende Trassenführung B15 alt! Die Ortsumgehung Lengdorf müsse aber unbedingt wieder in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden, forderten sie deutlich.

11An die anwesenden Politiker wurde zum Abschluss eine Resolution übergeben, die auch an Alexander Dobrindt, Bundesverkehrsminister gehen wird. Der Antrag zur Streichung der B15neu aus dem Bundesverkehrswegeplan. Mit einer grundsätzlichen Frage zwischen den Zeilen: „Darf die Trasse einer Straße, die angeblich zum Wohle des Landes gebaut werden soll, ganz einfach ohne Rücksicht auf die Ansprüche der Menschen vor Ort und der Natur ausgewählt werden?“ Die betroffenen Bürger der Heimat werden sich mit aller Macht dagegen wehren.

Auf unserem Foto unten: Die Bürger – dagegen!

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Auf unserem Foto unten: Die Politiker – dagegen!

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Siehe auch unseren Kommentar unter ‚Des moanan mia‘ (Überschrift einfach anklicken):

 

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