Um Mitternacht kam die Entwarnung

Bombenfunde: 5500 Bürger evakuiert - Die lange Nacht in Rosenheim und Mühldorf

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BlaulichtRosenheim – Es war eine lange, aufregende Nacht in Rosenheim und zeitgleich in Mühldorf. Wie berichtet war kurioserweise in beiden Fällen am Bahnhof gestern am Spätnachmittag jeweils eine Fliegerbombe entdeckt worden. In Rosenheim wurden am Ende etwa 4000 Bürger evakuiert – problematisch hier: es gab jugendliche Randalierer – und in Mühldorf über 1500. Der komplette Zugverkehr stand still. Hunderte Hilfskräfte waren in beiden Städten im Einsatz. Hier unsere Berichte …

„Es war eine aufwändige Aktion, aber sie war erfolgreich. Es gab keine Personen- und keine Sachschäden“, bilanzierte Rosenheims Einsatzleiter Oliver Horner die erfolgreiche Entschärfung und Beseitigung der Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die gestern Nachmittag auf dem nördlichen Bahnhofsareal in Rosenheim auf Höhe des Hauptzollamtes in der Nähe der Luitpoldstraße gefunden worden war. Die Menschen wurden wie berichtet in Turnhallen und der Luitpoldhalle untergebracht, aber gingen auch zu Freunden und Familien. Aber leider, so die Stadt, habe es zahlreiche Uneinsichtige gegeben, die ihre Wohnungen einfach nicht verlassen wollten und alles verzögerten.

„Innerhalb von fünf Stunden ist ein Areal mit 3.900 Einwohnern nördlich und südlich des Bahnhofs im Radius von 500 m um den Fundort der Bombe evakuiert worden. Dabei hat allerdings allein die Klärung von verbliebenen Einzelpersonen und die Beruhigung einzelner jugendlicher Randalierer über eine Stunde in Anspruch genommen. Dieses Verhalten einiger weniger uneinsichtiger Einzelpersonen war verantwortungslos und in jeder Hinsicht inakzeptabel“, so Horner.

Die Arbeiten zur Entschärfung der Bombe begannen um 23.23 Uhr. Sie dauerten 34 Minuten. Um 23:57 Uhr war die Bombe entschärft. Um 00.10 Uhr konnten Polizei und Feuerwehr das evakuierte Gebiet wieder für die Anlieger freigeben und den Sperrkreis aufheben“, zeigte sich Stadtbrandrat Hans Meyrl mit dem Verlauf der eigentlichen Entschärfungsarbeiten zufrieden.

Die insgesamt 135 Einsatzkräfte der Polizei aus Rosenheim, München und Königsbrunn hätten bei der Sicherung des Evakuierungsgebiets hervorragend mit den Freiwilligen Feuerwehren aus Rosenheim, Happing, Aising, Aisingerwies und Kolbermoor zusammengearbeitet. „Aus diesen fünf Feuerwehren waren 150 Kräfte beteiligt“, so Meyrl. „Aus dem Juni-Hochwasser vom letzten Jahr konnte der Krisenstab wertvolle Erkenntnisse für die weitere Optimierung der Zusammenarbeit der haupt- und ehrenamtlichen Rettungs- und Einsatzkräfte ziehen, die sich bei diesem Einsatz außerordentlich positiv ausgewirkt haben“, so Meyrl.

Einsatzleiter Oliver Horner und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer dankten den Einsatzkräften, speziell auch dem THW, dem BRK und dem Malteser Hilfsdienst für die reibungslose Abwicklung der Evakuierung und die Betreuung der Anlieger in den Unterbringungsräumen in der Luitpoldhalle und der Turnhalle der Volksschule Fürstätt. „Auch von dort haben wir von den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern viel Lob für die Durchführung der erforderlichen Maßnahmen bekommen. Wichtig war vor allem, die Menschen kontinuierlich zu informieren“, so Bauer.

Rosenheimer Bahnhof wurde massiv bombardiert

Schon öfters stand der Rosenheimer Bahnhof im Fokus, wenn es um den Verdacht von Bomebfunden ging. Denn: Die Allierten haben im Zweiten Weltkrieg den Rosenheimer Bahnhof heftig bombardiert. Die Stadt am Inn galt als wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Auf dem Bahnhofsgelände wurden während und nach dem Krieg rund 100 Bombentrichter gezählt. Wie viele der abgeworfenen Bomben nicht explodiert sind, steht nicht fest.  

Um 23.30 Uhr hatte auch in Mühldorf der Spuk ein Ende 

Mühldorf – Nachdem am Mittwochnachmittag auch hier bei Baggerarbeiten in der Nähe des Mühldorfer Bahnhofs eine Fliegerbombe gefunden worden war, mussten die Behörden bis zur Entschärfung rund 1.500 Anwohner evakuieren.

Gegen 15.30 Uhr wurde bei Baggerarbeiten im Gleisbereich, etwa 500 Meter vom Mühldorfer Bahnhof entfernt, eine 50 Kilogramm schwere Fliegerbombe gefunden. Das Objekt lag etwa 50 Zentimeter tief im Erdreich.

Die alarmierte Mühldorfer Polizei traf sofort erste Absperrmaßnahmen. Ein Sprengmeister stellte fest, dass zur gefahrlosen Entschärfung ein Räumradius von 300 Meter erforderlich war. Im Sperrgebiet mussten 1500 Menschen ihre Wohnungen verlassen.

Landrat Georg Huber begab sich selbst zum Einsatzort, um die Maßnahmen zu koordinieren. Örtlicher Einsatzleiter war Kreisbrandrat Harald Lechertshuber. Die Feuerwehren Mühldorf, Altmühldorf, Mössling, Töging, Waldkraiburg und Mettenheim übernahmen die Evakuierung, während Kräfte der Polizeiinspektion Mühldorf und Unterstützungskräfte von der Bereitschaftspolizei die Zugangsstraßen sperrten. Die Bundespolizei übernahm die Absperrung des Bahnhofbereichs, der Tennisanlage und des Wertstoffhofs.

Für betroffene Bewohner, die nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkommen konnten, wurde ein Shuttle-Bus eingerichtet. Sie konnten in der Zeit bis zur Entschärfung in zwei Turnhallen bleiben. Mühldorfs Erste Bürgermeisterin, Marianne Zollner, informierte sich persönlich am Einsatzort über die geschehnisse und kümmerte sich anschließend um die Evakuierten. Das Rote Kreuz versorgte die Personen mit Getränken und übernahm die medizinische Versorgung.

Um 23.30 Uhr hatte der Spuk ein Ende: Der Sprengmeister hatte die Bombe erfolgreich entschärft und die Bewohner konnten wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Die Versorgung während des mehrstündigen Einsatzes übernahm das Technische Hilswerk (THW). Insgesamt waren 257 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Rotem Kreuz, Bundespolizei und Landespolizei im Einsatz.

 

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