Gesundheitsamt Mühldorf informiert über Schutzmaßnahmen und Infektionsrisiken

Die Borna’sche Krankheit ist selten, kann bei einer Infektion des Menschen jedoch zu einer schweren Gehirnentzündung führen. Um über die Erkrankung, mögliche Infektionswege und einfache Schutzmaßnahmen aufzuklären, informiert das Gesundheitsamt Mühldorf über das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1). Im Mittelpunkt steht dabei die Feldspitzmaus: Sie gilt nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als einziges bekanntes natürliches Reservoir des klassischen Bornavirus (BoDV-1) und kann das Virus ausscheiden, ohne selbst daran zu erkranken.

Die Borna’sche Krankheit ist seit mehr als 100 Jahren als Tierseuche bei Pferden bekannt, 2018 wurde das Virus erstmals als Ursache schwerer Gehirnentzündungen beim Menschen nachgewiesen. Inzwischen werden humane Infektionen im Rahmen der bestehenden Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz erfasst. Insgesamt sind Infektionen beim Menschen sehr selten. Im Landkreis Mühldorf wurden bislang drei humane Bornavirus-Infektionen diagnostiziert – in den Jahren 2019, 2020 und 2022. Seit 2022 ist im Landkreis kein weiterer Fall beim Menschen bekannt geworden. Auch bei Pferden im Landkreis wurden vereinzelt Bornavirus-Infektionen festgestellt, zuletzt im Sommer 2026.

Neben Pferden und dem Menschen wurde die Krankheit inzwischen auch bei anderen Säugetieren wie Schafen, Lamas, Alpakas und Igeln nachgewiesen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand scheiden diese Tiere sowie der Mensch das Virus jedoch nicht aus. Die Möglichkeit einer Übertragung des Virus von Pferden auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch gilt daher als weitgehend ausgeschlossen.

Feldspitzmäuse (Crocidura leucodon) gelten derzeit als „das einzige zurzeit bekannte natürliche Reservoir“ für das klassische Bornavirus (BoDV-1). Sie können das Virus unter anderem über Speichel, Urin, Kot und die Haut ausscheiden, ohne selbst daran zu erkranken.

Ein Infektionsrisiko besteht deshalb insbesondere beim direkten Kontakt mit einer Feldspitzmaus oder deren Ausscheidungen. Experten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und des Gesundheitsamtes Mühldorf a. Inn empfehlen, solche Kontakte möglichst zu vermeiden und einige einfache Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

  • Spitzmäuse sind Insekten- und Aasfresser. Im häuslichen Umfeld, in Ställen oder Stallnähe sollte ihnen die Nahrungsquelle, beispielsweise offenes Katzen- oder Hundefutter, entzogen werden. Auch Komposthaufen oder andere Abfälle können durch das reiche Nahrungsangebot an Insekten für Spitzmäuse interessant sein.
  • Lebende oder tote Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden.
  • Beim Umgang mit toten Tieren oder bei Staub aufwirbelnden Arbeiten an Orten, an denen Feldspitzmäuse leben – zum Beispiel beim Kehren im Schuppen – sollte man Einweghandschuhe und eine Feinstaubmaske (FFP2 oder FFP3) sowie gegebenenfalls eine Schutzbrille tragen. Danach sollte man duschen und die Kleidung waschen.
  • Hat eine Katze eine Spitzmaus gefangen, sollte vorsichtshalber der direkte Kontakt zur Katze (z. B. beim Schmusen oder Streicheln) nach Möglichkeit für einige Stunden vermieden werden. (Eine Überlegung ist, dass das Bornavirus theoretisch über Haustiere übertragen werden könnte, die als passive „Bindeglieder“ fungieren. Zum Beispiel über Katzen, die noch infektiöse Geweberückstände einer gefangenen Spitzmaus an Maul oder Pfoten aufweisen könnten. Nachgewiesen wurde eine Übertragung über diesen Weg bisher nicht.)

Empfehlungen für die Beseitigung von toten Spitzmäusen, Ausscheidungen und Reinigung:

  • Sollten im Wohn- oder Arbeitsumfeld tote Spitzmäuse gefunden werden (beispielsweise weil eine Katze diese ins Haus gebracht hat), sollten die Tierkörper sicher beseitigt und kontaminierte Flächen (Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen) sorgfältig mit Desinfektionsmittel gesäubert werden.
  • Einmalhandschuhe und eine eng anliegende Maske oder eine Feinstaubmaske (FFP2 oder FFP3 Maske) tragen.
  • Tote Spitzmäuse und Ausscheidungen sollen zunächst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel besprüht werden. So wird verhindert, dass bei der Entsorgung oder Reinigung virusbeladener Staub aufgewirbelt wird.
  • Tote Spitzmäuse sollen in einer über die Hand gestülpten Plastiktüte aufgenommen werden, diese verschließen und mit dem Hausmüll entsorgen.
  • Die Handschuhe gründlich desinfizieren und diese abstreifen. Nun vorsichtig die Maske an den Bändern abnehmen und sowohl Maske als auch Handschuhe über den Restmüll entsorgen. Zum Schluss gründlich die Hände waschen und/oder desinfizieren.

Wichtige Tipps zum Entsorgen von Kleinsäugern gibt es hier: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/doc/infoblatt_entsorgung_tote_kleinsaeuger_final.pdf

Weitere Informationen bietet das LGL im Internet unter:

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borna/index.htm

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