Beliebter Wirt überraschend im Alter von 75 Jahren verstorben

Begonnen hatte das „Wirteleben“ von John und seiner Ehefrau Rita Gonzalves in der Roßschänke, einem ehemaligen Reiterstüberl, in der Hofmühle bei Seeon im Jahr 1981. Zur Pacht gehörten eine Wohnung, Stallungen und Land, denn damals hatten sie noch Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und allerlei Klein- und Federvieh. Schnell wurde aus dem Reiterstüberl „der“ Geheimtipp: Nicht nur Bluegrass-Fans kamen auf ihre Kosten; auch durch eine neue „offene Bühne“ kamen Gäste in den Genuss von außergewöhnlichen Gruppen oder Aufführungen.
Kulinarisch wurde Vollkorn-Pizza und selbstgemachter Gouda von Rita serviert. John war auch einer der ersten in der Gegend, der „Guinness“-Bier vom Fass anbieten konnte, darauf war er stets stolz.

Mit dem Wirtshaus in Emertsham, das danach zur Option stand, konnten sich die beiden lange nicht anfreunden. Doch war es – realistisch betrachtet – eine gute Wahl. Es gab Stallungen und Grund für die Tiere, und es gab einen Saal für Konzerte. Im April 1988 wurde eröffnet, es wurden daraus acht Jahre. Schnell hatte es sich wieder herumgesprochen, dass da ein besonderer Treffpunkt entstanden ist. Eines Tages rief Melanie (Woodstock-Teilnehmerin) aus den Staaten an, um einen Termin für einen Auftritt klarzumachen. Sie wollte ein Fax schicken, aber John hatte kein Fax-Gerät. Das war’s mit der Melanie – John besorgte sich schnellstens ein Fax-Gerät. Das war nur ein Beispiel dafür, dass der Name „John und Rita“ sogar in Amerika ein Begriff geworden war.
Im Jahre 1996 – also vor genau 30 Jahren – kam die Familie nach Obing, um den „Gasthof zur Post“ für fünf Jahre zu pachten. Am 15. Mai spielten drei Bands aus der Region zur Eröffnung. „Erst eine Stunde vorher wurde die Theke fertig“, erinnerte sich John immer gerne an diesen besonderen Tag. Das Wirtshaus lief wieder gut in Obing, da sie sich mittlerweile neben der Kleinkunst auch mit ihrer amerikanisch-bayerischen Küche einen Namen gemacht hatten. So fiel bald der Entschluss, den Gasthof kaufen zu wollen. Doch die beiden hatten kein Eigenkapital, deshalb rückten die heimischen Banken kein Geld heraus. „Das kam dafür von einer Bank in Hamburg, von der Schloßbrauerei Stein sowie der Brauerei Hopf, die an uns glaubten und uns großzügige Konditionen einräumten“, erzählte der John in Rückblicken immer dankbar für die damalige Hilfe.
„Der John“ aus Obing – er wird unvergessen bleiben, nicht nur in der Kulturszene.
Schaufenster

Was für eine beeindruckende Biographie!
Traurig – neben dem Verlust einer solchen Persönlichkeit – ist aber auch die Tatsache, dass aufgrund der mittlerweile so zahlreichen Auflagen, Vorschriften und wegen des fehlenden Raumes garantiert nicht mehr möglich ist, im Jahr 2026 etwas ähnliches neu entstehen zu lassen …