Bilanz einer erfolgreichen Brutsaison 2026 dank besonderen Engagements

Der kleine Flussregenpfeifer ist ein seltener Brutvogel und sehr gut getarnt, weshalb man ihn eigentlich nur sieht, wenn er sich bewegt. Auf dem Rücken grau-braun gefiedert, baut er sich nach der Rückkehr von der langen Reise aus den Winterquartieren in Afrika auch rund um den Chiemsee sein Nest. Eine flache Mulde im Kies, allenfalls „ausgepolstert“ mit einigen Kieselsteinchen, reicht ihm für das Gelege. Seine gut getarnten Eier werden also direkt auf dem Kiesboden abgelegt. Damit lebt er gleichzeitig gefährlich, da diese Flächen zugleich beliebte Aufenthaltsorte für Erholungssuchende sind. Umso mehr freut sich Gebietsbetreuer Dirk Alfermann, dass die Brutsaison 2026 des Flussregenpfeifers am Chiemsee ein voller Erfolg ist …

Zum Foto: Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) – hier ein adultes Weibchen – erreichen eine Körpergröße von 15 Zentimeter und sind damit in etwa spatzengroß, nur deutlich hochbeiniger

„Aufgrund des schönen Wetters ist natürlich der Erholungsdruck auf die Uferbereiche hoch. Gleichzeitig konnten dieses Jahr mindestens fünf erfolgreiche Bruten sicher nachgewiesen werden“, so Alfermann, der seit mehreren Jahren Gebietsbetreuer für den Chiemsee ist. Weitere Bruten dürften vor allem im Bereich des dauerhaft geschützten Achendeltas erfolgt sein. Und Dirk Alfermann berichtet weiter: „Mit nur fünf Gramm Lebendgewicht sind Flussregenpfeiferküken hierzulande die kleinsten Nestflüchter. Bereits kurze Störungen können dazu führen, dass Altvögel ihre Gelege verlassen oder Jungvögel gefährdet werden. Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, dass gezielte Schutzmaßnahmen und die Rücksichtnahme der Besucherinnen und Besucher einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt dieser gefährdeten Vogelart leisten.“

Perfekt getarnt: Wie Kieselsteine liegen die vier Eier des Flussregenpfeifers in einer leichten Mulde auf nacktem Kies. Die perfekte Tarnung birgt aber auch die Gefahr unbeabsichtigt zertreten zu werden

Um die Brutplätze wirksam zu schützen, wurden deshalb während der gesamten Brutsaison temporäre Absperrungen und Hinweisschilder an den bekannten Brutstandorten eingerichtet. Die markierten Bereiche wurden nach dem erfolgreichen Ausfliegen der Jungvögel nun wieder freigegeben. „Ein besonderer Dank gilt den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die gemeinsam mit der Gebietsbetreuung die Brutplätze kontrollierten, Absperrungen aufbauten und Besucherinnen und Besucher über die Bedeutung der Schutzmaßnahmen informierten“, beschreibt Dirk Alfermann die Arbeiten zum Schutz des Flussregenpfeifers und weiter: „Der Erfolg zeigt, dass Naturschutz und Erholung miteinander vereinbar sind, wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen. Jede Person, die einen abgesperrten Bereich respektiert, Hunde anleint oder auf den Wegen bleibt, trägt unmittelbar zum Schutz dieser faszinierenden Vogelart bei.“

Abgesperrter Uferbereich bei Seebruck. Die deutliche Akzeptanz in der Bevölkerung führte mit dazu, dass hier alle bekannten Bruten erfolgreich waren.

Die Erfahrungen aus anderen Kiesbrüterprojekten, unter anderem entlang der Tiroler Achen, verdeutlichen ebenfalls, wie wirksam zeitlich begrenzte Absperrungen und eine intensive Besucherinformation sein können. Dort werden Brutplätze während der Brutzeit schon seit einigen Jahren mit gut sichtbaren Hinweisschildern gesichert und nach Abschluss der Aufzucht wieder freigegeben.

Diese Form der Besucherlenkung hat sich als wichtiger Baustein für den Schutz von Flussregenpfeifer und Flussuferläufer bewährt und soll auch in der Brutsaison 2027 fortgesetzt werden.

Zwei erst wenige Tage alte Jungvögel suchen Wärme und Schutz beim Eltern-Vogel.

Kaum zu erkennen: Drei erst wenige Tage alte Dunenjungen am Chiemseeufer auf Nahrungssuche. Unter ständiger Aufsicht eines Altvogels

Fotos: Landratsamt Traunstein – Dirk Alfermann / Andreas Knapp

 

 

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