Haager Starkbierfreunde mit besonderer Aktion nach dem Gottesdienst
Am Sonntag aufstehen und in der Kirche einen Gottesdienst besuchen, das ist für viele anders als früher nicht mehr selbstverständlich. Besonders für Kinder und Jugendliche scheint ein Sonntagsgottesdienst ja nicht mehr unbedingt zum Standardprogramm zu gehören. Umso erfreulicher ist es, dass doch auch immer wieder Kinder dabei sind, oft begleitet von Eltern oder Großeltern und vielleicht auch in der Vorbereitung zur ersten heiligen Kommunion. Vielleicht könnte man den Gottesdienstbesuch mit einem kleinen Anreiz wieder etwas attraktiver machen, das dachten sich die Freunde des Haager Starkbierfestes.
Weil die Eintrittsgelder auch nach dem diesjährigen Starkbierfest wieder verschiedenen Projekten zu Gute kommen sollen, entstand eine nette Idee: Die Starkbierfest-Freunde werden in den nächsten Wochen nach dem Sonntagsgottesdienst für die Kinder Gutscheine der beliebten Haager Eisdiele spendieren. Und auch wenn es pro Gutschein nur jeweils eine Kugel gibt, vielleicht ist es ja eine kleine Belohnung und ein kleiner Anreiz, den Sonntagvormittag mit der Pfarrgemeinde zu feiern. Natürlich werden auch die Ministranten nicht vergessen und dürfen sich ebenfalls bedienen.
So mancher könnte vielleicht sagen: „So etwas hätts früher nicht gegeben.“ Stimmt aber nicht, denn früher war ja schließlich der Frühschoppen nach der Kirche auch eine feste Tradition. Auch wenn man da sein Bier immer noch selber zahlen musste …
UH
Schaufenster


Belohnung oder Lockmittel?
„Dass die Starkbierfreunde ihre Erlöse für die Jugend einsetzen wollen, ist im Kern lobenswert.
Dennoch hinterlässt die Methode, Kinder mit Eisgutscheinen zur Teilnahme am Gottesdienst zu motivieren, einen höchst fragwürdigen Eindruck.
In der heutigen Zeit sollte eine Institution besonders sensibel damit umgehen, Kinder durch materielle Anreize in ihre Räume zu locken. Solche Belohnungssysteme wirken eher wie eine Form der Konditionierung als wie eine Einladung zu einem freiwilligen Glauben. Zudem stellt sich die Frage nach der Botschaft dieser Aktion: Warum ergibt sich aus dem Vorhaben eine so deutliche Exklusivität für katholische Kinder? Eine Gemeinschaft, die Werte wie Nächstenliebe und Gleichheit betont, sollte keine Grenzen zwischen den Kindern im Ort ziehen oder die Teilnahme an sakralen Handlungen wie der Kommunion mit Konsumgütern verknüpfen.
Wahre Überzeugung braucht keine ‚Lockmittel‘. Es ist schade, wenn Traditionen nur noch durch solche Anreize aufrechterhalten werden können, anstatt durch echte Vorbildfunktion zu überzeugen.“