Ein Beitrag der 14-jährigen Wasserburger Realschülerin Lottie-Filiana Kafka

>>Das deutsche Schulsystem ist umstritten, vor allem bei uns Schülern tauchen immer wieder Fragen auf wie: „Wieso lernen wir in der Schule nie etwas fürs Leben?“ Oder: „Ich will in diesem Bereich doch in der Zukunft gar nicht arbeiten, wieso lerne ich das dann?“
Und das ist auch eines der Hauptprobleme: Das deutsche Schulsystem, vor allem der Lehrplan, braucht eigentlich schon länger eine Aufbesserung. Denn so wie es manche Berufe schlicht nicht mehr gibt, ist dieser in manchen Bereichen einfach veraltet. Und auch die Jugend hat sich in den letzten Jahren verändert.
Durch das Internet, und sämtlichen sozialen Plattformen. Das ständige Scrollen auf unseren Bildschirmen ist schlichtweg Normalität für die meisten von uns. Doch dadurch verlieren wir das, was in der Schule sehr wichtig ist: nämlich die Zeit, in der wir uns bewusst auf ein Thema fokussieren können. Diese Aufmerksamkeitsspanne sinkt auch dadurch, dass wir an schnelle Szenen und Themenwechsel durchaus von YouTube, TikTok und Facebook gewöhnt sind.
Ich finde, man müsste sich Gedanken machen, welche Lerninhalte unbedingt wichtig sind und worauf man verzichten kann. Oben habe ich es schon angesprochen, die große Frage: Wieso lernen wir das alles, wenn wir es in den Berufen, die wir anstreben, gar nicht brauchen würden? Wäre es nicht sinnvoller, wenn es mehrere Wahlmöglichkeiten gibt im Bezug auf das, was man lernen will? Ja, wäre es an sich schon.
Aber Fakt ist, dass man nun mal ein ausreichendes Grundwissen benötigt, doch dieses im jetzigen System meistens mit viel überflüssigem Inhalt überfrachtet ist. Es wäre demnach am sinnvollsten, diesen Grundbaustein, also das Wichtigste außerhalb des gewollten Wissens für den gewollten Job, zu verändern, zu überdenken. Nochmal zu überlegen: Was braucht man im 21. Jahrhundert an Grundwissen? Was ist wichtig um unseren nachfolgenden Generationen das wichtigste Wissen beizubringen ohne dass es überflüssiges Wissen ist.
Denn dieses Grundwissen benötigt man auch, wenn der eine gewollte Job doch nicht so toll ist, um eine Möglichkeit zu haben, etwas anderes zu machen und nicht „als Putzfrau zu enden“. (Obwohl man als Putzfrau auch die Grundlagen (das Wissen) im Bereich Hygiene oder Putzwerkzeuge haben sollte.)
Dementsprechend, ja. Es wäre wichtig und sinnvoll, wenn man genau das lernt, was man im Beruf (und auch im Leben, dazu später) wissen muss, und sich nicht als werdender Profifußballer mit dem Satz des Pythagoras oder dem Zauberlehrling beschäftigen muss.
Oder man nicht beispielsweise Betriebswirtschaft wählen muss, nur um ein paar Grundkenntnisse im Bereich Buchhaltung (die man auch im eigenen Haushalt als Erwachsener braucht) oder Formularausfüllung zu haben. Oder Ernährung und Gesundheit nicht nur wählen muss, weil man lernen möchte, wie man kocht oder eine Spülmaschine betätigt. Einige würden sagen: „Aber das müssen doch die Eltern den Schülern beibringen.“ Und ja, das dürfen sie. Müssen sie aber nicht, und das ist das Problem. Da man etwas so Alltägliches dann einfach nicht lernt beziehungsweise nicht lernen kann oder sich stattdessen ein Tutorial auf YouTube ansieht, was in meinen Augen nicht gerade gut ist, wenn man das tun muss, obwohl man es doch auch in der Schule lernen könnte. Was aber durch die wenigen Wahlmöglichkeiten schlichtweg nicht möglich ist. Auch weil zu Betriebswirtschaft und Ernährung und Gesundheit noch mehr dazugehört, was dann wieder der Lerninhalt ist, den man überhaupt nicht lernen möchte und der „nichts bringt“.
Neue Fächer wären eine Lösung, vielleicht sogar solche, die einfach Vorrückungsfächer sind, weil es ein Grundwissen sein soll und ist, wie man eine Waschmaschine betätigt, etwas kauft und nicht auf Scam (also teure aber meist nicht gerade gute Ware) reinfällt. Oder schon so etwas Banales wie Putzen, richtiges Streichen von Wänden, Erste Hilfe, alle Grundlagen im Leben, die es uns erleichtern, dass wir das in der Schule lernen könnten. Also quasi ein Fach „Alltagskunde“. Manches können uns unsere Eltern beibringen, aber da spielt auch die fehlende Zeit eine Rolle, dass Eltern sich nicht immer die Mühe machen wollen, ihren Kids das alles beizubringen. Vor allem wenn Gewalt, Alkohol und Stress oder zu viel Arbeitsdruck bei den Eltern oder in der Familie ein Thema sind.
Die Schule sollte ja ursprünglich ein Ort sein, an dem man etwas fürs Leben lernt, und ich denke, die meisten Dinge, die bei uns im Lehrplan stehen, gehören nicht so richtig dazu.
Wie den Erlkönig auswendig zu wissen, das Volumen eines Stecknadelkopfes zu berechnen. Oder die ganzen Länder und Städte beim Namen einzeln aufzählen können, die Einwohnerzahl von Deutschland oder Frankreich zu wissen. Wie man die Schnelligkeit eines im Handball geworfenen Balles ausrechnet. Und wissen zu müssen, wer irgendein König in Hinterschneehausen war, der 1780 einen Krieg mit Schneebällen gegen den König von Hinterhimmelhausen angezettelt hat. Als Info: Manche geschichtliche Ereignisse sind definitiv sinnvoll und auch wichtig zu kennen, wenn es um die Französische Revolution oder den Holocaust geht, das ist klar.
Alles in allem das sind Beispiele von Lerninhalten die in der Schule einfach überflüssig sind, die eher nicht Teil dieses Grundbausteins sein sollten, der uns auf das Erwachsenenleben vorbereitet und uns hilft einen guten Job zu bekommen.
Darstellen will ich damit nur, wie gut es ist, wenn man in der Schule Dinge lernt, die man braucht, die für das Leben und den Job wichtig sind und auch für das Verständnis über manche geschichtliche Ereignisse. Und wenn man so etwas lernt, anstatt einige der oben genannten Beispiele, macht der Unterricht uns Schülern vielleicht auch mehr Spaß, und bringt uns trotzdem das wichtigste bei. Dann kann man vielleicht wieder sagen, dass die Schule ein Ort ist, an dem man fürs Leben lernt.<<
Schaufenster

Ich finde es absolut lobenswert, dass sich eine 14-jährige Schülerin intensive Gedanken über Schule und Lernen macht. Und ja, manche Lerninhalte sind sicherlich aus der Zeit gefallen. Allerdings, das ist meine persönliche Wahrnehmung nach intensiver Lektüre ihres Textes, spiegelt dieser hauptsächlich den allgemeinen Trend im deutschen Bildungssystem wider. Oberflächliches Lernen, nicht mehr zu intensiv in Themen einsteigen, und nach eigenen Vorlieben Schwerpunkte auswählen. Das, liebe Lottie-Filiana, mag eurer Generation wichtig erscheinen. Es hat dann aber später mit der Realität in der Arbeitswelt draußen wenig zu tun. Dort zählt Leistung – egal ob als Handwerker oder Akademiker – und man muss sich auch mit unangenehmen und scheinbar unwichtigen Themen intensiv auseinandersetzen können!
Lieber Kein Lehrer
Ihr Kommentar ist äußerst Oberflächlich, denn Sie hat es ganz sicher nicht so oberflächlich gemeint sondern, dass man INTENSIV in Themen einsteigt sie Sinnvoller erklärt und damit meinte sie nicht nur nach eigenen Vorlieben Schwerpunkte auszuwählen sondern SINVOLLERE Schwerpunkte im Lerninhalt einzubringen. Bitte lesen sie sich den artikel nochmal INTENSIV durch und überdenken ihren Kommentar
Ich finde es Klasse, dass sich eine 14 Jährige Schülerin mit dem Thema auseinandersetzt und darüber schreibt wie Schule ist, da es ein wichtiges Thema ist worüber mehr Menschen nachdenken sollten. Vorallem die älteren Menschen die schon Arbeiten müssten ja wissen wie die Schule ist, und dass sie einen nicht auf das reale Leben mit Arbeit vorbereitet also echt Lobenswert von dir Lottie.
LG🙂