Zum plötzlichen Tod des Wasserburger Polizeihauptkommissars Hermann Mayer (62)

Archiv-Foto: Polizei
Zugegeben: Wir kannten uns nicht besonders gut, trafen uns meistens auf der Straße. Bei jedem Wetter. Dann, wenn etwas Schlimmes passiert war, wenn die Polizei im Einsatz war. „Servus Herr Mayer.“ „Grüß Gott Herr Huber.“ Recht viel mehr haben der Polizist und der Berichterstatter selten miteinander gesprochen. Wir sind (waren) zwei Grantelhauer des (fast) gleichen Jahrgangs. Zwei, die sich ohne Worte verstehen, die viele Jahre gemeinsam durchs Berufsleben gingen, obwohl sie aus ganz verschiedenen Branchen kamen. Ich werde ihn jetzt draußen auf der Straße nicht mehr treffen und das stimmt mich unglaublich traurig.
Polizeihauptkommissar Hermann Mayer ist am 3. März plötzlich und völlig unerwartet verstorben. Im Urlaub am Meer hat ihn der Herztod ereilt. Ihn, der braungebrannt und durchtrainiert jeden Tag aussah wie aus dem Ei gepellt, wie das blühende Leben – trotz eines liebenswerten, bayerischen Grundgrantes oft ein Lächeln auf den Lippen.
Mayer war so etwas wie das Gesicht der Polizei-Inspektion Wasserburg. Vor ewiger Zeit hab‘ ich schon mal eine Geschichte über ihn geschrieben. Über den Brucktor-Gendarm. Dessen Markenzeichen es war, zu Fuß durch die Altstadt zu patrouillieren, Präsenz zu zeigen, mit den Menschen ein Pläuschchen zu halten. Am Marienplatz mit Blick zum Brucktor – das war sein beliebtester Standort, die Hände auf dem Rücken verschränkt. Dort holte er sich die Autofahrer, die verbotener Weise von der Bruckgasse kommend nach links zur Burg abbogen, ließ sie streng dreinblickend das Fenster der Fahrertür runterfahren und eine noch strengere Belehrung folgen. Mayers Zeigefinger, wie er mahnend von oben herunter langsam in Richtung linkes Schulterblatt zeigte, wenn ein schlampiger Journalist wieder einmal an ihm vorbeifuhr, ohne in seinem Pkw ordnungsgemäß angegurtet zu sein – ich werde ihn nicht vergessen. Wenn ich Mayer schon von weitem sah, schaltete sich blitzschnell mein automatisiertes schlechtes Gewissen ein. Das mögen die jungen Leute heute nicht mehr verstehen, viele von uns alten Babyboomer wurden halt so erzogen. Mit Respekt vor der Polizei.
In den letzten Jahren schlich sich die Fußstreife namens Hermann Mayer leider aus. Er war immer seltener zu sehen. Das hing wohl zum einen mit dem Umzug der Wasserburger Polizei von der Altstadt ins neue Inspektionsgebäude oben in der Burgau zusammen. Zum anderen – und das erfuhr ich erst vor wenigen Tagen – hatte sich Mayer im vergangenen November in den Ruhestand verabschiedet (ohne es mit mir abzusprechen). Einen Ruhestand, den er leider nur ein paar Wochen genießen konnte.
Ich war mit Polizeihauptkommissar a.D. Hermann Mayer nie per Du. Heute biete ich es ihm nachträglich an: Herrmann, ich werde Dich draußen auf der Straße vermissen!
Da Huaba
Schaufenster


Machen Sie es gut, Herr Mayer! Auch mir hat Ihre Präsenz in der Altstadt immer ein Gefühl der Sicherheit vermittelt.
Ein sehr schöner Nachruf, der auch noch in vielen Jahren gereicht hätte.
Auf Wiedersehen, Herr Mayer. Jetzt habe ich auch einen Namen zum Gesicht.