Bauhistorische Untersuchung bringt detailliertes Wissen über die Burganlagen

Ein „telefonbuchdickes Werk über die Burg“ ist bei der bauhistorischen Untersuchung des Schlossturms und der Burganlage entstanden. Einen Überblick über die Erkenntnisse gab Dr.-Ingenieur Christian Kayser vom Ingenieurbüro „Kayser und Böttges, Barthel und Maus“ bei der jüngsten Sitzung des Haager Gemeinderats.


Die „Haager Geschichte im Schnelldurchgang“ hatte der Ingenieur für das Gremium dabei und schon am bunten 3D-Modell lässt sich eine umfangreiche Geschichte erahnen: Jede Farbe steht für ein anderes Jahrhundert. Allein der Schlossturm besteht aus mehreren Farbschichten, die Geschichte reicht immerhin 800 Jahre zurück.

Das anfangs von einer Ringmauer eingerahmte Blockhaus wurde immer weiter ausgebaut und ergänzt. Weitere Türme, feste Bauten innerhalb des Rings und eine bis zur Brücke reichende Vorburg waren die ersten Aufstockungen. Im 15. Jahrhundert „wird es langsam wirklich prachtvoll“ mit Kaiserzimmer im Palast und einem umfangreichen Mobiliar mit Wappen der Frauenberger, wie eine spätere Inventarliste aus 1567 der Wittelsbacher zeigt. „Viel besser kann eine mittelalterliche Burg nicht aussehen“, betonte Kayser.

Nach den Pfefferbüchsen auf dem Schlossturm und dem Kern des Zehentstadels war aber „der letzte Ausbaustand des Spätmittelalters“ erreicht. Der Zehentstadel war das alte Waffenhaus von Haag, wie der Ingenieur berichtete. Von Kanonen bis Handwaffen: „Etwa 1000 Mann konnten an die Waffen“, wie auch eine Auflistung des untergebrachten Inventars zeigte.

Nach 1500 „war die Burg wehrtechnisch hoffnungslos veraltet.“ Während Ladislaus von Frauenberg ein abenteuerliches Leben führte, baute sein Bruder Leonhard die Burganlage weiter aus. „Was heute der Hofgarten ist, war die ehemalige Residenz des Grafen Leonhard“, erklärte Kayser.

Im 16. Jahrhundert ging die Grafschaft an die Wittelsbacher, die eine umfangreiche Inventarliste erstellten. Dadurch lasse sich beispielsweise nachvollziehen, wie viele Tische, Teppiche und bezogene Stühle in der Tafelstube waren, außerdem dass es eine Tischorgel und einen Wandspiegel mit dem Haager Wappen gegeben habe.

Im 17. Und 18. Jahrhundert „wird weiter in Haag investiert“: 1752 entstand die Löwenbrücke, 1754 die Freitreppe. „Damit hat sich Haag und die Burg völlig gewandelt.“ Ab dann folgte der Niedergang: 1803 wurde das Inventar versteigert, in den Folgejahren erfolgte ein „wilder“ Abbruch von Bauteilen.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Haager Burg nach Ausführungen von Kayser eine Wiedergeburt mit den Maria-Ward-Schwestern, die aus der ehemaligen Festung teilweise ein Schul- und Klosterinstitut machten.

„Es entsteht das Haag, das Sie heute kennen“, schloss der Referent den Vortrag über die Haager Geschichte. Viele weitere Details hätten sich in der Untersuchung ergeben und Kayser schlug vor, dass die Gemeinde „das, was man jetzt über die Burg weiß, nutzt, um über touristische Rundwege nachzudenken“. Er regte Stadt- und Burgmodelle in Ausstellungen beispielsweise im Zehentstadel und Schautafeln für Touristen, Burgliebhaber und die Haager selbst an.

Der Haager Gemeinderat zeigte sich begeistert vom lebendigen Vortrag des Ingenieurs. Hans Urban (CSU) regte an, den Vortrag in einem öffentlichen Termin für die Bevölkerung zu wiederholen. Auch das „telefonbuchdicke Werk“ solle nicht für die Schublade erarbeitet worden sein. Hier schlug Dr. Bernhard Grabmeyer (FWH) vor, ein in Buchform gegossenes Exemplar für den Fundus der Bücherei zur Verfügung zu stellen.

Was mit dem Wissen aus der bauhistorischen Untersuchung passiert, müsse jetzt Schritt für Schritt entschieden werden. Bernd Schneider (CSU) wolle den Geschichtsverein in die Planungen miteinbeziehen. Dieser habe „detailliertes Wissen zur Burg“ und gehöre mit dazu.

„Es steckt noch viel Arbeit drin, aber eine Grundlage ist damit gelegt“, sagte Bürgermeisterin Sissi Schätz. Zunächst wolle man ins Gespräch mit dem Landesamt für Denkmalpflege gehen, anschließend lassen sich beispielsweise Infotafeln realisieren.