Polizeipräsidium Oberbayern-Süd veröffentlicht Kriminalstatistik 2021


Polizeipräsident Manfred Hauser (Foto) und Polizeivizepräsident Frank Hellwig veröffentlichten am heutigen Dienstag die polizeiliche Kriminalstatistik für das südliche Oberbayern in Form des Sicherheitsberichts 2021. Dabei blickt das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd auf ein Jahr voller Herausforderungen, bestimmt durch die Corona-Pandemie, zurück.


Erheblichen Rückgängen bei der Rauschgiftkriminalität und den Wohnungseinbruchsdiebstählen stehen Anstiege in den Bereichen Gewaltkriminalität und insbesondere Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gegenüber. Als bemerkenswert ist zudem allgemein der Zuwachs beim „Tatmittel Internet“ zu betrachten.

In Teilbereichen der Politisch motivierten Kriminalität waren ebenfalls erhebliche Steigerungen zu verzeichnen. Die Einsatzbelastung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd mit seinen nachgeordneten Polizeidienststellen zur ordnungsgemäßen Begleitung von Versammlungen und Veranstaltungen stieg insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2021 exorbitant an. Im gleichen Zeitraum beschäftigte die Polizei im südlichen Oberbayern das pandemiebedingt neue Phänomen „Gefälschte Impfpässe“.

 

Polizeipräsident Manfred Hauser: „Die polizeilichen Fallzahlen im südlichen Oberbayern sind im Vergleich zum Vorjahr nochmal um 5,7 Prozent auf einen historischen Tiefststand gesunken. Die Corona-Pandemie mit all ihren Begleitumständen hat hierbei sicherlich Einfluss genommen. Von bayernweit registrierten 543.680 Straftaten passierten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 9,4 Prozent (51.060). Gleichzeitig freut es mich natürlich, dass meine Kolleginnen und Kollegen die Aufklärungsquote sogar noch ein wenig steigern konnten.“

 

 

Polizeipräsident Manfred Hauser: „Callcenterbetrüger beschäftigen uns nach wie vor häufig. Durch unsere Präventionsmaßnahmen der letzten Jahre konnten wir schon viele Bürgerinnen und Bürger vor den dreisten Tätern warnen. Dennoch fallen leider immer noch Mitmenschen auf diese perfiden Maschen herein und händigen große Mengen Bargeld, Schmuck und Wertgegenstände an völlig unbekannte Menschen aus. Werden Sie nicht müde, Ihre Angehörigen und Freunde vor den perfiden Anrufen dieser Betrüger zu warnen.“

 

Polizeipräsident Manfred Hauser: „Für den erheblichen Anstieg von 20 Prozent bei der nicht zuzuordnenden politisch motivierten Kriminalität sind mit großer Wahrscheinlichkeit Corona-Leugner und Gegner der Maßnahmenpolitik verantwortlich.“

 

Polizeivizepräsident Frank Hellwig: „Sprechen Sie in der Familie offen über die Gefahren des Internets. Täter unterschiedlichster Deliktsfelder nutzen die Anonymität des World Wide Web für ihre Taten immer mehr aus. Die teilweise explodierenden Zahlen sind besorgniserregend. Wir investieren auf diesem Gebiet bereits sehr viel in die Prävention, wenngleich die polizeiliche Präventionsarbeit insbesondere in Schulen und bei Senioren pandemiebedingt auch nur eingeschränkt stattfinden konnte. Jedoch kann die Polizei nur unterstützend behilflich sein. Insbesondere bei Kindern, Jugendlichen aber auch Senioren sind Familienangehörige gefragt, entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten.“

 

 

Polizeipräsident Manfred Hauser: „Für den erheblichen Anstieg von 20 Prozent bei der nicht zuzuordnenden politisch motivierten Kriminalität sind mit großer Wahrscheinlichkeit Corona-Leugner und Gegner der Maßnahmenpolitik verantwortlich.“

 

Teilbereich Gefälschte Impfpässe

Ab dem zweiten Quartal des Jahres 2021 verzeichnete das Polizeipräsidium Oberbayern Süd Fälle von gefälschten Impfausweisen. In den meisten Fällen besorgten sich Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollten, einen Impfpass mit gefälschten Eintragungen und gefälschten Chargenaufklebern. Unter Vorlage dieses Dokuments wurde anschließend versucht,
in Apotheken ein EU-Impfzertifikat zu erlangen. Ein enormer Anstieg solcher Taten war ab der 45. Kalenderwoche bis zum Jahresende 2021 feststellbar, wenngleich die Strafrechtsnovellierung des § 277 StGB zum 24.11.2021 zu einem spürbaren Rückgang führte.

Aufgrund verschiedener Prozesse ist die Polizeiliche Kriminalstatistik in diesem Teilbereich noch nicht valide. Jedoch wurden im südlichen Oberbayern im Jahr 2021 insgesamt über 500 Vorgänge im Zusammenhang mit der Vorlage gefälschter Impfpässe im polizeilichen Informationssystem registriert. Die Tendenz ist derzeit weiter rückläufig

 

Einsatzbelastung durch Versammlungen und Veranstaltungen

Im Jahr 2021 wurden 1.612 öffentliche Versammlungen registriert (2020: 571). Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 1.041 Versammlungen bzw. 182,3 %. Dieser enorme Anstieg ist den 1.048 Versammlungen und Mahnwachen gegen „Einschränkungen der persönlichen Freiheit“ und „Impffreiheit“ in Zusammenhang mit den bestehenden Coronaregelungen, insbesondere von Corona-Leugnern, sogenannten Querdenkern und Impfgegner und der Vielzahl von nicht angemeldeten sogenannten „Spaziergängen“ geschuldet.

Polizeivizepräsident Frank Hellwig: „Die Versammlungsfreiheit ist ein sehr hohes Rechtsgut. Der exorbitante Zuwachs an täglichen Versammlungen und Mahnwachen hat uns vor große Herausforderungen gestellt. Das Polizeipräsidium und die nachgeordneten Polizeidienststellen haben diese Demonstrationen stets professionell begleitet. Leider wurden meine Kolleginnen und Kollegen bei diesen, oft als „Spaziergängen“ titulierten Versammlungen manchmal zur Zielscheibe von frustrierten Bürgerinnen und Bürgern. Dabei kam es mehrfach zu Beleidigungen und vereinzelt tätlichen Übergriffen gegen unsere Einsatzkräfte.“