Gestern war bundesweit der „Tag der Archive"


Der Verband der Archivarinnen und Archivare in der Bundesrepublik Deutschland hatte ihn 2001 ins Leben gerufen: Den Tag der Archive. Seitdem findet er in zweijährlichem Rhythmus statt. Es war also der 11. Tag der Archive seit 2001. So lud auch das Wasserburger Stadtarchiv am gestrigen Sonntag zum Besuch der Räumlichkeiten des Archivs ein.


Das Stadtarchiv Wasserburg feiert heuer auch den 20. Jahrestag des Umzugs in die neuen Räumlichkeiten am Kellerberg. Vorher war das Archiv im Rathaus in Wasserburg untergebracht und litt lange unter den Folgen des Stadtbrandes von 1874. Damals war durch die Löscharbeiten bei vielen Exponaten große Feuchtigkeit zu beklagen, was beachtliche Schimmelbildung im Bestand nach sich zog. Erst nach dem Umzug in die jetzigen Räume des Stadtarchive im Jahre 2002, konnten die von der Nässe beschädigten Dikumente professionell behandelt und damit gerettet werden.

Der Leiter des Wasserburger Stadtarchivs, Matthias Haupt, stellt die prachtvollen Einbände vor, die das Stadtarchiv in seinem Bestand hat. Ein Band, enthält die „gravamina“ von 1577, das sind jene Archivalien, die die Beschwerden der Stadtbürger dokumentieren, aber auch die Ergebnisse der anschließenden Verhandlungen können eingesehen werden. Im Copialbuch sind die wichtigsten Rechte der Stadt niedergeschrieben.

Und damit ist Haupt beim eigentlichen Zweck des Archivs schon im Mittelalter. Durch die Archivierung der wichtigsten Dokumente in der Stadt wurde Beweissicherung für gegebenenfällige Streitigkeiten geübt, aber auch Rechtssicherung, damit auch über die Generationen hinweg überprüft werden konnte, was Recht war und was nicht.

Am gestrigen Tag der Archive konnte Matthias Haupt auch Mitglieder der Familie von Hugo Bayer begrüßen, und er tat es gerne, denn Hugo Bayer hat durch seine Arbeiten viel für die Stadt Wasserburg getan. So hat er das berühmte „Kleeblatt“ der Firma Meggle graphisch gestaltet und auch viele weitere Motive geschaffen, die in Wasserburg lebendig geblieben sind. Das Stadtarchiv hatte im vergangenen Jahr den grafischen Nachlass des im Jahre 1915 geborenen und im Jahre 2000 verstorbenen Hugo Bayer erworben und in das Stadtarchiv überführt. Auch das Werbeplakat für den Tag der Archive 2022 stammt von Hugo Bayer.


Matthias Haupt stellt den Besuchern, die sich begeistert und beeindruckt zeigen,  auch die „Laterna magica“ vor, die im Stadtarchiv vorrätig ist. Diese „Laterna magica“ entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem Massenmedium und stellte die technisch-apparative Zusammenfassung der seinerzeit bekannten optischen Effekte in einem einzigen Gerät dar. Diese Projektionskunst des aufklingenden 19. Jahrhunderts stellt Haupt gut vor, sodass sich alle anwesenden Besucher gut vorstellen können, wie diese Technik funktionierte.

Das Wasserburger Stadtarchiv verfügt über einen, verglichen mit der Größe der Stadt, der umfangreichsten Bestände, der sich sogar mit den Beständen der Stadt München messen könne, so Haupt in seinen Erläuterungen. Die ältesten Dokumente stammen aus dem 14. Jahrhundert, darunter ein Bildband über die Kirche St. Jakob. Matthias Haupt nimmt eine möglich Frage vorweg und erläutert, dass dieses Buch bei der Stadt archiviert worden sei, sei logisch, denn die Finanzen der Kirche seien damals von der Stadt verwaltet worden.

Die Familienforschung erfreut sich gerade in den letzten Jahren einer außerordentlichen Beliebtheit. Martin Mazarin, Mitarbeiter im Wasserburger Stadtarchiv erläutert den Besuchern, was es mit der Familienforschung auf sich hat. Jeder, der wissen möchte, wer seine Vorfahren sind, kann sich im Stadtarchiv beraten lassen. Nach der Beratung ist ein genaueres Einsteigen in die Familienforschung möglich. Das ist nicht immer einfach, aber es gibt Hilfen: So gab es in den ersten Jahren des 20.Jahrhunderts „Fürsorgeakten“, das heißt, alle Menschen, die auf öffentliche Unterstützung angewiesen waren, hatten solch eine Fürsorgeakte, aus der man dann eben auch erfahren konnte, wer die Verwandten und Angehörigen einer Person waren, dadurch ist nicht selten möglich einen Ahnenstammbaum zu erstellen.

Das Magazin des Stadtarchivs ist nicht immer frei zugänglich. Hier stehen die Exponate und Archivalien des Wasserburger Stadtarchivs. Der Raum ist klimatisch so gestaltet, dass die hier untergebrachten Exponate auch für die Zukunft erhalten bleiben können. Dorothea Hutterer erläutert den anwesenden Besuchern ausführlich die Aufgabe des Magazins.

Und dann gibt es ja noch das Bildarchiv, das Klothilde Randlinger-Wimmer den Besuchern erläutert. Das Stadtarchiv verfügt über Fotoalben, eine umfangreiche Diasammlung und eine umfangreiche Negativsammlung. Mit Hilfe des Bildarchivs ist es möglich, das Leben in Wasserburg in der Vergangenheit für alle anschaulich zu machen und genauestens vorzustellen.

Dem Stadtarchiv ist es mit diesem Tag der Archive in eindrucksvoller Weise gelungen, die Arbeit des Archivs und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und damit näher zu bringen. Das Stadtarchiv hat in den 20 Jahren seines Wirkens an der neuen Stätte viel von seinen Beständen konservatorisch behandeln oder sie digitalisieren können und hat damit diese Bestände gerettet. Und damit hat sich das Stadtarchiv zum wirklichen historischen Gedächtnis der Stadt Wasserburg entwickelt.

Es wird von den Bürgern akzeptiert, die am 11. Tag der Archive durch ihren Besuch gezeigt haben, wie wichtig die Arbeit des Archivs ist. Und die Mitarbeiter des Stadtarchivs haben durch ihre Vorbereitung des Tages und die Führungen und Erläuterungen bewiesen, wie sehr ihnen diese Beschäftigung mit der Wasserburger Stadtgeschichte am Herzen liegt.

RP