Grobanalyse zu einem Nahwärmesystem gibt Gemeinderat ersten Ausblick zur Umsetzung  


Das Thema Nahwärme ist derzeit in zahlreichen Gemeinden im Gespräch und Heizmasse aus der Region besonders aktuell. Der Gemeinderat Albaching beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit einer ersten Grobanalyse zu einem Nahwärmesystem. Martina Weber von der MW Biomasse AG stellte dazu die Ergebnisse vor.


Etwa drei Viertel der Bestandsheizungen heizen noch mit Gas oder Öl, wie Weber eingangs erklärte, aber „der Öl-Preis geht steil nach oben“. Bereits seit mehreren Monaten sei die Grenze überschritten, ab der sich für den Verbraucher eine Hackschnitzelheizung rentiere. Die aktuellen politischen Entwicklungen lassen vermuten, dass längerfristig mit einem weiteren Anstieg zu rechnen sei.

Nicht nur die Kosten seien aber Vorteile für eine Hackschnitzelheizung. „Wir sind nicht nur unabhängig vom CO2-Preis, sondern auch unabhängig vom CO2-Ausstoß“, betonte Weber. Die Heizmethode sei CO2-neutral, dabei werden „Reststoffe von Holz verwendet – es wird kein Baum für Hackschnitzel gefällt“. Noch dazu wäre diese Art der Wärmegewinnung regional, denn „wir leben in der waldreichsten Region Deutschlands“, auch arbeite das Unternehmen mit Betrieben vor Ort.

Ob sich ein derartiges Nahwärmenetz für Albaching lohne, sollte eine Grobanalyse aufzeigen. Dabei wurden drei Gebiete untersucht: das Neubaugebiet Albaching-Ost, die Straßen Richtung Ortsmitte und die Ortsmitte selbst. Alle drei Gebiete haben ersten Berechnungen zufolge einen Wärmebedarf von über 1.000 MWh.

Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme lasse sich laut Weber mit der Wärmebelegungsdichte errechnen, also: „Wie viel Wärme verkaufe ich pro verlegtem Trassenmeter?“ Jeder Meter Leitung, der also nicht direkt zu einem Anschluss führt, verursache ein schlechteres Ergebnis. Das zeigte auch die Vorstellung der drei möglichen Varianten für Albaching.

Beschränke sich die Gemeinde vorerst nur auf das Neubaugebiet, liege die Wärmebelegungsdichte bei 1,1 MWh pro Trassenmeter. „Alles über eins ist interessant“, erklärte Weber. Allein für dieses Gebiet wären pro Jahr 71.000 Liter Heizöl nötig.

Weite man das Nahwärmenetz über den mittleren Bereich aus, ließen sich knapp 100.000 Liter Heizöl einsparen, die Wärmebelegungsdichte liege aber nur noch bei 0,9 MWh pro Trassenmeter.

Noch niedriger liegt der Wert, wenn auch der Ortskern berücksichtigt wird, und zwar bei 0,7. „Dann liegen einmal 100 und einmal 200 Meter ohne Abzweigung bis zum nächsten Haus“, erklärte Weber. Hier müsse sich die Gemeinde überlegen, ob sie den Wärmeverlust in Kauf nehmen wolle. „Aus ökologischer Sicht ist es schade, wenn so viel Brennstoff im Boden bleibt.“

Bei dem kompletten Netz sei mit einem Wärmeverlust von etwa 300 MWh zu rechnen. Auf Nachfrage von Brigitte Voglsammer erklärte Weber, das bedeute ein Verhältnis von etwa 23 Prozent. „Üblicherweise liegen die Zahlen zwischen 15 und 30 Prozent“, also liege der Verlust im üblichen Rahmen. Und je mehr nachverdichtet werde, umso geringer werde auch der Verlust.

Nicht berücksichtigt sei in der Berechnung der Wärmebelegungsdichte, dass die Leitungen im Rahmen der Umbaumaßnahmen an der Ortsdurchfahrtstraße verlegt werden könnten. Das könne zu einer Kosteneinsparung führen, die den Wert noch erhöhe.

Ob das Nahwärmenetz hauptsächlich mit Hackschnitzel beheizt werden kann, oder Pellets rechnerisch sinnvoller sind, sei abhängig von der Erzeugungsleistung. „Je höher die Leistung, umso realistischer sind Hackschnitzel“, erklärte Weber. Das lasse sich aber erst entscheiden, wenn klar ist, wer sich tatsächlich anschließen lasse.

Das Fazit der Grobanalyse aber sei klar: „Eine Umsetzung ist möglich.“ Ein nächster Schritt solle eine Machbarkeitsstudie sein sowie die konkrete Planung und Entwicklung eines Preismodells.

Diesem Ergebnis schloss sich auch der Gemeinderat Albaching an. Das Gremium wolle die Machbarkeitsstudie „so schnell wie möglich angehen“. Deshalb lautete der einstimmige Beschluss, diese zu beauftragen und die Umsetzung eines Nahwärmesystems weiter zu verfolgen.

Einer der Gründe sei die zeitliche Eile aufgrund der Straßensanierung. Für Sebastian Freisinger „unser Vorteil und auch Nachteil“, weil zwar eine Kostenersparnis durch Verlegen der Leitungen möglich sei, aber ein Zeitproblem bestehe. Der erste Teil werde „Mitte des Jahres aufgerissen“, erklärte Bürgermeister Rudolf Schreyer. Mitgrund sei außerdem die aktuelle Entwicklung. „Die akute Situation der Energieversorgung macht das Thema noch dringender“, betonte der Rathaus-Chef.