Es ging um die Ukraine-Krise: Aktionskreis-Vorsitzender Tobias Kurzmaier führt souverän durch den Abend


„Von besonderer Tragweite“ heißt es immer so schön. In aktuellem Fall ist es zweifelsohne keine Floskel, sondern eine Betonung für die Metropolregion München und den Haager Tobias Kurzmaier. Er ist Vorsitzender des Aktionskreises für Wirtschaft, Politik und Wissenschaft und präsentiert regelmäßig Podiumsrunden sowie Vorträge mit bekannten Persönlichkeiten. Auch ehemalige Bundespräsidenten, wie etwa Johannes Gauck, waren schon Teil seiner Veranstaltungsreihe, die jetzt einen neuen Höhepunkt erreichte.


Mit einem besonderen Gast gelang Kurzmaier intensive internationale Aufmerksamkeit. Die angespannte Situation um den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wird im Gespräch zwischen Kurzmaier und dem eingeladenen Vitali Klitschko verdeutlicht.  Der gebürtige Haager unterhielt sich mit dem ehemaligen Profiboxer im bayrischen Landtag über persönliche Eindrücke und Sorgen und stellte die enorme Belastung klar, die für die Menschen in dem Land herrschen müssen.

Erst internationale Presse – dann eingeladene Gäste im Parlament

Nach einem Pressegespräch mit internationalen Medienvertretern war es für Kurzmaier besonderes Bedürfnis und große Ehre zugleich, den seit 2014 amtierenden Bürgermeister von Kiew in den Räumen des bayrischen Landtags begrüßen zu dürfen. Klitschko war der Einladung gefolgt, um am Vorabend der Münchner Sicherheitskonferenz, dem bestens vorbereiteten und souveränen Wahlmünchners „Rede und Antwort“ zu stehen. In der Rede des ehemaligen Profiboxers wurde klar, welch bedrückende Situation es für die Menschen in der Ukraine sein muss. Die angespannte Lage in seiner Heimat sei für ihn selbst sehr traurig, zeigte sich Klitschko betroffen und brachte mit klaren Worten ein Stück Kontroverse in den Abend. Dabei gelang es dem Vorsitzenden des AKWPWbesonderen Blick auf die Landeshauptstadt zu lenken und internationale Berichterstattung schon vorab der wichtigen Münchner Sicherheitskonferenz zu arrangieren.

Klitschko mit tiefen Seufzern und klaren Worten

Still war es im Landtag. Die persönlich geladenen Gäste vor Ort hingen dem Ehrengast wohl an den Lippen. Dieser beschrieb, dass es seiner Ansicht nach nur einen Grund gebe, weshalb sich der seit Jahren schon andauernde Krieg zuspitze. „Unser Land wünscht sich, Teil der Europäischen Familie zu sein“. Die Menschen in der Ukraine hielten eine besonders tragische Situation aus, erzählt Vitali Klitschko weiter. Man habe in den letzten Jahren viele Tote und Verletzte zu beklagen gehabt, doch der Wunsch nach einer modernen Demokratie für sein Heimatland bleibe bestehen. Dies passe nicht in das Bild der russischen Föderation. „Wir stehen vor eine Bedrohung durch die russischen Truppen“, seufzte der Bürgermeister von Kiew. Seine Ausführungen zur momentanen Situation wirkten gefasst, und dennoch sehr emotional. „150.000 Soldaten stehen nahe der Grenze zur Ukraine“, so Klitschko weiter. Dennoch wären die ukrainischen Bürger nicht in Panik. Er sei froh, hier in München sprechen zu können und wisse um die Anteilnahme. „Manche Leute sagen, da passiert gar nichts, das ist ein reines Muskelspiel“, berichtet Klitschko weiter. Doch die Zahlen würden schon jetzt für sich sprechen. „13.000 Soldaten und Zivilisten wurden im vergangenen Jahr schon Opfer von Aggression“, so der ukrainische Politiker in seinem Vortrag an der Seite Kurzmaiers. Das mache Sorgen, denn es sei Realität.

Unabhängigkeit fordere Opfer

Das Land habe für den sehnlichsten Wunsch nach demokratischer Entwicklung den wohl höchsten Preis gezahlt, nämlich Menschenleben, verdeutlicht Klitschko und braucht einen langen Moment, bis er weitersprechen kann. Er wirkt bedrückt, dennoch hoffnungsvoll und weiß wohl um die Unsicherheit, die weltweit auf sich aufmerksam mache. Die demokratischen Prinzipien, für die sich die Bürgerinnen und Bürger in der Ukraine entschieden hätten, brächten nun die Anspannung mit sich. Nach der „Revolution der Würde“ im Jahr 2014 lehnte die ukrainische Gesellschaft das sowjetische Entwicklungsmodell endgültig ab. Dies sei der Hauptgrund für die schlechte Nachbarschaft mit den östlichen Nachbarn, zeigt sich Klitschko überzeugt. Russland versuche die Normen eines zivilisierten Verhältnisses durch die Gesetze des Dschungels zu ersetzen. „Wir müssen den Angriff gemeinsam stoppen“, wendet sich Vitali Klitschko an die Öffentlichkeit. Der große Vorsatz sei, stark zu sein mit dem Willen und der Wirtschaft sowie der Armee. Mit den demokratischen Nachbarn sehe er eine Vision, ist sich der Ukrainer sicher. Er sehe Chancen, durch Sanktionen einen Rückzug der Mächte zu erzwingen. Dabei nannte er weder den Namen noch häufig das Land, dessen Soldaten so nahe an der Grenze zu seinem Heimatland stünden. Klar sei ihm dabei die Schwierigkeit für andere Länder und deren Wirtschaft, wenn Sanktionen Einschnitte brächten.

Waffenlieferung – ein Thema in Deutschland

„Wir brauchen Waffen“, betont Vitali Klitschko eindringlich nach der Hälfte seiner Vortragszeit. „Wir sind ein friedliches Land, wir greifen keinen an. Aber wir müssen unsere Kinder, Familien, Städte, ja unser ganzes Land verteidigen“. Dabei wirkte er überzeugt und sprach davon, dass eine schmerzhafte Antwort den Gegner stoppe. „Deshalb möchte ich betonen: Gegen die stärkste und größte Armee der Welt brauchen wir moderne Verteidigungswaffen“, so Klitschko weiter. Er verstehe die Schwierigkeit Deutschlands, an die Ukraine Waffen zu liefern. Die ukrainischen Bürger müssten jedoch in der Lage sein, sich gegen die russische Armee zu schützen. Viele europäische Partner gingen bereits diesen Weg der Unterstützung. Man brauche die westlichen Partnerländer, es liege im Interesse aller, ist sich der Bürgermeister von Kiew sicher. Der einstündige Vortrag endete mit einer Fragerunde, die nicht aufgesetzt wirkte, sondern gut verdeutlichte, dass die Menschen wahrlich in diesem Konflikt gefangen sind, der sich zuzuspitzen scheint. Besonders beeindruckend am Donnerstagabend war die geschickte, unaufdringliche Art von Tobias Kurzmaier im Gespräch mit seinem prominenten Gast. So zeigte er sich spontan hoffnungsvoll, als ein Falter im Parlament umherflatterte. „Vielleicht ist das ein Friedenssymbol“, schmunzelte Kurzmaier und begleitete professionell und unaufgeregt die weiteren Fragen des geladenen Publikums.

Gelungener Abschluss des Gesprächs

Die Schlussworte lenkte der Vorsitzende des Arbeitskreises Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in positive Zukunftsgedanken. „Ich wünsche uns allen Frieden“, zeigte sich Tobias Kurzmaier hoffnungsvoll. Er könne seinen Gast nur unterstützen. „Dieser Konflikt darf nicht zu einem Krieg werden“, so Kurzmaier. Auch sein Gast führte seine Zuversicht auf. „Ich hoffe, wir lachen irgendwann wieder, treffen uns vielleicht in Kiew und erinnern uns daran, wie ich in München sorgenvoll gesprochen habe“, so Klitschko.

Das Video zum Gespräch zwischen Tobias Kurzmaier und Vitali Klitschko gibt es hier auf Youtube zu sehen:

https://youtu.be/aPGo03xhBW4

REGINA MITTERMAIR