Trotz Minusgeschäft: Stadtrat gibt dem Leiter der Stadtwerke beste Noten


Da hatte er gut lachen und wirkte in der Tat zufrieden. Der vor einigen Monaten neu installierte Leiter der Stadtwerke Wasserburg, Robert Pypetz, musste, wie seine Vorgänger stetig auch, in der Haushaltssitzung den Wirtschaftsplan 2022 vorstellen. Dazu gehört auch, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Dem Stadtrat gefiel’s, obwohl es ein Minusgeschäft war.


Erfolg haben, etwas anpacken und an einer erfolgreichen Zukunft der Stadtwerke arbeiten. Robert Pypetz zeigte sich in seiner Präsentation guter Dinge, dass die Stadtwerke mit modernen Strategien am Erfolg schrauben können. Im Wirtschaftsplan zeigte er den Stadträtinnen und Stadträten, dass das vergangene Jahr vor allem für das Badria ein sehr schwieriges Jahr gewesen ist. „E-Werk und Wasserwerk haben sich gut entwickelt, hier können wir wirklich sehr gelungene Zahlen liefern und mitteilen, dass beide Geschäftsfelder sehr gut funktionieren“, so Pypetz in seinen Ausführungen.

Beim Strom gelte der Ausbau der Elektromobilität als wichtiger Entwicklungsschritt und auch der Ausbau neuer Vertriebswege mit Neukunden und unbedingt auch der Wertschätzung für Bestandskunden, findet der Werksleiter. Zwar gebe es zahlreiche Investitionen und Ausgaben, die zu einer modernen Entwicklung dazugehörten, doch er sehe hier im Gesamten viele Vorteile, um eine gesicherte Zukunft der Werke zu platzieren.

Seine Rede war mit zahlreichen glaubwürdigen Zielen verbunden. So gehöre eine kontinuierliche Netzverbesserung und ein Ausbau zu weiteren Instrumenten in der Strategie ebenso betont wie der besonnene Blick auf den Erhalt von Rohrnetz und Behälter und dem Ausbau freiwilliger Kooperationen mit den Landwirten zur Nitratsenkung im Trinkwasser. „Hier hat sich für Wasserburg schon sehr viel positiv entwickelt“, zeigt sich Bürgermeister Michael Kölbl angetan von den bereits niedrigen Nitratwerten im Trinkwasser.

Sorgenkind Badria – Stadtrat hält zum Familienbad

Das Jahr 2021 war ein besonders einschränkendes Jahr für das Badria. Aufgrund der Corona-Pandemie und notwendigen Schließungen gingen die Umsatzerlöse deutlich in den Keller. Auch die Vermietung der Mehrzweckhalle gestaltete sich besonders schwierig, gab Pypetz betroffen zu. Es sei kein wirtschaftlicher Ansatz im Arbeitsalltag des Familienbads möglich gewesen, Ausgleichszahlungen habe es nicht gegeben für öffentliche Bäder. „Unterstützung gab es mit Kurzarbeitergeld, damit wir für unsere Mitarbeiter zumindest weiter als Arbeitgeber Verantwortung übernehmen konnten“.

Was ist zu tun?

Die Dachsanierung in der Eingangshalle des Badria-Areals könne nicht mehr aufgeschoben werden, ist sich Robert Pypetz sicher. Eine wichtige Investition, die er deshalb in seinem Strategiepapier erläuterte. Wichtiges Ziel sei der Ausbau der Angebote für Schwimmkurse und weiteren Events. „Meerjungfrauen-Schwimmen zum Beispiel“, brachte der Werksleiter zu Protokoll. Inwieweit auch 2022 Corona den Öffnungen entgegenwirkt, wisse er natürlich nicht. Doch die Zeit der möglichst normalen Einlassfenstern werde das Badriateam gekonnt nutzen. Sowohl Werksreferentin Katharina Hausmann (Grüne) – aber auch alle weiteren Stadträte attestierten dem neuen Werksleiter besondere Kompetenz, Feingefühl im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und moderne Ansichten und Überlegungen, die dennoch solide ausgearbeitet seien. „Wir stehen absolut hinter Ihnen und Ihrem Team und freuen uns, dass wir Sie haben“, hieß es mehrfach in den Wortmeldungen des Stadtrats-Gremiums.

Das Badria 2021 – eine Horrorgeschichte wegen Corona

Die Corona-bedingten Schließzeiten 2021 lesen sich wie ein Krimi. Das Bad und die Sauna waren von 1. Januar bis 24. Mai 2021 komplett geschlossen. Ab dem 25. Mai bis zum 10. Juni wurde lediglich das Freibad geöffnet. Mit verkürzten Öffnungszeiten hoffte man auf dennoch gute Besucherakzeptanz im Zeitraum zwischen 11. Juni und 29. Juli. Reguläre Öffnungszeiten – aber eine Besucherobergrenze mit 250 Badegästen und 60 Saunanutzern überbrückte man in den Sommermonaten von 30. Juli bis 1. September. Ab dem 22. August galt zusätzlich die eingeführte 3G-Regel zu überwachen. Ein erneuter (diesmal regionaler) Lockdown zwischen 24. November und 13. Dezember verschloss die Badriatore ein weiteres Mal. „Die Sauna war dann sogar noch länger zu, weil es eine wichtige Reparatur gab“, so Pypetz ernüchternd.

Für 2022 erhoffe man sich einen Aufschwung und zufriedene Besucher, vor allem aber für das Badria-Team keine Corona-bedingten Schließungen mehr. „Es ist dann zwar nicht aufzuhalten, und alle Regelungen sind für meine Kolleginnen und Kollegen sehr energieraubend, aber wir werden das gemeinsam schaffen. Danke für Ihren Zuspruch und die Betonung, dass das Badria zur Stadt gehört und Sie sich dafür bekennen“, zeigte sich Robert Pypetz glücklich. Mit wohlwollender Miene entfernte sich der neue Werksleiter vom Mikrofon am Podium der Mittelschulaula und mit jedem Schritt zurück an seinem Platz wurde der bestärkende Applaus der Stadträte gefühlt ein bisschen lauter.

Der Beschluss

Die Abstimmung galt nach dem Zuspruch fast als Formsache. Einstimmung hat sich das Stadtratsgremium mit den Fakten befasst und den Wirtschaftsplan samt der Investitionszahlen festgestellt.

Im Einzelnen heißt es im Protokoll der Abstimmung:  Der Erfolgsplan der Stadtwerke Wasserburg wird gemäß der Anlage mit einem Jahresverlust in Höhe von 1.551.075 Euro festgestellt. Zudem gelten benötigte Mittel der Geschäftsbereiche als dargelegt, Elektrizitätswerk (Netz) 749.300 Euro. Elektrizitätswerk (Vertrieb) 724.800 Euro, Wasserwerk 785.000 Euro, Badria 1.581.400 Euro, Nebengeschäfte 95.100 Euro, sowie den Verpflichtungsermächtigungen für 2023 in Höhe von 370.000 Euro. Geplante Darlehensaufnahmen in Höhe von insgesamt etwas mehr als 1 Million Euro erfolgen nur, falls die damit zu finanzierenden Maßnahmen des Vermögensplans 2022 nicht aus dem laufenden Geschäft heraus abgewickelt werden können.

RM