Endspurt für das Projekt der Technischen Hochschule Rosenheim im Wettbewerb „Solar Decathlon Europe 21/22"


Für das Team „Levelup“ der TH Rosenheim hat die heiße Phase im internationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon Europe (SDE)“ begonnen. Nach einer fast zweijährigen Planungsphase entsteht auf einem Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hochschule eine zweigeschossige, voll funktionsfähige Wohneinheit, eine sogenannte House Demonstration Unit (HDU). Damit wird gezeigt, wie sich das Team der TH Rosenheim das Solargebäude der Zukunft vorstellt. Beim Richtfest war auch Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) dabei.


 

Parallel zu den Vorbereitungen des Untergrundes für die HDU auf der ehemaligen Bogensiedlung startete Anfang Dezember 2021 die Bauphase der Holzmodule, die dann im Januar zur Baustelle geliefert und dort montiert wurden. Zum Finale vom 10 bis 26. Juni wird der Prototyp in seine einzelnen Module zerlegt und nach Wuppertal auf den Solar Campus transportiert. Der Wettbewerb hat diesmal als Motto „Solar Decathlon Europe goes Urban!“, bei dem das nachhaltige Bauen und Wohnen im städtischen Kontext im Mittelpunkt stehen. Die TH Rosenheim ist eine von sieben deutschen Hochschulen, die an dem Wettbewerb teilnehmen. Insgesamt sind 18 Projekte aus elf Ländern am Start.

 

Vorhandener Wohnraum wird aufgewertet und erweitert

Das Konzept des Rosenheimer Teams hat als Idee, Bestandsgebäude vor allem aus den 1950er bis 1970er Jahren energetisch zu sanieren und aufzustocken. „Es gibt in Deutschland ein sehr großes Wohnraumpotenzial durch Aufstockungen, man geht von mehr als einer Million zusätzlichen Wohnungen aus. Unsere Herangehensweise ist zukunftsweisend, um den erheblichen Wohnraummangel vor allem in Städten zu mildern“, erklärt Projektleiter Andreas Boschert vom Zentrum für Forschung, Entwicklung und Transfer der Hochschule.

 

Grundlegend für den Entwurf sind eine modulare und adaptierbare Holzbauweise sowie eine serielle Fertigung, die bezahlbare Wohnraum in urbanen Räumen ermöglicht. In der Design Challenge entwickelte das Team ein Entwurfs- und Energiekonzept für die Aufstockung eines Gebäudes der staatlichen Siedlungswerk Nürnberg GmbH mit dem Fokus der Klimaneutralität. In der Building Challenge wählte das Team eine beispielhafte Wohneinheit aus dem Entwurf aus, die spätere House Demonstration Unit. Mit ihren drei Holzmodulen im Erdgeschoss stellt die HDU einen exakten Ausschnitt der Aufstockung dar. Neben den Wohnmodulen spiegelt das Obergeschoss in Form einer Dachterrasse und eines Gewächshauses die abgeleitete Darstellung der Design Challenge wider, um das levelup-Konzept bestmöglich darzustellen. „Unser Gebäude steht für nachhaltige, energieeffiziente und sozialverträgliche Architektur, indem wir keine Grünflächen versiegeln, sondern vorhandenen Wohnraum aufwerten und erweitern“, so Boschert. Mit dem jetzt gefeierten Richtfest nach Fertigstellung des Rohbaus habe man einen zentralen Meilenstein erreicht, nun beginne der Innenausbau.

 

„Tolles Erlebnis, bei dem Projekt mitzuarbeiten“

Entwickelt, geplant und umgesetzt wird das Projekt von einem interdisziplinären Studierendenteam mit Unterstützung von Mitarbeiter*innen und Professor*innen der TH Rosenheim sowie externen Partnern. „Es ist ein tolles Erlebnis, bei so einem großen und bedeutenden Projekt mitzuarbeiten. Zwar bleibt das Studium dabei ein Stück weit auf der Strecke, aber wann hat man schon die Möglichkeit, Teil eines solchen Projekts zu sein“, sagt Sebastian Obermaier, eines von etwa 15 studentischen Mitgliedern des Kernteams.

 

Es sei fachlich wie menschlich eine große Bereicherung, am Wettbewerbsbeitrag der TH Rosenheim mitzuarbeiten. „Wir gehen die Herausforderungen aus verschiedenen Blickwinkeln gemeinsam an und motivieren uns gegenseitig“, so Obermaier, der den Bachelorstudiengang Energie- und Gebäudetechnologie an der TH Rosenheim abgeschlossen hat und jetzt für den Masterstudiengang Angewandte Forschung & Entwicklung in den Ingenieurwissenschaften eingeschrieben ist.

 

Staatsministerin Schreyer lobt großartiges Engagement

Beim Richtfest für das Gebäude sprach auch Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer über die Bedeutung des Wettbewerbs und den Beitrag der TH Rosenheim. „Ich freue mich sehr, dass die TH Rosenheim mit einem interdisziplinären Team erneut beim Solar Decathlon Europe vertreten ist. Das Richtfest für den Prototypen ist Beweis für den bereits geleisteten Einsatz und das großartige Engagement aller Projektbeteiligten. Wir unterstützen gerne, wenn es darum geht, unsere Städte zukunftsfähig zu machen und innovative, nachhaltige Ideen für den Wohnungsbau zu entwickeln. Für den Wettbewerb in Wuppertal wünsche ich dem gesamten Team weiterhin ganz viel Erfolg!“

 

Nach Wettbewerbsende findet die House Demonstration Unit auf dem Campus der TH Rosenheim ihr neues Zuhause. Das Familienbüro der Hochschule zieht in das Solarhaus ein, zudem soll das Gebäude für die fächerübergreifende Hochschullehre in den baunahen Studiengängen genutzt werden.

 

Der Solar Decathlon Europe (SDE) ist ein architektonischer und technischer Wettbewerb, bei dem Studententeams aus aller Welt ein Haus entwerfen, bauen und betreiben. Der solare Zehnkampf verfolgt das Ziel, die Energiewende in urbanen Quartieren voranzubringen und sucht dafür nach zukunftsfähigen und innovativen Lösungen. Europe steht dabei für den Austragungsort und beschränkt die Herkunft der Teilnehmer nicht auf den europäischen Kontinent.

 

Der Name Decathlon leitet sich dabei von zehn Teildisziplinen innerhalb des Wettbewerbs ab, zum Beispiel Architektur, Energieeffizienz, Innovation und Nachhaltigkeit. Gefördert wird das Rosenheimer Team vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr und durch zahlreiche Partner aus der Industrie und Forschung. Bei der Teilnahme am SDE 2010 in Madrid hatte die TH Rosenheim den zweiten Platz erreicht.

 

Foto: Projektleiter Andreas Boschert, TH-Präsident Prof. Heinrich Köster, Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer und, stellvertretend für das studentische Team, Sebastian Obermaier (von links) beim Richtfest an der levelup-Baustelle.