Es kollidiert: Steht der Altstadtbahn-Traum einer Radweg-Förderung im Weg?


Innovativer Charakter, schnelle Umsetzbarkeit und klare Eigentumsverhältnisse. Mit diesen Voraussetzungen könnte der Stadt Wasserburg eine Fördersumme zur Realisierung eines Radweges entlang der Altstadtbahntrasse winken. Der Hauptausschuss befasste sich in der jüngsten Sitzung mit dem Punkt, ob man sich weiter auf den Gedanken einer Altstadtbahn-Reanimierung stütze oder dem Trend folge, geförderte Radwege auszubauen. Kommt es zu einer Bewerbung im Rahmen der „Radoffensive Klimaland Bayern“?


Der Tagesordnungspunkt des Hauptausschusses liest sich simpel: Wasserburg könnte sich für hohe Summen des Förderprogramms bewerben, das Radwege im Forst und speziell auch an Bahnlinien unterstützt. Damit wäre kein freier Platz mehr für eine mögliche Altstadtbahnlinie. Oder doch? Eine Grundsatzdiskussion kam nicht auf, dennoch gab es unterschiedliche Meinungen dazu, ob man sich für eine Bewerbung um die Radwege-Förderung entlang der Altstadtbahntrasse entscheidet. Die Frist bis Ende Februar rückt immer näher.

Bereits vor Jahren wurde ein Ingenieurbüro mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Diese scheint veraltet, dennoch gilt eine Umsetzbarkeit des Radwegs als praktikabel. Auch im Hinblick auf angrenzende FFH-Flächen kam es vor mittlerweile zehn Jahren zu einer artenschutzrechtlichen Prüfung. „Die Förderung beträgt laut Förderprogramm 80 bis 90 Prozent“, gab Bürgermeister Michael Kölbl zu Protokoll. Eine derart lukrative Projektarbeit mit Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger sei von großer Bedeutung, so das Stadtoberhaupt weiter.

Kölbl erläuterte, dass die vorhandene eisenbahnrechtliche Streckenwidmung weiterhin erhalten bleiben könne und temporär die Möglichkeit bestünde, eine Bahntrasse als Radweg zu nutzen. Erst kürzlich habe sich der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags mit der Fragestellung beschäftigt und komme zu dem Schluss, dass diese Möglichkeit nicht auszuschließen sei. „Unabhängig noch zu treffender grundsätzlicher Beschlüsse zur Altstadtbahn können wir uns für das förderintensive Auswahlverfahren bewerben“, spricht sich Kölbl für den Bewerbungslauf aus.

Die Bahnstrecke ist stillgelegt – kann jetzt der Radweg kommen?

Zwischen Megglestraße und Bahnhofsplatz könnte ein Radweg entstehen. In kurzer Zeit muss geprüft werden, welche Genehmigungen für das Vorhaben einzuholen seien und ob das Radwege-Projekt grundsätzlich mit der eisenbahnrechtlichen Widmung und den FFH-Flächen vereinbar werde. „Ich bin begeistert über diese Möglichkeit und wir sollten das unbedingt ansteuern“, hieß es prompt vom zweiten Bürgermeister Werner Gartner. Wichtiger Fakt sei selbstverständlich, dass die Widmung der Bahnstrecke bleibe. Jeder, der den Weg kenne, wisse, wie schade es sei, den Weg derzeit nicht gut nutzen zu können, so Gartner weiter.

Auch Heike Maas sieht in einem Radwegeprojekt positive Signale für die Bürger: „Das Stadtgebiet wird dadurch noch attraktiver“, ist sich Maas sicher.

Grüne wollen hier keine Radfahrer, sondern Bahnfahrer „Meine Fraktion ist nicht begeistert von dem Vorhaben“, brachte sich Grünenpolitikerin Steffi König in die Diskussion ein. „Wir wollen auf der Bahnlinie eine Bahn sehen“, so König. Fördergelder seien ja auch Steuergelder, gibt die grüne Stadträtin zu bedenken. Deshalb wundere sie sich, dass man nicht zunächst die Mängelliste abarbeite, die etwa Handlungsbedarf aufzeige für bestehende Radwege-Infrastruktur, etwa den Bereich zwischen Osterwies und Soyen.

„Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun“, erinnerte anschließend Michael Kölbl. Kopfschüttelnd kam auch Edith Stürmlinger zu Wort. Sie wundere sich sehr, dass die grüne Stadtratskollegin eine Erschaffung eines intelligenten Radweges im weiteren Sinne als Steuergeldverschwendung ansehe. „Ich sehe es als Gewinn, wenn wir mithilfe der Förderung solch einen Radweg erschaffen könnten. Und zwar für die Reitmehringer ebenso wie für die Wasserburger, die mit dem Fahrrad zum Bahnhof gelangen könnten“, so Stürmlinger in ihrer Wortmeldung. Zudem sei es eine gute südliche Anbindung zum Klinikum, sprach sich die dritte Bürgermeisterin für eine Bewerbung aus.

Sowohl Alltagsziele – aber auch touristische Ziele würden mit dem Radweg realisiert, weiß Andreas Hiebl, der für die Verwaltung Informationen zum Förderprogramm sammelte. Stadtrat Josef Baumann sieht es ebenfalls von Vorteil, wenn die Radfahrer mehr auf dafür vorgesehenen Wegen unterwegs seien und nicht auf den viel befahrenen Straßen. Georg Machl sieht in dem hohen Förderbetrag ein echtes Geschenk für die Stadt gegeben. „Das ist doch wie Weihnachten und Ostern zusammen“, zeigte sich Machl süffisant begeistert von dem Programm. Mit lediglich zwei Gegenstimmen und ansonsten klarem „Ja“ steht der Bewerbung für die Berücksichtigung eines Fördertopfs für den Radweg zwischen Megglestraße und Bahnhofsplatz nichts mehr im Wege.

RM