Bei der gestrigen Sitzung: Noch keine Entscheidung durch Hauptausschuss


„Wir müssen das jetzt erstmal wirken lassen“ – betonte Rathauschef Michael Kölbl nach der ausführlichen Präsentation der fünf Studierenden im siebten Wirtschaftsinformatik-Semester. Damit resümierte Kölbl die Darbietung zur möglichen Bürger-App, die sich auf keine direkte Empfehlung der jungen Menschen stützte, sondern sowohl Vor- aber auch Nachteile beleuchtet hatte. 


Den bestmöglichen Nutzen abwägen, den Aufwand dagegenhalten und vor allem: Kritisch hinterfragen, um dann noch mehr Bürgerservice leisten zu können – oder eben auch nicht. Ein 30-minütiger Vortrag einer Gruppe Studierender der Technischen Hochschule Rosenheim hat gestern Abend gezeigt, welch unterschiedliche Faktoren der simple Gedanke einer möglichen Bürger-App für die Innstadt aufweist.

„Hier geht es um den Bedarf, um die Möglichkeiten und den Aufwand“, hieß es während der Abschlusspräsentation. Im Oktober 2021 – pünktlich zu Semesterbeginn – erhielten Bianca Gurland, Sabine Bellmann, Jana Chublarjan, Lukas Steinbrück (Foto) und Julia Zelles den Auftrag, sich zu Zwecken der Projektarbeit mit dem Thema Bürgerapp auseinanderzusetzen.

Nach intensivem Brainstorming und vier Fragen, die durch den Wasserburger Stadtrat mit auf den Weg gegeben wurden, ging es schon in die heiße Phase: „Wir gestalteten eine Umfrage und haben hier repräsentative 309 Antworten sammeln können“, freute sich Bianca Gurland. Die Aussagen der Einwohner hätten unterschiedlicher nicht sein können und brachten dennoch mehr Klarheit.

Die Ausgangslage – Wasserburg informiert bereits vielfältig

Besonders schmeichelnd für die Stadtverwaltung war sicherlich die Aussage, dass Wasserburg bereits in besonders starkem Ausmaß Bürgerinformation betreibt. Die Webseite der Stadt stelle eine gute Anzahl an Fakten, Neuigkeiten und Bürgerservice dar, waren sich die Studierenden einig. Sowohl das Amtsblatt – aber auch weitere Veröffentlichungen seien Beweis dafür, dass sich Wasserburg in regem Informationsaustausch mit den Bürgerinnen und Bürgern befinde. „Außerdem hat die Stadt bereits drei Apps“. Mit der Abfall-App, der Parkticket-App und der Museums-App zeige sich der moderne Wille, sich zu entwickeln.

Welche App-Funktion ist für die Bürger wichtig?

Was muss die App können, um Akzeptanz herbeizuführen? Welche Gefahren gibt es, die eine neue Bürger-App vielleicht ablehnend wirken lässt? Ist es sinnvoll, eine weitere App einzuführen und gibt es eventuell schon andernorts Apps, die man in Teilen oder konzeptionell nutzen könnte? Viele Fragen sollten auch ergiebige Antworten für die Stadträte bringen.

Die Studierenden erarbeiteten aus den Umfrageantworten, die während eines 14-tägigen Zeitraums zwischen November und Dezember eingeholt wurden, klare Schwerpunkte. Unterschiedliche Altersgruppen hatten sich für eine schnelle und direkte Informationsquelle ausgesprochen. „Gefahrenmeldungen, aktuelles aus Wasserburg, Fahrpläne, Veranstaltungen und Öffnungszeiten sind als wichtigste Punkte aufgeführt worden“, berichtete Julia Zelles den Ausschussmitgliedern. Als eher unwichtig eingestuft worden seien Wetterbericht und Übernachtungsmöglichkeiten, so die Studentin weiter. Dies komme bei den Einheimischen am wenigsten an, so Zelles.

Kommt der zusätzliche Kommunikationsweg zur Stadt?

Besonders gut gelang den Studierenden die vielschichtige Ausarbeitung der Bedarfsanalyse und der hilfreiche Blick in die Nachbarregionen. „Es gibt im Landkreis Rosenheim zwölf Kommunen, die mithilfe einer App den Tourismus fördern möchten, weitere vier Kommunen nutzen bereits Bürger-Apps“, erläuterte Sabine Bellmann. Bad Aibling, Prien, Rohrdorf und Amerang seien mit solch einem zusätzlichen Informationskanal ausgestattet, hieß es von Bellmann weiter. Zum weiteren Vergleich der Nutzungsmargen wurde auch die Stadt München auf die Liste gesetzt – hier auch mit einer für die Ausschussmitglieder wichtigen Information zum Nutzungsverhalten der stark bewohnten Landeshauptstadt. „Nur zwischen 50.000 und 100.000 Downloads der München-App wurden bislang im Playstore gemacht“, brachte es die Studentin auf den Punkt. Dies sei für eine so große Stadt enorm wenig.

Aufwändige Technik – unumgänglich?

Die technische Infrastruktur und weitere wichtige Herausforderungen, bis es zu einem brauchbaren App-Ergebnis kommen könne, erklärte Jana Jana Chublarjan. Auf die Frage der Ausschuss-Mitglieder, welches persönliche Fazit die Studierenden ziehen und ob sie eine App für Wasserburg empfehlen würden, hieß es von der jungen Frau äußerst klar: „Ich denke, der große zeitliche und auch finanzielle Aufwand, der hinter einer App steht, kann nicht den Nutzen bringen, den es eigentlich braucht“, so Chublarjan.

Ihr Teamkollege Lukas Steinbrück zeigte die Möglichkeiten auf, die mit externen Anbietern umzusetzen seien. „Jeder Anbieter hat seine Vorteile und einen anderen Service, hier müsste man abwägen, welche Features man unbedingt realisieren will“, so Steinbrück abschließend.

Räte und Professorin äußern sich zufrieden

Für die anwesenden Ausschussmitglieder war die Darbietung der einzelnen Fakten für oder wider einer Bürger-App eine runde Sache. Und auch die Studiengangsleiterin, Prof. Dr. Claudia Förster zeigte sich begeistert von den Ergebnissen Ihrer Studentinnen und des Studenten. „Es ist für Studierende immer besonders toll, wenn an einem echten Problem, einer realen Sachlage gearbeitet werden kann“, so Förster im Gespräch mit unserer Redaktion. Dadurch erhalte eine solche Ausarbeitung besonderen Wert.

„Hier die Fakten zu beleuchten, Analysen zu betreiben und dann auch ein Fazit zu präsentieren, stärkt enorm“, so die Studiengangsleiterin für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Rosenheim weiter. Mit Freude habe sie nun bei der Ausschusssitzung zugehört und werde die Art und Weise der Präsentation vor Publikum in die Bewertung einfließen lassen. Denn: Die Abschlussarbeit wird für alle fünf Studierende bewertet.

Eine Entscheidung über eine möglicherweise benötigte zusätzliche Bürger-App ist am Dienstagabend nicht gefallen. Die CSU-Fraktion zeigte sich dennoch zufrieden über den Entwicklungsstand ihres Antrags. „So können wir uns mit den Informationen auseinandersetzen und als Stadträte auch diesen Kommunikationskanal immer wieder neu bewerten“, hieß es aus den Reihen der Wasserburger CSU mit Heike Maas und Georg Machl.

Erst in etlichen Wochen wird das Thema nochmals Teil in einer Stadtratssitzung oder im Ausschuss sein. Zunächst soll es „einfach nur wirken“, so Bürgermeister Michael Kölbl.

Das Team der TH Rosenheim mit ihrer Professorin, Dr. Claudia Förster.

RM