Der Wochenbericht zur Pandemie - Dr. Hierl appelliert an ALLE: Im Alltag alle nicht notwendigen Kontakte reduzieren und Reisen vermeiden


Dem Gesundheitsamt wurden 25 Personen gemeldet, die in der vergangenen Woche an Corona verstorben sind – in der Woche zuvor waren es 24 Verstorbene gewesen. Fast 50 Menschen in nur zwei Wochen …


Zwei Verstorbene diese Woche waren unter 60 Jahre und 14 Personen waren über 80 Jahre alt. 17 der verstorbenen Personen waren in einem Heim betreut worden, meldet das Landratsamt heute in seinem Wochenbericht.

Seit dem letzten Corona-Wochenbericht wurden dem Gesundheitsamt 1.309 Fälle Neuinfizierter (vergangene Woche noch 2.184 Fälle) für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet. 

Sechs Personen wurden bislang mittels Genomsequenzierung positiv auf die Omikron-Variante getestet. Darunter befinden sich eine Person, die ihren Hauptwohnsitz in einem anderen Landkreis hat, und ihre beiden Familienmitglieder aus dem Landkreisgebiet, bei denen sie die häusliche Isolierung verbracht hat. So die Behörde heute.

Die aktuelle Bewertung des Infektionsgeschehens durch Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim:

 „Es gibt drei neue Nachrichten. Eine davon ist positiv, zwei sind negativ:

Erstens: Die Entwicklung der Infektionszahlen ist weiterhin positiv. Die Kontakt- und Zugangsbeschränkungen scheinen zu wirken. Der Gipfel der vierten Welle, einer Delta-Welle, liegt hinter uns.

Zweitens: Die Lage in den Kliniken in Stadt und Landkreis hingegen ist weiterhin besorgniserregend. Keinesfalls dürfen wir uns daher hinreißen lassen, aufgrund der sinkenden 7-Tage-Inzidenz ‚Entwarnung‘ zu geben. In der Region Rosenheim stecken sich jeden Tag weiterhin bis zu 370 Personen mit dem Virus an. Gleichzeitig ist die Impflücke in unserer Bevölkerung viel zu groß, als dass wir einen nennenswerten Bevölkerungsschutz erwarten könnten.

Drittens: Das Robert Koch-Institut und weitere Experten äußern zunehmend ihre starke Besorgnis, dass es nach dem Jahreswechsel zu einer rasanten Verbreitung der Omikron-Variante in Deutschland kommen wird und damit schwere Verläufe bei Ungeschützten zunehmen werden. Im schlimmsten Fall kann dies zu einem dramatischen Überlaufen der Intensivstationen jenseits der absoluten Kapazitätsgrenzen führen.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen ist von einer verminderten Wirksamkeit der Impfstoffe bei Omikron auszugehen, so dass nur durch eine Booster-Impfung ein ausreichendes Schutzniveau vor schweren Verläufen erreicht wird. Es wäre fatal, die eingeführten Beschränkungsmaßnahmen zu früh zu lockern und dadurch in eine schnell einsetzende, steile fünfte Omikron-Welle zu schlittern. Wir fahren bildlich gesprochen mit ‚angezogener Handbremse‘, aber die Geschwindigkeit ist trotzdem viel zu hoch. Es muss jetzt zusätzlich kräftig auf das ‚Bremspedal getreten‘ werden.

Jede Bürgerin und jeder Bürger ist daher aufgerufen, im Alltag alle nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren und Reisen zu vermeiden. Sofern Kontakte nicht gemieden werden können, sollten Masken getragen, Mindestabstände eingehalten und die Hygieneregeln beachtet werden.

Gleichzeitig muss die Impfrate in der Region enorm gesteigert werden. Die Impfung ist für mich persönlich absolute ethische Verpflichtung. Da hilft kein Schönreden und kein Beharren auf der persönlichen Freiheit. Diejenigen, die noch für Argumente offen sind, müssen jetzt handeln und einen Impftermin zur Nachholimpfung und zur Boosterung vereinbaren.“  

Nach Aussage des Ärztlichen Leiters Krankenhauskoordinierung, Dr. Michael Städtler, seien die Belegungszahlen mit Corona auf den Normalstationen und Intensivstationen etwas zurückgegangen. Die Belastung der Intensivstationen sei unverändert sehr hoch, vor allem habe die Belegung mit Notfallpatienten ohne COVID-Bezug zugenommen. Ein gleiches Bild zeige sich im gesamten bayerischen Raum. Abverlegungen seien  derzeit nicht erforderlich.

Die Kliniken in der Region seien bereits an ihrer Leistungsgrenze. Die Lage auf den Intensivstationen im RoMed-Klinikverbund sei nach Aussage der Geschäftsführung extrem belastend, die Kapazitäten der COVID-Intensivbetten seien ausgeschöpft, das Personal befinde sich an der absoluten Belastungsgrenze. Planbare Eingriffe müssen verschoben werden.

Corona-Ausbrüche gab es in der vergangenen Woche leider auch wieder in 26 Alten- und Pflegeheimen – betroffen waren 179 Bewohner:

131 davon waren vollständig geimpft = 73%, 

42 nicht geimpft = 23%,

drei Bewohner waren unvollständig geimpft und in drei Fällen ist der Impfstatus derzeit nicht bekannt.

13 Heimbewohner (sieben geimpft, sechs ungeimpft) mussten hospitalisiert werden.

Von 88 infizierten Mitarbeitern waren: 47 nicht geimpft = 53%, 21 vollständig = 24%, einer unvollständig geimpft und in 19 Fällen Impfstatus unbekannt.

Die hohe Zahl der positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner sei dabei keineswegs Beweis einer fehlenden Impfeffektivität, meldet heute das Gesundheitsamt. Erstens: Sie sei ein deutliches Signal dafür, dass bei den Betagten und Hochbetagten dringend Auffrischimpfungen erforderlich seien, wenn die Impfserie vor einem halben Jahr stattfand und zweitens: Die weitgehend milden Verlaufsformen würden eine noch vorhandene Schutzwirkung zumindest gegen schwerste Verläufe zeigen und drittens: Je höher der Anteil der Geimpften unter den Bewohnern in den Heimen ist, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen Personen, die sich infizieren, vollständig Geimpfte betroffen seien.

Gesundheitsamtsleiter Dr. Hierl:

Sofern bislang keine Impfung erfolgte oder nicht vollständig geimpft wurde, sollten dringend Nachholimpfungen verabreicht werden. Ich appelliere noch einmal nachdrücklich an alle Beschäftigten in der Pflege und Therapie, dem Service und dem Reinigungsdienst in Pflegeheimen sowie an die Angehörigen der Pflegebedürftigen, die sich bislang noch nicht für eine Impfung entscheiden konnten, sich einen vollständigen Impfschutz geben zu lassen. Ungeimpfte setzen die in den Einrichtungen betreuten und behandelten Bewohnerinnen und Bewohner einer unnötigen Gefahr aus. Ich finde diese Haltung auch ethisch nicht vertretbar. Völlig unverständlich ist für mich auch, dass sich unter den positiv getesteten Bewohnern immer noch fast ein Viertel Ungeimpfte befunden haben. Ich appelliere eindringlich an Angehörige oder Betreuer, klar für eine Impfung einzutreten.

In den Schulen in Stadt und Landkreis ereigneten sich seit dem letzten Wochenbericht fünf Ausbrüche mit zwölf Folgefällen, in den Kitas fünf Ausbrüche mit zehn Folgefällen.

215 (am 09.12.2021: 245) Corona-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim in den Kliniken stationär behandelt. Hiervon befinden sich 32 Patienten (am 09.12.2021: 35) in Stadt und Landkreis Rosenheim mit schweren Verläufen auf Intensiv. 

Der Blick auf die Gemeinden:

Grafik: Fallzahlen aus den Gemeinden