Corona-Wochenbericht: Fallzahlen in der Region sind förmlich explodiert

Alarmstimmung im Rosenheimer Gesundheitsamt! „Die Lage in Stadt und Landkreis ist dramatisch. In der letzten Woche sind die Fallzahlen in der Region förmlich explodiert“, sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Amtes in seinem wöchentlichen Lagebericht. „Ich sehe diese Entwicklung vor dem bevorstehenden Winter mit großer Sorge. Bereits jetzt schon lassen sich die Infektionsketten in der Bevölkerung mit den zur Verfügung stehenden Infektionsschutz-Maßnahmen kaum mehr unterbrechen und Nachverfolgungen von Fällen und Kontaktpersonen weitgehend nicht mehr durchführen. Die Krankenhäuser sind voll.“


Das Gesundheitsamt konzentriere sich im Wesentlichen auf sensible Einrichtungen wie Heime, Kliniken, Schulen und Kitas. Hierl: „Aufgrund der extrem hohen Infektionsaktivität und der unterdurchschnittlichen Impfrate steht zu befürchten, dass in der Region im Winter daher eine bislang noch nicht dagewesene Welle an Infektionen und Erkrankungen bevorsteht. Dies wird unweigerlich zu einer weiteren krisenhaften Belastung der Kliniken führen und kann, wenn nicht noch gesetzgeberisch umgesteuert wird, auch einen Kollaps der Kapazitäten der Intensivstationen in Stadt und Landkreis verursachen.“

Dem Gesundheitsamt Rosenheim wurden täglich durchschnittlich etwa 414 neue Fälle (insgesamt 2.896 Neumeldungen, Vorwoche: 1.921) gemeldet. Gestern wurde mit 629 erneut die bislang höchste Zahl neuer Fälle gemeldet.

Weit überwiegend seien Ungeimpfte bei den neuen Fällen betroffen – so Dr. Hierl – knapp zwei Drittel der positiv Getesteten insgesamt liegen im Altersbereich zwischen 18 und 59 Jahren. Acht von zehn Fällen wären durch eine (zeitgemäße) Impfung grundsätzlich vermeidbar gewesen.

Hierl: Weiter zugenommen haben Infektionsübertragungen auf Mitarbeiter und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen. Besorgniserregend ist dabei der hohe Anteil vollständig geimpfter Bewohner bei den positiven Fällen und den Hospitalisierten.

In den Heimen in Stadt und Landkreis sind seit dem letzten Wochenbericht die Krankheitsfälle bei Bewohnern und massiv auch bei Mitarbeitern weiter angestiegen. Dabei ist der Anteil der positiv getesteten vollständig geimpften Bewohner beunruhigend hoch.

Etwa die Hälfte der betroffenen Mitarbeiter war ungeimpft. So wurden in der letzten Woche in 24 Alten- und Pflegeheimen bei 137 Bewohnern (106 davon waren vollständig geimpft, 25 nicht geimpft, in sechs Fällen ist der Impfstatus derzeit nicht bekannt)

und 102 Mitarbeitern (46 nicht geimpft, 48 vollständig und zwei unvollständig geimpft, in sechs Fällen derzeit unbekannt) Corona-Infektionen festgestellt.

Sechs Heimbewohner (fünf vollständig geimpft!) mussten hospitalisiert werden.

Dr. Hierl: Die Zahlen unterstreichen eindrücklich, dass dringend Auffrischimpfungen bei vollständig geimpftem Personal und Bewohnern erforderlich sind, wenn die letzte Impfung vor mindestens einem halben Jahr stattfand. Sofern bislang keine Impfung erfolgte oder nicht vollständig geimpft wurde, sollten dringend Nachholimpfungen verabreicht werden.

Seit Schulbeginn wird eine zunehmend hohe Zahl an positiven Fällen sowie an Infektionsübertragungen in Schulen aber auch in Kitas gemeldet. Es sind in Schulen 172 und in Kitas 44 positive Fälle aufgetreten, davon 34 Ausbrüche mit 61 Folgefällen – seit dem letzten Wochenbericht

Dem Gesundheitsamt wurden zwölf Personen (am 11.11.2021: 15) gemeldet, die seit dem letzten Wochenbericht verstorben sind. Neun Personen waren über oder gleich 80 Jahre. Sechs der verstorbenen Personen waren in einem Heim betreut worden.

165 (am 11.11.2021: 136) Corona-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär in den Kliniken behandelt.

Hiervon befinden sich in Stadt und Landkreis heute 30 Corona-Patienten (am 11.11.2021: 25) mit schweren Verläufen auf einer Intensivstation.

 

Kliniken in der Region an ihrer Leistungsgrenze

Nach Aussage des Ärztlichen Leiters Krankenhauskoordinierung, Dr. Michael Städtler, steigen die Belegungszahlen mit COVID-19 sowohl auf Normal- als auch Intensivstationen weiter an und haben den Spitzenwert der zweiten Welle bereits überschritten. Ein gleiches Bild zeigt sich im gesamten oberbayerischen Raum, so dass Abverlegungen im Umkreis nahezu nicht möglich sind. Auch Abverlegungen in weiter entfernte Regionen sind kaum noch möglich. Die Kliniken in der Region sind bereits an ihrer Leistungsgrenze. Die Lage auf den Intensivstationen im RoMed-Klinikverbund ist nach Aussage der Geschäftsführung extrem belastend, die Kapazitäten der COVID-Intensivbetten sind ausgeschöpft, das Personal befindet sich an der absoluten Belastungsgrenze. Planbare Eingriffe müssen verschoben werden. Für den Winter ist zu erwarten, dass saisonbedingt die Infektionszahlen noch weiter ansteigen werden.

Die aufwändige Ermittlung und Nachverfolgung von Kontraktpersonen außerhalb des Haushalts der positiv getesteten Person kann von den Gesundheitsämtern, insbesondere in den Hotspotregionen, aufgrund der aktuellen Infektionslage nicht mehr bewältigt werden. Gemäß Weisung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege ist ein Strategiewechsel mit konsequenter Depriorisierung des Kontaktpersonenmanagements erforderlich. Es werden daher vom Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim ab sofort Kontaktpersonenermittlungen ausschließlich in Einrichtungen mit gefährdeten Personen, wie zum Beispiel Alten- und Pflegeeinrichtungen, Massenunterkünften und Kliniken, sowie in Kitas und Schulen durchgeführt.

Kontakte im privaten Bereich außerhalb des Hausstands der positiv getesteten Person werden nicht mehr ermittelt. Hierfür wird um Verständnis gebeten. Die ermittelten Fälle und ihre Haushaltskontakte erhalten ein Schreiben des Gesundheitsamtes mit Handlungsempfehlungen. Auch dieses Schreiben kann derzeit nur mit etwas zeitlicher Verzögerung versandt werden. Die Fälle werden gebeten, ihre engen Kontaktpersonen (Freundeskreis, Arbeitsstätte) über das erhöhte Ansteckungsrisiko zu informieren und sie zu bitten, ihre Kontakte weitestgehend zu reduzieren sowie sich testen zu lassen.

„Mit den bisherigen Regelungen der 14. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung lässt sich in Regionen mit extrem hohem Infektionsdruck, hoher Belegung auf den Intensivstationen und zu geringer Impfrate, wie in Stadt und Landkreis Rosenheim, das Infektionsgeschehen nicht deutlich abbremsen. Es wird höchste Zeit für effektive Regelungen für Hotspotregionen“, kommentiert Hierl.

„Eine Trendwende mit einem Brechen der Welle und damit einer Entwarnung für unsere Kliniken lässt sich für unsere Region nur durch einschneidende Maßnahmen erreichen:

1. Konsequente 2G plus-Regelungen, wo immer rechtlich möglich. Das heißt Zutritt haben nur vollständig Geimpfte und Genesene, die zusätzlich einen Test gemacht haben; nur wer eine Auffrischimpfung erhalten hat, sollte die Möglichkeit bekommen, auf den Test zu verzichten.

2. Veranstaltungen müssen konsequent untersagt werden.

3. Weitgehende Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum für Ungeimpfte.

4. Wie von der gestrigen Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen muss eine gesetzliche Pflicht erlassen werden, dass eine Versorgung und Pflege besonders vulnerabler Personen in Kliniken und Pflegeheimen ausschließlich Personen mit vollständigem Impfschutz vorbehalten bleibt. Auch hier müssen Tests in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

Impfungen

Insgesamt waren bis gestern in Stadt und Landkreis Rosenheim 226.237 Schutzimpfungen gegen COVID-19 erfolgt, überwiegend in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie dem gemeinsamen Impfzentrum auf der Loretowiese. 112.232 davon waren Erstimpfungen, 106.909 Abschlussimpfungen (Zweitimpfung oder einfache Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson) und 7.096 Auffrischungsimpfungen. Insgesamt 12.533 Impfungen wurden in stationären Einrichtungen in Stadt und Landkreis verabreicht. 5.607 Impfungen wurden an Sonderimpftagen durchgeführt. Es ist ein deutlicher Anstieg bei der Nachfrage nach Impfungen gegen das Coronavirus zu verzeichnen, erfreulicherweise auch bei den Erstimpfungen. Um längere Wartezeiten zu vermeiden, wird daher eine vorherige Terminvereinbarung empfohlen.

Seit dem 31. März bis einschließlich gestern haben niedergelassene Ärzte insgesamt 172.493 Erst-, Abschluss- und Auffrischungsimpfungen durchgeführt. Die Arztpraxen handeln unabhängig vom Impfzentrum Rosenheim.

Jeder impfwillige Bürger ab zwölf Jahren erhält direkt nach der Registrierung die Möglichkeit zur Vereinbarung eines Impftermins im Impfzentrum. Auf diesem Weg ist eine Impfung mit einem überschaubaren zeitlichen Aufwand möglich. Weiterhin dürfen sich alle Bürgerinnen und Bürger für die Impfung gegen COVID-19 unter www.impfzentren.bayern registrieren, ausnahmsweise auch telefonisch unter der Rufnummer 08031/ 365 8899. Auf diesen Wegen können Termine für Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen vereinbart werden. Impfungen im Impfzentrum können auch ohne vorherige Terminvereinbarung durchgeführt werden, in dem Fall ist jedoch mit Wartezeiten zu rechnen. Das Impfzentrum Rosenheim ist nun täglich von 8 bis 17 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr, geöffnet. Derzeit werden die Kapazitäten des Impfzentrums Rosenheim erweitert.

„Knapp 60 Prozent der Bevölkerung in Stadt und Landkreis sind vollständig geimpft. Die wöchentlichen Zuwächse bewegen sich nur im Zehntelprozentbereich. Das ist für einen nennenswerten Einfluss der Impfquote auf das Infektionsgeschehen viel zu gering. Gründe für die Zurückhaltung beim Impfen sind oftmals, dass die Risiken einer Impfung deutlich überschätzt und die Gefährlichkeit der Corona-Erkrankung unterschätzt werden. Auch die Möglichkeiten einer alternativen, naturheilkundlichen Therapie sowie die Stärke der Immunabwehr und Resilienz des Körpers bei gesunden, trainierten Menschen gegenüber einem potenziell tödlichen Virus werden oftmals falsch eingeschätzt“, heißt es aus dem Gesundheitsamt.

Besonders beunruhigend stellt sich die Entwicklung der positiven Fälle bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Heimen dar. „Es zeigt sich, dass der Impfschutz nach über einem halben Jahr seit der Grundimmunisierung oftmals nicht mehr ausreichend ist, um eine Erkrankung zu verhindern. „Insbesondere sorgen wir uns aber auch wegen der ansteigenden Zahl bei den Hospitalisierungen und den Todesfällen der Bewohnerinnen und Bewohner. Mittlerweile ist der überwiegende Teil der Fälle bei den Bewohnerinnen und Bewohnern vollständig geimpft. Das gilt auch für die Fälle, die hospitalisiert werden mussten. Ich appelliere dringend an alle Bewohnerinnen und Bewohner in Heimen aber auch an alle Personen ab 18 Jahren, das Angebot der Drittimpfung nach einem halben Jahr seit der Grundimmunisierung anzunehmen, um die Immunabwehr wieder zu steigern. Gleichzeitig appelliere ich auch nachdrücklich an alle Beschäftigten in der Pflege und Therapie, dem Service und dem Reinigungsdienst in Kliniken und Pflegeheimen sowie an die Angehörigen der Patienten und Pflegebedürftigen, die sich bislang noch nicht für eine Impfung entscheiden konnten, sich einen vollständigen Impfschutz geben zu lassen. Ungeimpfte setzen die in den Einrichtungen betreuten und behandelten Bewohnerinnen und Bewohner einer unnötigen Gefahr aus. Ich finde diese Haltung ethisch schwer vertretbar“, verdeutlicht Hierl.

Dringender Appell von Dr. Hierl

„Geben Sie sich einen Ruck und lassen Sie sich impfen. Diese Impfung ist gerade nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern wir alle haben ein Stück weit Verantwortung für die ganze Gesellschaft“, mahnt Hierl.

Die aktuellen Zahlen aus den Gemeinden: