40 Jahre Kleinkunstbühne und 25 Jahre Gasthof „Zur Post"

40 Jahre Kleinkunstbühne, 25 Jahre Gasthof „Zur Post“ in Obing – ein gebührender Anlass, um bei einer kleinen Rückschau auf das Wirken von John und Rita Gonzalves, der Obinger Wirtsleute, zu blicken. Gefeiert wird beim „Winterbiergartenfest“ am Sonntag, 21. November, von 10 bis 18 Uhr. 


 

Begonnen hat das „Wirteleben“ von John und Rita Gonzalves in der Roßschänke, einem ehemaligen Reiterstüberl, in der Hofmühle Nähe Seeon im Jahre 1981. Zur Pacht gehörten eine Wohnung, Stallungen  und Land, denn damals hatten sie noch Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und allerlei Klein- und Federvieh. Schnell wurde aus dem Reiterstüberl „der“ Geheimtipp: nicht nur Bluegrass-Fans kamen auf ihre Kosten; auch durch die offene Bühne kamen Gäste in den Genuss von außergewöhnlichen Gruppen oder Aufführungen.

Kulinarisch wurde Vollkorn-Pizza und selbstgemachter Gouda von Rita serviert. John war auch einer der ersten in der Gegend, der „Guinness“-Bier vom Fass anbieten konnte, darauf ist er noch heute stolz.

 

Neben dem Töpfermarkt an Pfingsten, den damals heimische Töpfer initiierten, und dem jährlichen Weinfest, machte man sich zur Umsetzung des Musicals „Hair“ – in Bairisch mit dem Namen „Verdammt lang Hair“. Bei der Premiere rechnete John mit 100 Besuchern, es wurden 500. Das Musical war so erfolgreich, dass es in Ampfing und München aufgeführt wurde, sogar über eine Tournee wurde nachgedacht, was aber an der nötigen Zeit scheiterte. Dann kam die Vertrags-Kündigung der Roßschänke – quasi aus heiterem Himmel – wegen „Eigenbedarfs“. Im Oktober 1987 war das Abschiedsfest.

Mit dem Wirtshaus in Emertsham, das danach zur Option stand, konnten sich die beiden lange nicht anfreunden. Doch war es realistisch betrachtet, eine gute Wahl. Es gab Stallungen und Grund für die Tiere, und es gab einen Saal für Konzerte. Im April 1988 wurde eröffnet, es wurden daraus acht Jahre. Schnell hatte es sich wieder herumgesprochen, dass da ein besonderer Treffpunkt entstanden ist. Eines Tages rief Melanie (Woodstock-Teilnehmerin) aus den Staaten an, um einen Termin für einen Auftritt klarzumachen. Sie wollte ein Fax schicken, aber John hatte kein Fax-Gerät. Das war’s mit der Melanie – John besorgte sich schnellstens ein Fax-Gerät. Das war nur ein Beispiel dafür, dass der Name „John und Rita“ sogar in Amerika ein Begriff geworden war.

 

Im Jahre 1996 kam die Familie nach Obing um den „Gasthof zur Post“ für fünf Jahre zu pachten. Am 15. Mai spielten drei Bands aus der Region zur Eröffnung. „Erst eine Stunde vorher wurde die Theke fertig“, erinnert sich John an diesen besonderen Tag. Das Wirtshaus lief wieder gut in Obing, da sie sich mittlerweile neben der Kleinkunst auch mit ihrer amerikanisch-bayerischen Küche einen Namen gemacht hatten. So fiel bald der Entschluss, den Gasthof kaufen zu wollen. Doch die beiden hatten kein Eigenkapital, deshalb rückten die heimischen Banken kein Geld heraus. „Das kam dafür von einer Bank in Hamburg, von der Schloßbrauerei Stein sowie der Brauerei Hopf, die an uns glaubten und uns großzügige Konditionen einräumten“, erinnern sich die beiden – immer noch dankbar für die damalige Hilfe.

 

Mittlerweile ist „der John“ in Obing fest etabliert. Nicht nur die Küche des Hauses hat ihre Fans, auch hochrangige Bands gaben und geben sich dort ein Stelldichein, und der Theaterverein probt dort im Saal und gibt Aufführungen. Darüber hinaus kann man dort auch in frisch renovierten Zimmern übernachten oder in einem der sechs Läden im Untergeschoß einkaufen oder sich beraten lassen.

Man wird als Obinger oft gefragt: „Stimmt das, dass der John aufhört?“. Diese Frage gibt der Schreiber dieser Zeilen an John weiter. Der lenkt zuerst ab. Auf die nochmalige Frage zuckt er mit den Schultern und sagt: „Mal schauen“. Rita sagt gar nichts. Also: Mal schauen!

 

Aber wer ihn selbst fragen mag, der hat am Sonntag, dem 21. November, dazu Gelegenheit. Denn da feiern John und Rita im Zuge eines „Winterbiergartenfestes“ von 10 bis 18 Uhr mit Würstel und Käse vom Grill ihre Jubiläen nach. Ein Teil des Erlöses geht an den „Sozialfond Obing-Emertsham-Seeon“.

Herbert Zeilinger 

 

Foto ganz oben: John und Rita mit Ritas Sohn Marcel. (Fotos: Privat)