IHK-Südostoberbayern: Materialknappheit, Fachkräftemangel und Energiepreise bereiten Unternehmen in der Region Sorge

Mit Auslaufen zahlreicher Corona-bedingter Einschränkungen ist die
Stimmung in der südostoberbayerischen Wirtschaft spürbar angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der traditionelle Herbst-Konjunkturbericht der IHK für München und Oberbayern. Der regionale IHK-Konjunkturindex für die Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Traunstein sowie Stadt und Landkreis Rosenheim stieg von 108 Punkte im Frühjahr dieses Jahres auf 125 Punkte und liegt damit aktuell deutlich über dem Vor-Corona-Niveau. Die IHK hatte die Befragung vor dem starken Anstieg der Infektionszahlen sowie vor den neuerlichen Verschärfungen der Corona-Vorgaben durchgeführt.


Die Geschäfte laufen im Herbst signifikant besser als noch im Frühjahr: 51 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut, sieben Prozent zeigen sich unzufrieden. Damit laufen die Geschäfte wieder ähnlich gut wie vor der Corona-Pandemie. Ein wesentlicher Grund dürften die zum Großteil deutlich zurückgefahrenen Corona-Beschränkungen für Betriebe, zuletzt für Bars und Clubs, sein. Zum Zeitpunkt der Frühjahrsbefragung war die Geschäftstätigkeit in Teilen der Wirtschaft stark eingeschränkt und nachhaltig vom monatelangen Lockdown geprägt.

Die Geschäfte könnten aktuell sogar noch besser laufen, würden starke Preissteigerungen von Waren sowie Materialien, Lieferengpässe und Fachkräftemangel das Angebot nicht beschränken. Aktuell melden in der Region 76 Prozent aller Unternehmen Geschäftshemmnisse aufgrund von stark gestiegenen Preisen, 65 Prozent berichten von Materialknappheit und 53 Prozent können offene Stellen längerfristig nicht besetzen. Von den Preissteigerungen, unter anderem für Strom und Energie, sowie den Lieferengpässen ist die industriestarke Region Südostoberbayern überdurchschnittlich stark betroffen.

 

Die hiesigen Unternehmen blicken nur vorsichtig optimistisch auf die kommenden Monate: Ähnlich viele Betriebe (22 Prozent) wie im Frühjahr (20 Prozent) rechnen derzeit mit einer Verbesserung ihrer Geschäfte, 15 Prozent jedoch mit einer Eintrübung. Im Frühjahr waren es ebenfalls 20 Prozent. Sorgen bereiten den Unternehmen auch in den kommenden Monaten vor allem der Fachkräftemangel. Ihn
sehen 63 Prozent als Geschäftsrisiko an. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise stufen 61 Prozent als Risiko ein.

Diese Vorsicht überträgt sich auf die Investitionsplanungen. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage deuten auf eine verhaltene Investitionsdynamik hin. Ihre Beschäftigungspläne haben die Unternehmen hingegen stärker angehoben: 20 Prozent möchten neue Stellen
schaffen, zehn Prozent Stellen abbauen.

Bensegger: Wirtschaft erwartet Verlässlichkeit und Planungssicherheit „Das Corona-Tal liegt hinter uns. Die Stimmung bei den Unternehmen hat sich deutlich verbessert und sie wollen nach vorne schauen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer wollen die Zukunft anpacken. Das zeigen auch die Ergebnisse unserer Konjunkturumfrage“, sagt Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim. „Die Wirtschaft erwartet gerade in dieser von Unsicherheiten geprägten Zeit von der Politik Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Dafür braucht es so zügig wie möglich eine stabile und handlungsfähige Bundesregierung, die verlässliche Rahmenbedingungen schafft“. Die Unternehmen verlangen zudem, dass die Bayerische Staatsregierung ihr Versprechen einhält, es
werde keinen erneuten Lockdown geben. „Das wäre angesichts der Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung eine Katastrophe“, warnt Bensegger.

Der Vorsitzende betont weiter, dass es vordringliche Aufgabe der Politik sein müsse, vor allem die hohen Steuern und Abgaben auf den Strompreis entschieden zu senken, die Verwaltung verbindlich zu digitalisieren sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich zu beschleunigen. „Das alles sind Hemmnisse, die die Wirtschaft seit langem anmahnt, und die uns eine wirtschaftliche Erholung nur mit angezogener Handbremse ermöglichen. Gerade im Kampf gegen den Klimawandel wollen die Unternehmen in der Region mit umweltfreundlichen Produkten und Innovationen eine entscheidende Rolle spielen. Das gelingt aber nur, wenn die politischen Rahmenbedingungen private Investitionen begünstigen und nicht durch Bürokratie und unzählige neue Vorgaben verprellen“, sagt Bensegger.

Die IHK hatte für ihren Konjunkturbericht zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Traunstein sowie Stadt und Landkreis Rosenheim befragt. Dreimal im Jahr wird der IHK-Konjunkturbericht veröffentlicht.