Symphonische Blasmusik für die Sinne in der Attler Klosterkirche

Beim Benefiz-Konzert der Kammermusikbesetzung des Symphonischen Blasorchesters der Bayerischen Polizei in der Attler Klosterkirche gab es einen musikalischen Benefit auch für das Publikum. Der Chefdirigent des Orchesters, Professor Johann Mösenbichler, hatte seinem Programm den Titel „Einfach zum Nachdenken“ gegeben. 


Zum Anfang des Konzerts gleich die Toccata in d-Moll von Johann S. Bach in einer symphonischen Darbietung. An Stelle brausender Orgelpfeifen sauber gespielte Bläsermusik, unterstützt von Celli und dem Kontrabass. Und auch Wolfgang A. Mozart musste sein. Das Konzert für Klarinette in A-Dur, ein Spätwerk aus seinem Schaffen. Selber bezeichnete er den zweiten Satz als „den Übergang vom Irdischen in das Überirdische“. Nur in  klassischer Besetzung von Horn, Holzbläsern und Streichern begleitet, musizierte die Solistin Maho Ohara. Wer die Augen schloss, sah den Löwen über der Sahara sitzen in „Jenseits von Afrika“.

„Dusk“ heißt die Komposition des Amerikaners Steven Bryant. Genau in dem Augenblick ertönte sie, als sich die Abenddämmerung durch die Attler Kirchenfenster schlich. Mit emotionaler Fülle geleitete Johann Mösenbichler sein Orchester durch eine Komposition, die wie ein Gemälde den kommenden Sonnenuntergang erahnen ließ. Eine Besonderheit bot auch der zweite Satz aus dem Konzert für Posaune und Orchester des dänischen Komponisten Launy Gröndahl aus dem Jahr 1924. Ein elegisch-skandinavisches Klangbild zog durch den Kirchenraum. Verzaubernd interpretiert vom Soloposaunisten des Orchesters Matthias Schmid.

Fast glaubte man Engel am Stuckhimmel der Kirche zu sehen, als mit dem Wiegenlied „The Seal Lullaby“ von Eric Whitacre zurückhaltend, mit feinem Glockenspiel und leisen Trompeten ein wogender Klangteppich vorbereitet wurde. Für die Träume der Nacht.

Zwei Sätze aus dem Hornkonzert Nr. 1 in c-Moll von Franz J. Strauss danach. Dieser Strauss war weder Politiker noch Wiener Walzerkönig. Besser bekannt ist auch eher sein Sohn Richard Strauss. Der Solist Rainer Seyfried meisterte die musikalische Erzählung mit höchster Präzision und klingender Tonqualität.

Eine der berührendsten Melodien der klassisch-barocken Musikgeschichte ist das „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann S. Bach. Streicherpizzicato, begleitende Bläsertöne und die Oboe als Soloinstrument verführten die beinahe andächtige Zuhörerschaft in eine Klangwolke, die sich leise im barocken Kirchenraum verfing.

Großer Beifall am Schluss für ein Blasorchester, das zu recht einen hervorragenden Ruf führt. Professionelles Können, gepaart mit Feingefühl und Brillanz in der Darbietung. Geleitet von einem Dirigenten, der mit seiner Stabführung und mit kleinen Gesten eine bravouröse Darbietung entstehen ließ. Mit launigen Worten dankte er dem Wasserburger Lions-Club für den Mut zur Durchführung des Konzertes. Noch dazu unter 3G-Bedingungen, die dem Club erst 24 Stunden vor dem Konzert konkret mitgeteilt wurden. Trotz  der beschränkten Besucherzahl in der Attler Klosterkirche wird für die beiden zu unterstützenden Organisationen, dem „Attler Hof“ der Stiftung Attl und der Rotter Tafel, ein schöner Betrag übrig bleiben.

Lions-Präsident Josef Zenz kündigte bereits an, auch im kommenden Jahr das Polizeiorchester wieder nach Wasserburg einladen zu wollen.

 

Andreas Burlefinger