Zum Feierabend heid diese Zeilen übern Leffe Lenz aus Griesstätt - Und mia ziagn unsan Huat ...

Und heid moi zum Feierabend a Gschicht, wia sie nur da Fuaßboi schreibt: Und zwar wia a Griesstätter Aushilfsspieler in da Kreisklass‘ ohne Erfahrung zwoa Elfer in oam Spitzen-Spui hält und als Stürmer dann aa no zwei Tore schiaßt agrad gegan Tabellenführer …


… oda einfach nur: De lebende Griesstätter Legende, da Leffe Lenz!

Sich beruflich in die Selbstständigkeit zu begeben, eine gewiss nicht ganz einfache Entscheidung – schließlich muss man viele Chancen und Risiken abwägen. Eine mit Sicherheit schwierige Frage ist dabei, kann man noch aktiv Fußball spielen oder ist die Verletzungsgefahr nicht doch zu hoch und reißt ein entsprechender Verdienstausfall nicht ein zu großes Loch in die Haushaltskasse?! Vom Zeitaufwand mal ganz zu schweigen …

So war das auch beim Leffe, wie der Stefan Lenz in Griesstätt von allen genannt wird.

Mit Abschluss seines Maurermeisters machte er sich gleich selbstständig und gründete letztes Jahr im Alter von nur 23 Jahren seine Ein-Mann-Bauunternehmung. Sein erster großer Auftrag, der Bau des Einfamilienhauses seines Bruders Georg – was er mit viel Schweiß und Herzblut zu dessen vollster Zufriedenheit fertigstellen konnte.

Auf der Strecke blieb dabei jedoch sein geliebter Fußball.

So verkündete er schweren Herzens vor der aktuellen Saison seinen Griesstättern Mitspielern, dass er seine Fußballschuhe an den Nagel hängen werde.

Zugleich betonte er aber auch, dass er als Torwart jederzeit mal aushelfen würde, falls dann doch mal Not am Mann sein sollte. Ach ja, und das, obwohl er in seiner bisherigen ‚Karriere‘ noch nie im Tor stand.

Dieses Angebot wurde gleich am zweiten Spieltag dankend angenommen. Da der Stammtorwart nicht zur Verfügung stand, stellte sich der Leffe im Spiel gegen die Bayernliga-Reserve aus Wasserburg tapfer ins Tor. Er hielt alles was zu halten war, dennoch musste er einen Ball passieren lassen und die Griesstätter verloren etwas unglücklich mit 0:1.

Gut einen Monat später stand die schwere Auswärtspartie der Griesstätter beim ambitionierten FC Maitenbeth aus dem Liga-Führungsbereich vor der Tür. Kurz vor Spielbeginn stellte sich heraus, dass Leffe’s Dienste erneut gefragt waren, denn der etatmäßige Torwart musste verletzungsbedingt passen.

Er war auch gleich gefordert, denn in der fünften Minute schon zeigte der Schiedsrichter nach einem Foul an einem Maitenbether Stürmer auf den Punkt.

Elfer also für Maitenbeth, Schuss ins rechte Eck – da Leffe kann parieren, rappelt sich auf und schnappt sich den Ball. Der Jubel war groß.

Gegen Ende der Partie beim Stand von 1:1 gab es nach einem Handspiel agrad erneut Elfmeter gegen Griesstätt.

Diesmal ein anderer Schütze, ein anderes Eck – jedoch mit dem selben Ergebnis wie bei Elfmeter Nummer 1: Leffe hält erneut, diesmal sogar sicher!

Er kommentierte augenzwinkernd die Situation lautstark zum Gegner: ‚Ihr braucht’s das gar nicht mehr probieren!“ und sorgte so für einen Lacher nebst Jubel. Letztlich endete das Spiel mit einem leistungsgerechten Remis – Man of the Match: Zweifellos da Griesstätter Keeper!

Zeitsprung nun zum vergangenen Wochenende, es stand das schwere Spiel beim Kreisklassen-Tabellenführer SV-DJK Kolbermoor an.

Das Trainer-Team hatte am Abend zuvor gerade mal zehn Spieler zur Verfügung.

Das Heimspiel gegen die Kopfball-Weltmacht aus Babensham unter der Woche hatte beim 1:0-Sieg viel Kraft gekostet und es trugen sich drei weitere Spieler in die Verletztenliste ein, somit war eine kreisklassen-taugliche Invaliden-Elf komplett.

Dennoch ging der Blick nach vorne und es wurden alle Kräfte mobilisiert. Jeder, der laufen konnte in Griesstätt, wurde gefragt, ob ein Aushelfen möglich wäre – leider mit mäßigem Erfolg.

Kurz vor Anpfiff ließ dann der Leffe seine Mannschaft natürlich nicht im Stich und stimmte zu, dass er heute also doch mal im Sturm aushelfen würde, denn der einzig verfügbare Ersatzspieler hatte seit sechs Jahren kein Spiel mehr gemacht.

Das Match ging flott los und schnell ging der Favorit Kolbermoor 1:0 in Führung. Es war jetzt für viele wohl nur eine Frage, wie hoch das Ergebnis heute ausfallen würde.

Dann kamen aber die Griesstätter mit einem schnellen Gegenstoß über außen vor das Tor, bei der tollen Hereingabe stand einer goldrichtig: Ja, genau – da Leffe.

Er traf den Ball mit dem schwächeren Linken mehr schlecht als recht – egal, das Leder trudelte ins lange Eck des Liga-Spitzenreiters.

Ungläubiger, aber riesiger Jubel im Griesstätter Lager.

Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause.

In der zweiten Halbzeit machten die Kolbermoorer ununterbrochen Druck gegen tapfer verteidigende Griesstätter, ohne die wirklich ganz großen Chancen zu haben. Es schien eine Frage der Zeit, wann der Treffer für die Hausherren fallen würde.

Dann aber die 87. Minute kurz vor dem Abpfiff: Nach einem Einwurf in der eigenen Hälfte wurde einer ideal mit einem Steilpass bedient – ja, genau, da Leffe.

Mit letzter Kraft erreichte er den Strafraum, nahm den Ball dabei perfekt mit und verwandelte souverän in Lewandowski-Manier – 2:1 für Griesstätt!

Die Arme zum Himmel: Da Leffe Lenz mit Treffer Nummer zwei und drei seiner Fussball-Laufbahn im Herrenbereich überhaupt!

Mit dem heiß ersehnten Schlusspfiff war der Jubel grenzenlos.

Lange waren die Griesstätter bemüht, das Geschehene einzuordnen – Leffe’s Kommentar war dann abermals augenzwinkernd,  ‚i werd halt überoi – hinten und vorne – gebraucht!“

An dieser Stelle von der ganzen Griesstätter Vorstandschaft amoi ein großes Dankeschön an den Leffe – für seinen aufopferungsvollen Verdienst für die Mannschaft! Im Namen des Fußballs, im Namen des Sports!

Ebenso dankt der Verein für seinen steten, ehrenamtlichen Einsatz, wenn es etwas zu tun gibt!

In der heutigen Zeit ois koa Selbstverständlichkeit!

Ps: Griesstätt ist jetzt aktuell Tabellenzweiter der Kreisklasse …