Prominente Gäste in Haag bei der Podiumsdiskussion „Heimat in Stadt und Land“


Im allgemeinen Sprachgebrauch bezieht sich der Begriff „Heimat“ auf den Ort, an dem ein Mensch geboren und aufgewachsen ist. Für den Einzelnen hat er allerdings eine individuelle Bedeutung. Er bezieht sich auf Orte, Menschen, Gemeinschaft und Erlebnisse. Was Heimat sein kann, darum ging es in der Podiumsdiskussion „Heimat in Stadt und Land“ in Haag im Rahmen der „Biennale Bavaria International“.


 

Vier prominente Gäste gingen unter Moderation von Fernsehjournalist und stellvertretenden Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks Andreas Bönte ins Gespräch, um den Begriff „Heimat“ individuell zu definieren. Mit auf dem Podium saßen Prof. Dr. Ursula Münch, die Direktorin der Akademie der Politischen Bildung Tutzing, Autorin Désirée Opela, Andreas Rödl, der Bürgermeister von Oberammergau und Maria Stöckl, inzwischen wohnhaft im benachbarten Kirchdorf, als Leiterin der KLJB Bayern Landesstelle. Mit dabei auch das Kamerateam von ARD Alpha, wo die Diskussion im Rahmen der Themenwoche „Stadt.Land.Wandel“ im November ausgestrahlt werden soll.

Im Gespräch hinterfragten die Teilnehmer Heimat auf unterschiedlichen Ebenen. Gerade junge Leute bildeten den Fokus der Diskussion. Viele tragen wieder Tracht, bemerkte Moderator Bönte. Das traditionelle Gewand gewinne seit einigen Jahrzehnten wieder an Bedeutung. „Zur eigenen Identitätsbildung gehören Lederhosen dazu“, kommentierte Stöckl. Denn auch das sei Heimat: Zugehörigkeit zu Gesellschaften und Vereinen. Das Gefühl von „da gehöre ich hin“.

Auch wenn viele junge Leute gern in ländlichen Gegenden leben, kämpfe Oberammergau laut Bürgermeister Rödl um seine jungen Mitbürger. Garmisch-Partenkirchen sei ein sehr alter Landkreis, Oberammergau verliere seine Jugend an das Studium. Fachhochschulen können Gegenmaßnahmen sein, so Prof. Dr. Ursula Münch, auch Digitalisierung sei ein wichtiger Punkt, denn „jeder Kuhstall braucht inzwischen 5G“.

Stöckl aber betonte: „Nur weil es mit dem Internet noch hapert, ist der ländliche Raum kein schlechter Lebensstandort.“ Viel wichtiger für das Heimatgefühl seien soziale Strukturen, ein Gemeinschaftsgefühl. Und gerade das Land punkte mit Vereinen. Auch gebe es hier die Möglichkeiten, den Ort mitzugestalten. „Junge Leute wollen sich politisch engagieren“, weiß auch der Oberammergauer Bürgermeister und deshalb startete in seinem Ort ein Pilotprojekt für einen „Jugendgemeinderat“.

Genauso habe Kultur einen hohen Stellenwert, um ein Heimatgefühl zu vermitteln. „Leute gehen gern dorthin, wo Kultur stattfindet.“ Dass dieses Thema nicht unwichtig ist, brachten auch die Haager vor einiger Zeit zum Ausdruck. Da wurde das Ortsschild in der Freinacht schnell zu „Faad in Oberbayern“, wie sich Bürgermeisterin Sissi Schätz erinnerte. „Wenn in Haag Kultur angeboten wird, geht keiner hin“, kritisierte eine Haager Bürgerin aus dem Publikum. Gut zu sehen auch während der Filmvorführungen im Rahmen der Biennale Bavaria International: „Die Leute bleiben lieber vor dem Fernseher.“

Peter Syr, Ideengeber des Heimatsfestivals, hielt aber in einem anschließenden Gespräch dagegen. Das Experiment sei aus seiner Sicht geglückt, „insgesamt wurden unsere Erwartungen erfüllt – die Besucherzahlen nicht immer“. Dass in Haag deutlich weniger in den Filmvorführungen saßen als in Wasserburg oder Mühldorf begründet er damit, dass es hier üblicherweise kein Kino gebe. Man brauche „Affinität zur Kultur“ und die ließe sich mit solchen Veranstaltungen schaffen. Er ist überzeugt: Haag hat das Potenzial, dass die Kinobegeisterung wächst, wenn Filmvorführungen im Zehentstadel möglich sind.

Die Podiumsdiskussion „Heimat in Stadt und Land“, in denen auch noch Themen wie die Mietsituation in der Stadt, der politische Heimatbegriff oder der Stempel als „Dazuagroaster“ angesprochen werden, wird im Rahmen der ARD-Themenwoche am Donnerstag, 11. November, 22.30 Uhr, auf ARD-alpha ausgestrahlt.

Foto (von links): Andreas Rödl, Bürgermeisterin Sissi Schätz, Peter Syr, Prof. Dr. Ursula Münch, Désirée Opela, Andreas Bönte und Maria Stöckl.