Der Spielbericht zum Wasserburger Remis – Impfaktion großer Erfolg


Am Sportplatz an der Landwehrstraße 10 ging es schon lange vor der Bayernligapartie zwischen dem TSV 1880 Wasserburg und dem FC Ismaning zu wie bei einem Relegationsspiel. Vor dem Stadion hatte sich eine Warteschlange bis zur Mittellinie gebildet. Über Stunden standen die Menschen so. Der Grund für den großen Andrang war die von den Fußballern des TSV 1880 Wasserburg und Stadträtin Heike Maas organisierte Sonderimpfaktion, die sich nach Angaben des Landratsamts als bislang erfolgreichste Sonderimpfaktion im Landkreis erwies.


In sportlicher Hinsicht feierten die Löwen mit dem 1:1 (wie kurz berichtet) gegen den FCI immerhin einen Teilerfolg. Nach Wochen ohne Erfolge, spielten die Innstädter mit großem Engagement und setzten sich – um im Bilde zu bleiben – die Punktespritze selbst.

Im Gegensatz zu einer Impfung mit Johnson & Johnson ist es im Abstiegskampf mit einer Spritze nicht getan, da müssen in den kommenden Wochen und Monaten weitere folgen. Ein Anfang ist allerdings gemacht. Dabei mussten die Löwen einmal mehr einem Rückstand hinterherlaufen. In der 10. Minute landete das Leder nach einer Pingpong-Aktion gut 20 Meter vor dem Tor bei Bastian Lommer, der mit der Pieke (vulgo: Bauernspitz) zum Dropkick ansetzte und dabei ein unfassbares Tor erzielte. Ein derartiger Schuss wird dem 19-Jährigen, der noch am Beginn seiner Karriere steht, so wohl nicht mehr oft gelingen. In der Folge brauchte die Mannschaft von Trainer Niki Wiedmann, um sich von dem erneuten Rückschlag zu erholen, kämpfte sich aber zunehmend besser in die Begegnung. Nach gut einer halben Stunde nahm die Ismaninger Feldüberlegenheit ab und Wasserburg hatte eine Vielzahl an Ecken, die allesamt ungenutzt blieben. Als in der 37. Minute Ismaning-Keeper Cedomir Radic bei einer Faustabwehr am Sechzehnereck Michael Barthuber derart brutal umräumte, dass dieser nicht nur ausgewechselt, sondern auch eine Nacht im Krankenhaus verbringen musste, des Schiedsrichters Pfeife aber stumm blieb, schien sich das Muster der vorangegangenen Niederlage zu wiederholen.

Nach dem Seitenwechsel jedoch schnürten die Löwen die Gäste komplett in ihrer Hälfte ein und hatten weiterhin eine Vielzahl an Ecken und Freistößen. Erste Chancen durch Albert Schaberl (59.), Leon Simeth (64.) sowie Daniel Kobl (68.) blieben ungenutzt. Der FC Ismaning wartete in dieser Phase nur noch auf den einen Sieg bringenden Konter, der auch in der 69. Minute hätte kommen können, als Angelo Hauk den eingewechselten Andreas Hollerieth auf die Reise schickte. Der Joker brachte trotz seiner Frische nur ein Schüsschen zustande, das am langen Pfosten vorbeihoppelte. So blieb das Spiel offen und die Löwen belohnten sich in der 85. Minute durch Daniel Vorderwestner, der einen über mehrere Stationen vorgetragenen Angriff cool vor Radic mit einem gefühlvollen Lupfer abschloss und das Stadion zum Beben brachte. Die ganze Altstadt wirkte revitalisiert und Vorderwestner hätte eine Zeigerumdrehung später beinahe noch den Siegtreffer erzielt, Radic lenkte den Fernschuss aber um den Pfosten.

Nach der Punkteteilung standen Spieler und Verantwortliche beider Mannschaften lange zusammen, analysierten das Spiel und bezeugten einander Respekt. An einem Tag, der aufgrund der erfolgreichen Impfaktion von besonderer gesellschaftlicher Relevanz war, ist dieser respektvolle Umgang mit Gegnern, mit Menschen, die andere Ziele verfolgen, ein Beispiel dafür, wie es in unruhigen Zeiten sein sollte. Nicht nur auf dem Fußballplatz.

Wasserburg: Zmugg, Neumeier, Heiß (ab 12. Knauer), Kokocinski, Lindner (ab 84. Höhensteiger), Maxi Hain, Denz, Schaberl (ab 78. Kononenko), Simeth (ab 75. Wagner), Barthuber (ab 40. Vorderwestner), Kobl

Tore: Bastian Lommer (10.), 1:1 Daniel Vorderwestner (85.)

Zuschauer: 300

JAH / Foto: SP