Inzidenz verharrt auf hohem Niveau - Wochenbericht des Gesundheitsamtes Rosenheim


Der exponentielle Anstieg des Infektionsgeschehens seit Anfang August in der Region Rosenheim verharrt seit dem letzten Wochenbericht auf hohem Niveau. Das zeigt der aktuelle Wochenbericht des Gesundheitsamtes. In der Stadt Rosenheim bewegt sich die 7-Tage-Inzidenz konstant im Bereich von 200 Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Damit liegt die kreisfreie Stadt Rosenheim laut RKI heute an Platz 3 der Rangliste in Bayern und auf Rang 5 in Deutschland. Auch im Landkreis ist der fulminante Anstieg der Infektionszahlen in der zurückliegenden Woche abgebremst worden. Die 7-Tage-Inzidenz bewegt sich um 160. Der Landkreis liegt damit heute an vierter Stelle der Rangliste in Bayern.


„Mitten in der vierten Welle“

Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, bewertet die epidemiologische Lage in Stadt und Landkreis folgendermaßen: „Wir befinden uns in der Region mitten in einer vierten Welle mit einem seit Anfang August exponentiellen Anstieg der Fallzahlen. Dieser Anstieg scheint seit letzter Woche abgebremst zu sein. Die 7-Tage-Inzidenz ist weiterhin ein wichtiger Frühindikator für das Infektionsgeschehen in der Region, so wie eine Fieberkurve. Sie ist in der Stadt Rosenheim zu Wochenbeginn auf über 240 geklettert und seitdem im Bereich von 200 verharrt. Im Landkreis steigt sie in den letzten Wochen kontinuierlich an und liegt aktuell bei etwa 160. Diese vierte Welle ist vornehmlich eine Welle der bislang Ungeschützten, also der Personen, die nicht geimpft sind oder die Infektion nicht bereits durchgemacht haben.“

„Lage in den Kliniken zugespitzt“

Hierl weiter: „Die Lage in den Kliniken in Stadt und Landkreis hat sich mittlerweile im Intensivbereich zugespitzt. In den RoMed Kliniken sind die COVID-Intensivbetten nahezu belegt, die Situation dort wird als angespannt bezeichnet. Nahezu ausschließlich sind die COVID-Intensivbetten mit ungeimpften Patienten belegt. Auch wenn aktuell noch ganz überwiegend die Erwachsenen im Altersbereich von 18 bis 59 Jahren von den Übertragungen betroffen sind, so dürfen wir uns nicht täuschen lassen, auch diese Altersgruppen können schwer und sogar lebensbedrohlich erkranken, so dass sie intensiv- und beatmungspflichtig werden. Das wird die Belastung der Kliniken in der Region vor allem im Intensivbereich, noch bevor die landesweite Krankenhaus-Ampel anschlägt, weiter ansteigen lassen.“

 

Der Leiter des Gesundheitsamtes: „Grund für den fulminanten Anstieg des Infektionsgeschehens im August waren zahlreiche Reiserückkehrer, die sich im Ausland angesteckt und das Virus im Reisegepäck nach Hause mitgebracht haben. Auffällig war, dass es sich – vor allem in der Stadt – bei den Reisezielen vor allem weiterhin um Länder Südosteuropas, zum Beispiel Kroatien, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien, handelte. Hier fanden zum Teil Familienbesuche statt. Auffallend ist zudem, dass aufgrund der hohen Übertragbarkeit der Delta-Variante ein Indexfall in der Regel viele weitere Familienmitglieder ansteckt. Zwischenzeitlich besteht ein diffuses Ausbruchsgeschehen in der Bevölkerung.“

Infektionen in Pflegeheimen

Aufgrund des hohen Infektionsdrucks in der Bevölkerung haben sich in den letzten zwei Wochen mehrere Ausbruchsgeschehen in Pflegeheimen in der Stadt und im Landkreis ereignet. In einem Fall handelt es sich um einen großen Ausbruch in der Stadt mit bislang 22 erkrankten Bewohnern, von denen fast zwei Drittel nicht geimpft waren, 8 der Bewohner mussten stationär behandelt werden, davon ist ein Bewohner gestern leider aufgrund der schweren Grunderkrankung verstorben. Insgesamt wurden 9 Mitarbeiter (2 geimpft und 7 ungeimpft) positiv getestet.

 

Hierl: „Die Dynamik des Ausbruchs und die hohe Zahl der infizierten Bewohner haben uns überrascht. In den letzten Monaten wurden regelmäßig von Woche zu Woche vereinzelt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Heimen positiv getestet. Erstmals aber ist es zu einem großflächigen Übertragungsgeschehen auf Bewohner gekommen. Diese Entwicklung bereitet dem Gesundheitsamt Sorgen. Wir haben daraus gelernt: Erstens: Aufgrund des hohen Infektionsdrucks, der schnellen Übertragbarkeit der Delta-Variante und der teilweise hohen Zahl an nicht geimpftem Personal und, wie in diesem Fall, auch der Bewohner, breiten sich Infektionen in Einrichtungen mit großer Geschwindigkeit aus. Zweitens: Es befanden sich auch vollständig geimpfte Bewohner unter den Erkrankten. Das zeigt uns, dass – zumindest zum Teil – nach einem halben Jahr die Immunität gegen das Coronavirus bei Betagten und Pflegebedürftigen nicht mehr ausreichend gegen eine Ansteckung schützt. Drittens: Auch regelmäßige Antigen-Schnelltests bieten keine absolute Sicherheit gegen einen Ausbruch. Bekanntlich ist die Sensitivität der Antigen-Schnelltests deutlich geringer als bei PCR-Tests. Gerade in der für den Infektionsschutz besonders relevanten frühen Phase der Infektion sind die Tests oftmals falsch negativ. Wenn sie dann positiv anschlagen, kann es bereits zu Übertragungen gekommen sein. Das Impfzentrum Rosenheim hat nach Beratungen mit dem Gesundheitsamt bereits allen Heimen Drittimpfungen sowie Nachholimpfungen für bislang Ungeimpfte mittels mobiler Teams angeboten.“

Hierl weiter: „Ich empfehle dringend allen Bewohnerinnen und Bewohnern in Heimen, das Angebot der Drittimpfung anzunehmen. Gleichzeitig appelliere ich auch nachdrücklich an alle Beschäftigten in der Pflege, dem Service und dem Reinigungsdienst sowie an die Angehörigen der Pflegebedürftigen, die sich bislang noch nicht für eine Impfung entscheiden konnten, sich einen vollständigen Impfschutz geben zu lassen, zu Ihrem eigenen Schutz und zum Schutz Ihrer Familien sowie der von Ihnen gepflegten und versorgten Bewohnerinnen und Bewohner.“

Aktuelle Fallzahlen

Dem Gesundheitsamt Rosenheim wurden täglich zwischen 27 und 116 neue Fälle (insgesamt 537 Neumeldungen, Vorwoche: 557) gemeldet.

Weit überwiegend sind Ungeimpfte bei den neuen Fällen betroffen, weiterhin liegen knapp Dreiviertel der positiv Getesteten im Altersbereich zwischen 18 und 59 Jahren.

Nachdem zu Ferienbeginn die Hauptursachen der Ansteckungen Reiserückkehrer waren, herrscht mittlerweile ein diffuses Ausbreitungsgeschehen vor.

 

Zunehmend kommt es zu Übertragungen von Infektionen auf Mitarbeiter und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen. Aktuell gibt es Ausbruchsgeschehen in 6 Heimen mit insgesamt 29 erkrankten Bewohnern und 25 positiv getesteten Mitarbeitern. Zunehmend werden auch Fälle aus Kitas und Schulen gemeldet.

 

Die Bettenbelegung in den Kliniken in Stadt und Landkreis lag in den letzten Tagen täglich zwischen 20 bis 27 Patienten auf Normalstation und 15 bis 20 auf Intensivstationen. Insgesamt ist die Bettenbelegung seit Ende August auf den Intensivstationen gestiegen. Die Zahl der täglichen Meldungen von stationären Neuaufnahmen bewegt sich auf Normalstation zwischen 0 und 5 (insgesamt 10) und zwischen 0 und 3 auf Intensivstationen (insgesamt 7). Die Lage auf den Intensivstationen im RoMed-Klinikverbund ist angespannt, die COVID-Intensivbetten sind nahezu voll belegt. Es werden dort fast ausschließlich ungeimpfte Patienten intensivmedizinisch versorgt.

 

Die Kontaktpersonennachverfolgung kann durch das Gesundheitsamt sowohl im Bereich der Indexfälle als auch bei den Kontaktpersonen tagesaktuell nicht mehr sichergestellt werden. Zur Verbesserung der Kapazitäten werden Einstellungsverfahren mit Hochdruck betrieben, der zeitliche Umfang des Einsatzes bei den sogenannten Springern wieder aufgestockt und Reservisten aktiviert. Um den entstandenen Rückstand wieder aufarbeiten und die Fälle wieder tagesaktuell abarbeiten zu können, unterstützt die Bundeswehr das Gesundheitsamt seit 13. August.

Die aktuellen Fallzahlen in den Gemeinden