Rundum gelungene Abschlussfeier der Mittelschule Ostermünchen


Bei der Abschlussfeier der Praxisklasse und der 9. Regelklasse strahlten sie alle: Mit bestandenen „Qualis“ und erfolgreichen Mittelschulabschlüssen starten die Absolventen und Absolventinnen der Mittelschule Ostermünchen in verschiedenste Ausbildungsberufe oder in eine schulische Weiterbildung. Stellevertretend für alle Klassenkameraden der Praxisklasse zeigen Angelina Iberl und Joseph Roth (vorne im Bild), dass man mit dem erfolgreichen Mittelschulabschluss und persönlichen Stärken beste Chancen hat auf dem Arbeitsmarkt: Angelina Iberl beginnt eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und Joseph Roth eine Ausbildung zum Spengler.


 

Foto (von rechts): Klassenleiter der P-Klasse Grill, Rektorin Margaret Careddu-Bayr, Konrektorin Birgit Decker und die Sozialpädagoginnen der Jugendarbeit an Schulen Verena Siedow und Katharina Hanewacker sind stolz auf ihre Schüler.

Schulischer Erfolg durch Inklusion und Praxisklasse

 

Als eine von nur zwei Inklusionsschulen im gesamten Landkreis gibt die Mittelschule Ostermünchen Schülern mit Einschränkungen die Möglichkeit zur Teilnahme am Regelunterricht. Und in der Praxisklasse erfahren Schüler, die sich nicht „leicht Tun“, dass Schule Spaß machen kann und sie erfolgreich sein können.

 

Was bedeutet Schule mit Inklusionsprofil?

Inklusion bedeutet die selbstverständliche und gleichberechtigte Aufnahme von allen Schülern an der Mittelschule, mit und ohne Behinderung, beziehungsweise sonderpädagogischem Förderbedarf. Mit der Zertifizierung als „Schule mit dem Profil Inklusion“ eröffneten sich für die Mittelschule Ostermünchen neue Möglichkeiten, denn mit der Urkunde werden 23 Mehrstunden für Inklusion bewilligt. Sonderpädagogin Julia Holzer vom Sonderpädagogischen Förderzentrum in Bad Aibling ist mit 13 Stunden pro Woche in Ostermünchen tätig und das Lehrerkollegium hat für diese Aufgabe zehn Stunden mehr Einsatzmöglichkeiten.

377 Schulen mit Inklusionsprofil gibt es im Freistaat. Nur zwei Mittelschulen im Landkreis, Wasserburg und Ostermünchen, haben sich diesen Titel erarbeitet.

Deshalb gehören in Ostermünchen Weiterbildungen des Kollegiums im sonderpädagogischen Bereich, methodische Diversität mit offenem Unterricht, Stationsarbeiten, Wochen-Lernplänen oder individualisierten Unterrichtsmaterialien zum Schulalltag.

Eine wichtige Unterstützung sind neben den Eltern als wichtigstes Bindeglied unter anderem die Katholische Frauengemeinschaft Ostermünchen, das Sonderpädagogischen Förderzentrum Bad Aibling, verschiedene Kindereinrichtungen, Schulen und die Gemeinde Tuntenhausen als beständige Kooperationspartner.

 

Voraussetzung geschaffen für Gleichberechtigung

Auch für hörbehinderte Schüler und Lehrer wurde es durch das Anbringen von Akustikdecken möglich gemacht, in Ostermünchen zu lernen und zu lehren.

Die wichtigste Grundeinstellung der Inklusion – die Gleichberechtigung aller Menschen – ist im Schulalltag fest verankert, sei es im Leseclub, in der Schülerfirma, im Sanitätsdienst oder bei den Schülerlotsen.

Schulbegleiter – also persönliche Assistenten von Schülern mit Förderbedarf – gehören in Ostermünchen längst zur Normalität. „Brauchen Kinder Therapien, werden diese in den Schulalltag inkludiert“, informiert die Schulleiterin. Eltern, Pädagogen und Sozialarbeiter ziehen an einem Strang, wenn es um die Förderung der Kinder geht. Und was die Akzeptanz von Inklusion unter den Kindern und Jugendlichen angeht, ist Careddu-Bayr glücklich über die soziale Kompetenz ihrer Schüler: „Wir sind immer wieder erstaunt, wie selbstverständlich sie damit umgehen. Bei uns ist Anderssein normal, denn jeder ist anders und alle profitieren voneinander. Und so sehen und leben wir Inklusion als Chance.“

 

Zur Ostermünchener Schulfamilie mit 277 Kindern und Jugendlichen gehören momentan 20 Schüler – 10 davon an der Mittelschule – mit erhöhtem Förderbedarf aufgrund von Lernbehinderungen oder sozial-emotionalen Beeinträchtigungen.

 

Praxisklasse mit abgespeckter Theorie

Nicht jeder ist ein schulischer Überflieger, wohl aber vielleicht ein ausgesprochen begabter Praktiker? Nur konnte dies in der Regelklasse noch gar nicht zum Einsatz kommen und gesehen werden. Diese Schüler haben die große Chance, in der Praxisklasse eine für sie oftmals ganz neue Erfahrung zu erleben:

„Ich kann jetzt glatt mal was gut! Ich habe rausgefunden, dass ich auch Talente habe. Und die Schule macht plötzlich Spaß. Ich traue mich jetzt viel mehr“, so eine der Praxisklassenschülerin.

Rektorin Margaret Careddu-Bayr freut das sehr: „Viele erleben Schule in der Praxisklasse zum ersten Mal positiv und gewinnen mehr Selbstvertrauen und haben viel mehr Freude am Schulalltag“. Auf ihr engagiertes Team ist sie besonders stolz und wünscht sich, dass es mit der P-Klasse positiv weitergeht, damit viele Schüler mit diesem Angebot den für sich richtigen Platz in ihrer schulischen Laufbahn finden können.

 

Was ist „drin“ in der Praxisklasse?

In der Praxisklasse erhalten die Schüler eine gute Basis für eine berufliche Ausbildung. Deutsch und Mathe werden besonders gefördert, Englisch entfällt dafür. Lücken können geschlossen werden und durch die intensive Betreuung in einer kleinen Klasse mit einer Sozialpädagogin zusätzlich zur Lehrkraft wird viel Unterstützung angeboten, eine berufliche Perspektive zu entwickeln. Die Schüler erhalten Hilfe in allen Bereichen, bei Bewerbungen, bei Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche, Fahrtwegeplanung, aber auch bei anderen Sorgen und Nöten, die für Jugendliche vordergründig zu lösen sind.

Die P-Klasse ist theoriereduziert, bietet dafür die Möglichkeit, in sieben Praktika im Schuljahr in verschiedenen Berufen und Firmen Eindrücke zu sammeln und sich zu beweisen. Über diese Kontakte sind schon einige Ausbildungsplätze zustande gekommen.

 

Erfolge und gute Aussichten

Auch die Agentur für Arbeit mit Berufsberater Dominik Leitner unterstützt die Praxisklassenschüler. Mit dem Erfolg der Schüler sind alle Beteiligten ausgesprochen zufrieden: Bisher startete jeder Absolvent und jede Absolventin der P-Klasse in eine Ausbildung oder entschied sich für eine schulische Weiterbildungsmöglichkeit.

Teilweise werden Ausbildungen auch von der Agentur für Arbeit gefördert, was für den jeweiligen Betrieb eine finanzielle Entlastung darstellt. Der Abschluss der Praxisklasse ist ein theorieentlasteter Mittelschulabschluss mit den gleichen Berechtigungen wie der reguläre Mittelschulabschluss.

Weitere Infos und Quellen: www.fritz-schaeffer-schule.de

 

 

Text/Foto Schü