Die Klinik für Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum feiert im Juli ihr 50-jähriges Bestehen.


Die Neurologische Klinik des ehemaligen Bezirkskrankenhauses Gabersee öffnete am 5. Juli 1971 zum ersten Mal ihre Türen in Wasserburg. Nach 50 Jahren stehen nun erneut große bauliche Veränderungen an, durch die sich das Klinikum für die Zukunft der medizinischen Versorgung bestens gerüstet sieht.


 

Die Klinik war zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung die einzige neurologische Klinik zwischen München und Salzburg und versorgte damit die neurologischen Patienten der gesamten Region Südostoberbayern. Ursprüngliche Planungen zielten auf etwa 1.000 Patienten jährlich ab – diese Zahl stieg im Lauf der Jahre aber immer weiter an, so dass 2019 nun rund doppelt so viele Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie ursprünglich angenommen in der Klinik behandelt wurden. Zur Geräteausstattung zählten im Jahr 1971 bereits die Elektroenzephalographie und Elektromyographie, neuroradiologische Arbeitsplätze für Angiographien, Pneumencephalographien und Myelographien sowie anästhesiologische Geräte.

Bei der Eröffnung verfügte die Klinik über große physikalische Therapiemöglichkeiten mit Elektrotherapie, Fango, Einzelbädern, Bewegungsbad und einer Turnhalle.

Ab 1974 wurden auch nuklearmedizinische Untersuchungen (Hirnszintigraphie, Knochenszintigraphie, Herzszintigraphie) durchgeführt. Bereits im Jahre 1976 wurde in Wasserburg entsprechend den damals bahnbrechenden technischen Neuerungen ein Computertomograph in Betrieb genommen. Dieser war damals das erste Gerät in der weiteren Umgebung, so dass Patienten aus der weiteren Region notfallmäßig zum Teil auch mit dem Hubschrauber eigens für ein Computertomogramm nach Gabersee transportiert wurden.

Ein weiterer großer Entwicklungsschritt folgte 2007 mit der Eröffnung von Intermediate-Care-Station und Stroke Unit, bevor 10 Jahre später die Neurologische Klinik Mitglied im Schlaganfallnetzwerk TEMPiS wurde (Telemedizinisches Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in Süd-Ost-Bayern). Im Zuge einer Ausweitung des medizinischen Spektrums wurde 2019 eine multimodale Schmerztherapie etabliert, bevor 2020 die hochspezialisierte Schluckdiagnostik FEES (fiberoptische endoskopische Evaluation des Schluckens) zur Diagnostik und gezielten Behandlung von Schluckstörungen das medizinische Angebot vervollständigte.

Dank laufender Investitionen in zeitgemäße diagnostische und therapeutische Verfahren ist die Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum heute eine moderne neurologische Klinik zur Behandlung aller Erkrankungen des neurologischen Spektrums.

Nach dem ersten Chefarzt Dr. med Joachim Habel (1971-1992) führten über die nachfolgenden Jahrzehnte Dr. med. Eckart Bock (1992-2004), Prof. Dr. med. Johannes Bufler (2005-2013) und Prof. Dr. med. Thorleif Etgen (2014-2018) die Klinik. Seit 2019 ist Dr. med. Tobias Winkler Chefarzt der Klinik für Neurologie.

 

Die Neurologie in Wasserburg am Inn damals und heute

Ein Blick auf die Belegungshistorie zeigt, wie sich die Medizin in den letzten 50 Jahren verändert hat: Wurden 1972 noch 450 Patienten mit einer mittleren Verweildauer von 31 Tagen behandelt, waren es 10 Jahre später bereits 1000 Patienten, die jedoch nur noch ca. 15 Tage lang in der Klinik blieben. 2019 konnten 2000 Patienten behandelt werden, die Verweildauer hat sich inzwischen auf durchschnittlich fünf Tage verkürzt. Heute können also durch die rasante Entwicklung in der Neurologie sehr viel mehr neurologische Patienten in deutlich kürzerer Zeit mit stetig weiterentwickelter Spitzenmedizin behandelt werden.

Mit ihrem heutigen Profil positioniert sich die Neurologie als eine moderne Klinik, die in engster Kooperation mit den psychiatrischen Fachbereichen des kbo-Inn-Salzach-Klinikums zusammenarbeitet. Es erfolgt die Behandlung von Erkrankungen des gesamten Spektrums der Neurologie mit Unterstützung aller modernen diagnostischen Verfahren, einschließlich der Liquordiagnostik im hauseigenen Labor.

Daneben werden Spezialsprechstunden für Schlaganfall, Multiple-Sklerose und Bewegungsstörungen angeboten. Die Multimodale Schmerztherapie erfolgt in Kooperation mit dem Fachbereich Allgemeinpsychiatrie und Psychosomatik. In einem interdisziplinären Therapiekonzept (sog. bio-psycho-soziales Schmerzmodell) werden durch viele verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren Schmerzen unterschiedlichster Ursachen behandelt.

Der Historie der Klinik folgend gibt es auch weiterhin eine große Abteilung für physikalische Therapieverfahren mit Fango, Massage, Krankengymnastik, Sport-, Ergo- und Bewegungstherapie.

Die Klinik für Neurologie ist Akademisches Lehrkrankenhaus der LMU München und hat die volle Weiterbildungsbefugnis zur Facharztausbildung für Neurologie.

Daneben bestehen enge und lebendige Kooperationen mit umliegenden Kliniken der Chiemgau-Region, die sich auch in den Mitgliedschaften im TEMPiS-Netzwerk und im Schlaganfallnetzwerk Rosenheim widerspiegeln.

 

 

Ausblick in die Zukunft

Im Jahr 2022 wird in der Neurologie am kbo-Inn-Salzach-Klinikum ein neues Kapitel aufgeschlagen und wieder ein Stück Geschichte schreiben. Mit Eröffnung des gemeinsamen Neubaus von kbo-Inn-Salzach-Klinikum und RoMed Klinik Wasserburg am Inn erfolgt der Umzug der gesamten Neurologie in neue Räumlichkeiten. Dem alten Gebäude steht dann der Abriss bevor. Künftig werden sich dann nicht nur räumlich, sondern auch fachlich gewinnbringende Kooperationen und neue Impulse mit der RoMed Klinik Wasserburg, unter anderem in den Bereichen Notaufnahme, Diagnostik und Schmerztherapie ergeben. Die medizinische Versorgung der Region ist damit auch für die Zukunft bestens aufgestellt. Mit etwas Wehmut werden die Beschäftigten der Neurologie dennoch auch immer wieder auf ihre „alte“, liebgewonnene Neurologie zurückblicken, in dem sie gemeinsam viel erlebt und geleistet haben.