Die Veranstaltungsbranche und Corona: Wie sich „Showpartner" aus Edling von der Pandemie befreit hat


Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass die Wasserburger Stimme über Michi Kuhn und seine Firma „Show-Partner“ in Edling berichtet hat. Vor zwölf Monaten gingen die Lichter pandemiebedingt in der Veranstaltungsbranche komplett aus.


Monate mit null Aufträgen lagen auch hinter den Technikern aus Edling, die in guten Jahren bis zu sechs Veranstaltungen täglich (!) abzuwickeln hatten – und das in halb Europa.

„Im Juni 2020 war für uns die Katastrophe komplett. Es hagelte Absagen. Wir waren am Tiefpunkt“, sagt Michi Kuhn, vielen von Veranstaltungen des Kulturkreises und des Theaters Wasserburg sowie von „Wasserburg leuchtet“ bestens bekannt. „Heute, ein Jahr später, muss ich sagen: Wir sind erstaunlich gut durch die Krise gekommen.“

Mit vertraulicher Kommunikation gepunktet

Natürlich habe man am Anfang alle Register ziehen müssen: „Es war niederschmetternd. Wir mussten Firmen-Fahrzeuge abmelden, Kurzarbeit anmelden und ich musste Kredite aufnehmen, um die erste Krise zu bewältigen. Doch wir haben die Depression schnell überwunden“, so Kuhn. Man habe sich bei „Show-Partner“ überlegt, welchen neuen Bedarf es nach dem Ende zahlloser Veranstaltungen geben könnte. „Und da wurde uns schnell klar: Online-Meetings, firmeninterne Kommunikation über den Bildschirm – das war die neue Veranstaltungsschiene.“

Und da gab es auch gleich eine Marktlücke: „Im privaten Bereich oder auf Vereinsebene reichen die typischen Angebote wie Skype oder Zoom für Online-Treffen und Besprechungen. Aber welche Firma will schon gerne über Interna über solche Plattformen sprechen, wenn man nicht weiß, wo die Fakten landen. Das betrifft vor allem die Industrie.

Da gibt es oft strengvertrauliche Gespräche. Wir haben dafür ein System entwickelt, das von den großen Anbietern unabhängig ist. Unsere Kameras und Übertragungswege gehen nicht über China oder Amerika“, so Kuhn. „Ausserdem haben wir einige Interfaces und Geräte aufwändig auf deren Sicherheit prüfen lassen. Somit können wir sicher stellen, dass wir, wenn wir in fremde Netzwerke unsere Signale einspeisen, nicht angreifbar werden und keinem Hacker ein Tor aufmachen.“ Mit der völlig abgeschotteten Firmenkommunikation habe man schnell gepunktet.

Virtuelle Möbel für Unternehmen

Und plötzlich habe sich dann auch ein zweiter Markt aufgetan. „Wir bieten virtuelle Möbel an. Wer eine große Konferenz online plant, will auch, dass alles perfekt aussieht – deshalb haben wir mit einer von uns weiterentwickelten Greensreen-Technik dafür gesorgt, dass die Firmen, die ihre Konferenzen über uns abhalten, auch das Rednerpult, die Wand dahinter, Stühle und Tische in ihrer  CI, sprich in ihren Farben und mit ihren Erkennungsmerkmalen bekommen. Wir rüsten quasi Unternehmen mit einem Mausklick mit neuen Möbeln aus. Das kam prima an“, so Kuhn. Und das werde sicher auch noch eine Weile so bleiben. Der Chef von „Show-Partner“: „Die internationalen Firmen haben gemerkt, dass man für eine Dreistunden-Konferenz nicht von New York nach München Fliegen muss, sondern dass das online meistens völlig ausreicht.“

Die Kamera immer auf dem Redner

Natürlich habe man sich auch mit Lernsystemen für die Schulen beschäftigt und dort einiges entwickelt und auch ganz gute Aufträge generiert. Aus diesem Geschäftsfeld habe sich dann ein weiteres neues Produkt von „Show-Partner“ entwickelt: Ein automatisches Kamerasystem. „Bei Konferenzen, bei denen mehr als nur eine Handvoll Teilnehmer dabei ist, weiß man oft nicht mehr, wer jetzt gerade redet, wer zu welchem Bild gehört. Wir haben in Kameras investiert, die dem Redner das Bild zuweisen, die mit den Rednern quasi mitschwenken, sich selbst ausrichten. Auch das kommt prima an. Wir haben schon die ersten Aufträge für das System.“

 

Michi Kuhn wäre aber nicht der Michi Kuhn, den man in Wasserburg kennt, wenn er ganz die Finger von Veranstaltungen mit Publikum lassen könnte. „Ich glaube nicht, dass wir kurz- oder mittelfristig wieder zu den üblichen Großveranstaltungen kommen werden, bei denen hunderte oder gar tausende Besucher auf engstem Raum zusammen sind. Das wird wohl noch einige Zeit dauern. Ich denke eher an kleine, bis mittlere Veranstaltungen, die im Freien stattfinden. Für solche Projekte haben wir nochmal investiert und eine Bühnenüberdachung gekauft. Ein Teil davon ist gerade bei Fichters Kulturladen in Ramsau im Einsatz.“ Eine Investition in die kleinteilige Veranstaltungslandschaft – auch dafür ist „Showpartner“ mit seinen Mitarbeitern gut gerüstet.

 

 

Fotos:  Gepacktes Material für die Aufträge kommender Woche.

Für die Open Air-Saison bereit: Beschallung im Wartezustand. Rechts: PC-Technik für die virtuellen Welten und Hybridveranstaltungen, die „Show-Partner“ bedient.

 

 

 

———————————————————————

Unser Bericht vom 18. Juni 2020:

 

Sie rüsten Volksfeste, Messen und Firmenfeiern aus, helfen bei Großveranstaltungen, verlegen Kabel und stellen Sound- und Lichtsystem für Theaterinszenierungen zur Verfügung – ohne sie geht auf den Bühnen dieser Welt nichts: Veranstaltungstechniker wie die der Firma „Show-Partner” von Michi Kuhn in Edling sind die wichtigen Strippenzieher hinter der Bühne. Doch seit drei Monaten geht bei ihnen nichts mehr. „Wir mussten die Firma von heute auf morgen komplett herunterfahren. Corona ist für uns eine Katastrophe”, so Kuhn (Archivbild, links).

„Wir hätten heuer von der Auftragslage her den besten Start aller Zeiten in ein erstes Halbjahr gehabt. Jetzt gerade wären wir unter anderem für eine Großveranstaltung in Mailand gebucht gewesen. Doch von Anfang März an hagelte es Absage um Absage. Im Juni haben wir normalerweise sechs Veranstaltungen – täglich! Derzeit null.” Leider habe er mittlerweile eine Mitarbeiterin auch schon entlassen müssen, die anderen seien in Kurzarbeit, „räumen unsere Lager auf”.

Mit dem Verkauf eines größeren Fahrzeugs und Krediten halt er derzeit seine Firma über Wasser.

Was die Veranstalter und Veranstaltungstechniker am härtesten trifft: „Die Politik geht den Weg der kleinen Schritte. Kleinteilige Lockerungen bringen uns aber gar nichts.” Dennoch ist sich Kuhn sicher, aus der Krise herauszukommen.

Wie schlimm es um eine ganze Branche steht, darauf vollen Veranstalter und Veranstaltungstechniker am kommenden Montag, 22. Juni, mit ihrer bundesweiten Aktion „Night of Light”hinweisen.

Ziel der Aktion ist es, mit der Politik im Rahmen eines Branchendialogs ins Gespräch darüber zu kommen, wie die extrem heterogene Branche der Veranstaltungswirtschaft vor einer massiven Insolvenzwelle gerettet werden und der Erhalt von bundesweit mehreren hunderttausend Arbeitsplätzen gesichert werden kann.

„Night of Light”  richtet sich an die breite Öffentlichkeit, um auf die dramatische Lage der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen.  „Show-Partner” aus Edling nimmt daran teil. „Wir werden am Samstag das Rathaus in Ebersberg beleuchten und die Inntalhalle in Rosenheim. Vielleicht hilft’s ja was, um die Politik auf unsere Situation aufmerksam zu machen”, hofft Michi Kuhn.