Massive Corona-Auflagen: Was ein Wasserburger gestern in der Münchner EM-Arena erlebte


„Ich hätte für alle drei Vorrundenspiele Karten, weiß aber nicht, ob ich nochmal nach München fahre. Das ist mir einfach alles zu viel Aufwand“, sagt Christoph Klobeck aus Wasserburg, der gestern in der Münchner EM-Arena live die 0:1-Niederlage der deutschen Elf gegen die Franzosen erlebte.


Sechs Stunden (!) vor dem Spiel mussten er und seine Begleiter in die Landeshauptstadt anreisen, um ihren Parkplatz-Voucher in ein Parkticket umzuwandeln, dann noch endlos viele Kontrollen über sich ergehen lassen.

„Auch wenn das Personal durchweg freundlich und die Karten ausgesprochen günstig zu erwerben waren: Das nächste Spiel schau‘ ich mir lieber daheim oder in einem Lokal vor dem Fernseher an.“

Los ging’s für den Wasserburger eigentlich schon am Sonntag: „Wenn man die Karten fürs Spiel hat, bekommt man ständig Nachrichten aufs Handy. Eine der ersten: Uns wurde geraten, unbedingt mit dem Privatauto anzureisen. Eine Rückreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wäre aufgrund der späten Anstoßzeit auch nur mehr schwer möglich gewesen. Dazu mussten wir uns schon am Sonntag einen Gutschein zum Preis von 23,50 Euro für den Parkplatz ausdrucken.“

Dann sei man gestern für 15 Uhr an den Sammelpunkt beordert worden, um den Parkplatz-Voucher in ein Park-Ticket umzuwandeln.

„Sechs Stunden vor Anpfiff. Das ist dann schon wirklich krass. Als wir das Parkplatzticket hatten, wollten wir gleich ins Parkhaus fahren, dort wurde uns mitgeteilt, dass diese aber erst um 17 Uhr öffnen. Also parkten wir zwischenzeitlich in Fröttmaning und machten uns mit der Bahn auf den Weg zu einem Biergarten Richtung Innenstadt.“

Die Parkhäuser waren dann tatsächlich gegen 17 Uhr alle offen.

Vom Abstellen des Autos ging’s anschließend für die Wasserburger in Richtung Arena.

„Unsere Einlasszeit war genau zwischen 19 und 19.30 Uhr. Daran muss man sich strikt halten. Beim Anmarsch wird man kontrolliert, ob man eines der drei G’s erfüllt: Geimpft, getestet oder genesen. Wir waren negativ getestet und erhielten dafür als Kennung ein Armband, mit dem wir uns innerhalb des Stadions frei bewegen konnten.“

Es habe keinerlei Schlangen oder größere Menschenansammlungen gegeben. Klobeck: „Das war alles total professionell organisiert.“ Allerdings: „Zum Trinken gab’s nur teures, alkoholfreies Bier oder noch teureres Cola und Wasser, das wir dann nicht  mal auf die Sitzplätze mitnehmen durften.“

Insgesamt sei die Maskenpflicht rund ums Stadion und in den Gängen Richtung Sitzplätze massiv und engmaschig kontrolliert worden. Erst auf dem Sitzplatz sei die Regelung nicht mehr ganz so eng gesehen worden.

Die Stimmung in der Arena sei trotz der geringen Zuschauerzahl (14.000 statt 72.000) überraschend gut gewesen, so Klobeck.

„Dennoch finde ich, dass sich der ganze Aufwand und die extrem frühe Anreise nicht auszahlen. Das hatte gestern mit den gewohnten Stadionerlebnissen bei meinen Löwen im Grünwalder Stadion nicht wirklich viel zu tun“, sagt der leidenschaftliche und bekennende 60er-Fan.

„Wenn es die Anstoßzeit zulässt, würde ich auf jeden Fall empfehlen, mit den öffentlichen Verkehrsmittel anzureisen.“

Wenn man den ganzen Kontrollaufwand rund um die Partie und den massenhaften Einsatz von Personal bedenke, sei es schon nachvollziehbar, dass die heimischen Vereine und Veranstalter sich mit der Organisation von Festen und Veranstaltungen derzeit noch sehr zurückhielten.

Fotos: privat