Polizeipräsident Robert Kopp (rechts) und Landrat Otto Lederer erörterten am gestrigen Mittwoch die Sicherheitslage des vergangenen Jahres 2020 im Landkreis Rosenheim. Hierzu war Polizeipräsident Robert Kopp – unter der Einhaltung strengster Hygienevorschriften – zu Gast im Landratsamt. Hier die Statements der Beiden …


Polizeipräsident Robert Kopp:

„Im Landkreis Rosenheim zu leben, bedeutet sehr sicher zu leben. Mit insgesamt 10.259 Straftaten im Jahr 2020 wurden 10,4 Prozent weniger Straftaten als noch im Vorjahr registriert. Die niedrigste Kriminalitätsbelastung in den letzten zehn Jahren!
Dieser hervorragende Sicherheitsstandard mit weniger begangenen Straftaten in nahezu allen Deliktsbereichen ist ein sichtbarer Beleg dafür, dass die richtigen konzeptionelle Schwerpunkte vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd gesetzt und diese von den Polizeidienststellen im Landkreis Rosenheim professionell umgesetzt wurden.
Stolz macht mich die Aufklärungsquote von über 80 Prozent, die im Vorjahresvergleich nochmals um 2,7 Prozent zugelegt hat. Vier von fünf Straftaten werden von der Polizei aufgeklärt, womit die engagierte Ermittlungsarbeit von Schutz- und Kriminalpolizei im Landkreis Rosenheim unterstrichten wird. 
Die Zahl der verübten Wohnungseinbruchsdiebstähle ist im Landkreis auf 54 solcher Delikte gesunken. Erfreulicherweise war 2020 zudem ein Rückgang der Straßenkriminalität auf insgesamt 1.035 Straftaten (2019: 1.235) sowie der Gewaltkriminalität auf 235 Straftaten (2019: 251) festzustellen. Bei dieser positiven Entwicklung spielen natürlich die Veränderungen der Tatgelegenheiten durch die Pandemie eine Rolle.
Trotz „Lockdown“ wurden im Landkreis Rosenheim 841 Rauschgiftdelikte festgestellt. Dies sind zwar 24,6 Prozent weniger als noch im Vorjahr (1.115), dennoch liegt die Zahl deutlich über dem Durchschnitt im Zehnjahresvergleich.
Die anhaltend hohen Deliktszahlen in diesem Bereich weisen auf die weite Verbreitung von Rauschgift in Teilen der Gesellschaft hin und sollten bei Befürwortern einer Liberalisierung bzw. Legalisierung von Cannabis zum Nachdenken führen.
Auch wenn seit der Pandemie bei weniger Straftaten ermittelt werden muss, sind die Polizeidienststellen auch im Landkreis Rosenheim stark gefordert. Verantwortlich sind hierfür insbesondere viele Versammlungen, die deutlich zugenommen haben. Die Polizei gewährleistete 2020 im Landkreis bei 73 Versammlungen Schutz und Sicherheit, davon 36 mit Bezug zu Corona.
In der Verkehrsunfallstatistik sind mit 6.254 Verkehrsunfällen 14,8 Prozent weniger Unfälle zu verzeichnen. Die Anzahl an Verletzten durch Verkehrsunfälle ging um knapp 8 % zurück. Unverändert kamen im Jahr 2020 wieder 13 Menschen bei Verkehrsunfällen im Landkreis Rosenheim ums Leben.
Die im Landkreis Rosenheim situierten Polizeidienststellen leisten einen unverzichtbaren Beitrag, dass die Bürgerinnen und Bürger dort sicher leben und sich auch sehr sicher fühlen können. Mit Landrat Otto Lederer und dem Landratsamt Rosenheim als Sicherheitsbehörde stehen uns kompetente Partner in einem engmaschigen Sicherheitsnetz aller „Blaulichtorganisationen“ zur Seite.
Ich bedanke mich beim Landrat und seinem Team für die stets gute, zielorientierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit.“


Landrat Otto Lederer:

„Wir dürfen uns in unserer Heimat sehr wohl fühlen. Das hat auch damit zu tun, dass wir im Landkreis Rosenheim besonders sicher leben können.
Der Bericht, den Polizeipräsident Robert Kopp und seine Kolleginnen und Kollegen heute vorlegten, bestätigt dieses subjektive Sicherheitsgefühl. Ich möchte mich im Namen der Bürgerinnen und Bürger ganz herzlich für das großartige Engagement unserer Polizei bedanken. Ihr Einsatz ist ganz sicher ein wesentlicher Baustein unserer Sicherheit und unserer Freiheit.
Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Dazu gehört auch, dass wir derzeit so viele Demonstrations-  bzw. Veranstaltungsanmeldungen haben wie noch nie. Das ist auch für die Polizei eine große Herausforderung, weil es bedeutet, jedes Wochenende im Einsatz für die freiheitliche Demokratie zu sein. Das ist nicht immer einfach, deshalb auch dafür ein herzliches Vergelts Gott.
Vor diesem Hintergrund sorgt die Pandemie dafür, dass wir – Polizei, Stadtverwaltung, Landkreisverwaltung – seit Monaten noch intensiver als sonst üblich im ständigen Austausch sind. Ich erlebe ein professionelles Miteinander aller Sicherheitsbehörden, das auf gegenseitigem Vertrauen beruht und sich sehr positiv auf die Sicherheitskonzeption im Landkreis auswirkt.“

Kriminalitäts-Lage:

Im Jahr 2020 wurden im Landkreis Rosenheim insgesamt 10.259 Straftaten
(2019: 11.444) in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfasst. Im Vergleich
zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von 1.185 Straftaten bzw.
10,4 %. Straftaten ohne ausländerrechtliche Delikte wurden in der PKS mit
7.618 Fällen (2019: 8.857) erfasst.
Die Aufklärungsquote stieg 2020 um 2,7 % auf 80,5 % (2019: 77,8 %).
Als Gradmesser für die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung dient die
Häufigkeitszahl, die im Bereich des Landkreises Rosenheim bei einem
Wert von 3.926 pro 100.000 Einwohnern (Polizeipräsidium Oberbayern Süd:
4.206 / Bayern: 4.528) liegt.
2020 wurden im Landkreis Rosenheim 7.169 Tatverdächtige (2019: 7.690)
ermittelt. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen lag bei 4.137 bzw.
57,7 % (2019: 4.495 bzw. 58,5 %). 2.814 der Tatverdächtigen waren Zuwanderer
(2019: 2.751). Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden
Tatverdächtigen lag bei 1.132 bzw. 15,8 % (2019: 1.220 bzw. 15,9 %).

Verkehrsbilanz

Im Jahr 2020 ereigneten sich im Landkreis Rosenheim 6.254 Verkehrsunfälle
(2019: 7.345). Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang
von 1.091 Verkehrsunfällen bzw. 14,9 %. 1.078 Verkehrsunfälle wurden
wegen unerlaubtem Entfernen vom Unfallort (2019: 1.346 Unfälle) erfasst.
2020 haben 13 Personen im Straßenverkehr ihr Leben verloren (2019: 13).
Als Hauptunfallursache wurden „Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren
sowie Ein- und Anfahren“ verzeichnet.

Schwerwiegende Ereignisse

Frasdorf 
Ein 19-Jähriger hatte am 27. Januar über ein Mitfahrerportal
zwei Personen, darunter auch den späteren 18-jährigen Tatverdächtigen,
aus Zürich nach Deutschland in seinem Fahrzeug mitgenommen.
Nachdem der andere Mitfahrer in München ausgestiegen
war, ging die Fahrt bis Frasdorf im Landkreis Rosenheim weiter.
Hier
lotste der 18-Jährige das spätere Opfer gegen 1:30 Uhr unter einem
Vorwand auf einen Parkplatz, wo es zu dem tätlichen Angriff kam.
Der Tatverdächtige verletzte das Opfer dabei schwer und floh anschließend
mit dessen Pkw in Richtung München, wo er sich wenig
später bei der Polizei stellte.
Der schwer verletzte 19-Jährige wurde
von zufällig hinzukommenden Passanten professionell medizinisch
erstversorgt und anschließend in eine Klinik eingeliefert. Der 18-jährige
Tatverdächtige wurde festgenommen und befindet sich in Haft.
Bad Endorf 
Am 02. März befuhr ein 52-Jähriger mit seinem Lkw
gegen 08.30 Uhr eine Seitenstraße in Bad Endorf und wollte nach
links in die Chiemseestraße (Staatststraße 2092) einbiegen. Dabei
hatte der Lkw-Fahrer das Verkehrszeichen 205 „Vorfahrt gewähren!“
zu beachten und blieb zunächst stehen, um den vorfahrtsberechtigten
Querverkehr vorbei zu lassen.
Gerade als der Lkw-Fahrer wieder
anfuhr und mit dem Abbiegevorgang begann, überquerte ein
53-Jähriger den Einmündungsbereich der untergeordneten Straße
zu Fuß von links. Dabei wurde der Fußgänger vom anfahrenden Lkw
erfasst, zu Boden gedrückt und überrollt, wodurch er tödliche Verletzungen
erlitt.
Großkarolinenfeld
Nachdem eine Anwohnerin am Samstagmorgen,
26. Oktober, gegen 03:30 Uhr, aufgrund ungewöhnlicher Wahrnehmungen
die Einsatzzentrale im Polizeipräsidium verständigt
hatte, war in der Bahnhofstraße in Großkarolinenfeld kurz darauf
ein schwer verletzter junger Mann mit einer Schussverletzung gefunden
worden.
Das 20-jährige Opfer musste in ein Klinikum eingeliefert
und operiert werden. Noch in der Nacht konnten die Einsatzkräfte
einen 22-jährigen Tatverdächtigen festnehmen, der auf Antrag
der Staatsanwaltschaft dem Haftrichter vorgeführt wurde. Dieser erließ
Haftbefehl wegen versuchten Totschlags.