Begonnen hat die Geschichte des Festwagens vor 95 Jahren. Damals machte sich der Vater von Sebastian Furtner, Hans Furtner, mit einigen Nachbarn daran, eine Kapelle zu bauen.


1. Original-Kapelle von Pinswang

Die Zeit war damals hart. Der Erste Weltkrieg war gerade vorbei und Hans Furtner wollte, als Maurer, etwas zur Erinnerung an die vielen Kriegsopfer tun. Die heute noch, bestens von der Familie Oischinger (Schneider-Bauer) in Pinswang, gepflegte Kapelle war die Anregung für Sebastian Furtner, eine Miniaturausgabe zu schaffen.


Eigentlich wollte sich Furtner, der 49 Jahre in der Priener Schreiner Eifertinger seinen Handwerksdienst verrichtete, die Aufgabe für den Leonhardiritt in Greimharting vornehmen. Die aktive Teilnahme an Trachtenfesten und am Leonhardiritt waren für Sebastian Furtner immer schon ein inneres Anliegen. Doch die Zeit langte nicht, um für den Umritt 2004 um die Greimhartinger Kirche fertig zu werden. Seither hat Sebastian Furtner die Aufgabe allerdings keine Ruhe mehr gelassen. In „etlichen hundert Stunden“ hat er in der hauseigenen Werkstatt Hand angelegt.

Genau nach den Foto-Vorgaben der Original-Kapelle von Pinswang machte er sich ans Werk. Unzählige Details mussten geschickt erstellt werden. Der Altar mit dem Heiligen Leonhard, die acht Fenster und zwei Türen, die Kommunionbank, die vier Betstühle, der Weihwasserkessel und vieles andere mehr entsprechen in der nunmehrigen Ausfertigung genau dem Original, einschließlich einer gut funktionierenden Innen-Beleuchtung. Zur Fertigstellung halfen ihm noch der Spengler Helmut Hackenberg aus Greimharting, der sich gerne als damaliger Trachtenvorstand des GTEV „Ratzingerhöhe“ Greimharting einbrachte. Weitere unentgeltliche Helfer waren der Priener Glasermeister Sepp Stöttner und Sebastian Maier, der ganz spezielle Malerarbeiten vornahm. Sohn Sepp Furtner war es überlassen, am Gaufestsonntag mit den Pferden einspannen und den geschmückten Festwagen mit dem Kapellen-Nachbau von Pinswang innerhalb des Priener Trachtenvereins herzeigen. Für die Zuschauer war es eines von vielen Trachtenfest-Motiven. Viel wichtiger als die äußerliche Schönheit des Werkes auf dem Festwagen dürfte allerdings die inwendige Bedeutung des Geschaffenen sein.

Für Sebastian Furtner und seine Helfer und nicht zuletzt für die Bauern und die gesamte Nachbarschaft von Pinswang, die schon vor 95 Jahren die Kapelle erbauten, war und ist der geleistete Dienst ein sichtbares Ergebnis zur Ehre Gottes. Inzwischen ist der Festwagen des Öfteren beim traditionellen Leonhardiritt in Greimharting mit dabei gewesen – nur heuer war dies aufgrund der Corona-Situation nicht möglich.

Fotos: Hötzelsperger