Reaktionen und Stimmen zum Ende eines der ältesten Fremdenverkehrsvereine in ganz Bayern
Die Zeiten und Aufgaben haben sich geändert, sagt die aktuelle Vorsitzende des Wasserburger Tourismusvereins, Aline Müller. Sie schlägt deshalb die Auflösung des traditionsreichen Vereins vor (wir berichteten). Da viele der ursprünglichen Aufgaben mittlerweile von anderen Akteuren der Stadt übernommen worden sind und die Mitgliederzahlen kontinuierlich sinken, erscheint eine Fortführung in der bisherigen Form nicht mehr sinnvoll. Doch es gibt einen Plan für die Zukunft. Das beliebte Jahresprogramm soll in Kooperation mit dem Verein „MovInn Forward“ weiterleben. Wir holten Stimmen zum Ende eines der ältesten Wasserburger Vereine ein, dem offenbar niemand eine Träne nachweint.
Stimmt die Mitgliederversammlung des Tourismusvereins dem Antrag unter Punkt 7 der Agenda zu, geht der Verein in ein Liquidationsjahr und wird zum 31. Dezember 2027 offiziell aufgelöst. Für die Mitglieder bedeutet dies ein unkompliziertes Verfahren: Eine gesonderte Kündigung ist nicht nötig, und für das Jahr 2027 werden keine Beiträge mehr erhoben.
Gleichzeitig wird die bereits im Vorjahr beschlossene, erfolgreiche Zusammenarbeit mit „MovInn Forward“ vertieft. Der Verein, der Jugendarbeit, Kultur und Inklusion verbindet, soll das bekannte TouWas-Jahresprogramm „Besondere Erlebnisse in und um Wasserburg“ fortführen und weiterentwickeln. Der bisherige TouWas-Vorstand wird dem Team dabei mit seiner Erfahrung beratend zur Seite stehen.
Stimmen zur Vereinsauflösung
Die Reaktionen aus der Stadt zeigen Wehmut, aber auch Verständnis für den strategischen Schritt. „Es ist immer schade, wenn sich ein engagierter Verein auflöst. In diesem Fall ist es ein bisschen anders, denn es wird ja mit dem Verein MovInn Forward kooperiert und das Programm soll weitergeführt werden“, erklärt Bürgermeister Bastian Wernthaler.
Wernthaler betont, dass es hierbei nie um Konkurrenz zur städtischen Touristinfo ging, sondern um eine ideale Ergänzung. Die jetzt geplante Zusammenlegung zweier Vereine mache zur „Verschlankung“ absolut Sinn, um nicht doppelt nach Vorständen suchen zu müssen. Zudem sieht er den Mitgliederschwund als allgemeines, strukturelles Problem: „Generell gibt es hier Probleme. Sehr schwer ist es vor allem, Vorstände für kleinere Vereine zu finden.“ Dieses Thema möchte er künftig aktiv angehen und, auch zusammen mit den großen Vereinen, Hilfestellungen bieten.
Auch Andrea Aschauer, Mitarbeiterin der Touristinfo Wasserburg und geborenes Mitglied im Tourismusverein, blickt positiv auf die gemeinsamen Jahre zurück. Seit ihrem Dienstbeginn im Jahr 2016 habe sie mit jeder Vorstandschaft sehr gut zusammengearbeitet. Dass sich die Dinge nun ändern, sieht sie als natürlichen Lauf der Dinge: „Aufgaben verändern sich – sowohl in der Touristinfo als auch im Verein. Keine Bewegung würde schließlich Stillstand bedeuten.“
Auch der allererste Geschäftsführer des Tourismusvereins Wolfgang Helmdach, blickt mit Stolz auf die Leistung des geschichtsträchtigen Verbandes zurück, der zu den ältesten in ganz Bayern zählt. „Es hat sich alles geändert. Früher wurden über das Fremdenverkehrsbüro, heute Touristinfo, noch Zimmer vermittelt. Als ich 2010 aufgehört habe, hatte der Verein 350 Mitglieder. Es ist schade, aber ich kenne die genauen Hintergründe der Auflösung nicht.“
Helmdach lobte ausdrücklich die heutige Top-Arbeit der städtischen Touristinfo, insbesondere im Bereich Social Media, und erinnerte an die Meilensteine des Vereins: Von der Organisation des Weinfestes und der historischen Stadtführungen bis hin zur Einführung erfolgreicher Wasserburg-Produkte wie den Schirmen, dem Unertl-Weißbier oder dem Pils aus Forsting.
Aline Müller, die Vorsitzende des Tourismus-Vereins, nimmt wie folgt Stellung: „Der Antrag, die Auflösung eines über viele Jahre etablierten und fest in die Stadt eingebundenen Vereins zu beantragen, ist uns nicht leicht gefallen. Der Tourismusverein in seiner ursprünglichen Funktion hat nach unserer Erfahrung heute jedoch keine eigenständige Daseinsberechtigung mehr, weil seine typischen Aufgaben inzwischen von anderen Akteuren übernommen werden.
Der frühere Fremdenverkehrsverein war eng an die Stadt Wasserburg gekoppelt und lange Zeit das zentrale Organ für den Tourismus vor Ort. Mit der Einführung der städtischen Tourist-Info, der Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH, des Wirtschaftsförderungsverbands und des Stadtmanagers haben sich die Strukturen jedoch grundlegend verändert. Viele der klassischen Kernaufgaben eines Tourismusvereins – etwa die Organisation von Führungen, die Vermittlung von Unterkünften oder die Entwicklung von Veranstaltungsideen – werden inzwischen von anderen Stellen übernommen oder haben durch die Digitalisierung und Plattformen wie Booking und Airbnb erheblich an Bedeutung verloren.
Gleichzeitig entstehen zunehmend private Initiativen, die früher ebenfalls zum Tätigkeitsfeld eines Tourismusvereins gehört hätten. Veranstaltungen wie das Hofstattfest, das Arkadenfest oder der Italienische Abend werden heute von Gewerbetreibenden und anderen Vereinen initiiert und organisiert.
Damit hat sich das Umfeld, in dem der Tourismusverein ursprünglich tätig war, grundlegend verändert. Viele seiner früheren Aufgaben und Funktionen sind inzwischen anderweitig abgedeckt.
Unsere Versuche, durch eigene Stände auf den Märkten und beim Nationenfest, durch die Entwicklung von Wasserburger Souvenirs wie Schirmen, Rucksäcken, Bauchtaschen und Magneten sowie durch die Etablierung des Erzähl-Kanapees neue Impulse und Aufgabenfelder für den Verein zu schaffen, haben leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Einzig unser Programm „Besondere Erlebnisse in und um Wasserburg“ konnte erfolgreich etabliert werden. Allerdings zeigt sich auch hier, dass bislang keine Touristen an den angebotenen Veranstaltungen teilgenommen haben, sondern ausschließlich Einheimische. Damit erfüllt auch dieses Angebot derzeit nicht die ursprüngliche Zielsetzung, einen Beitrag zum Tourismus in Wasserburg zu leisten.
Bewährt hat sich hingegen die bereits im vergangenen Jahr beschlossene Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein MovInn Forward. Der junge Verein verbindet Jugendarbeit, Kultur und Inklusion mit neuen und zeitgemäßen Veranstaltungsformaten, die insbesondere jüngere Zielgruppen ansprechen und damit auch neue Besuchergruppen nach Wasserburg führen können. Die Ideen und Formate von MovInn Forward sind bereits in unser Erlebnisprogramm eingeflossen und haben dieses sinnvoll ergänzt. Umgekehrt unterstützt TouWas Veranstaltungen und Projekte von MovInn Forward.
Auch nach der Auflösung von TouWas kann unsere langjährige Erfahrung und Expertise im Bereich Tourismus und Veranstaltungsorganisation innerhalb von MovInn Forward weiter genutzt werden. Die Fortführung unseres erfolgreichen Erlebnisprogramms ist durch die enge Zusammenarbeit und Verzahnung auf Vorstandsebene ebenfalls gewährleistet. Damit kann ein Teil der bisher vom Tourismusverein geleisteten Arbeit auch künftig fortgeführt und zugleich mit neuen Ideen und Zielgruppen verbunden werden – ohne dass hierfür die bisherigen Vereinsstrukturen aufrechterhalten werden müssen.
Mit dem Beschluss über die Auflösung des Vereins würde zum 1. Januar 2027 das sogenannte Sperrjahr beginnen. In diesem Zeitraum übernehmen die von der Mitgliederversammlung zu wählenden Liquidatoren die gesetzlich vorgeschriebene Abwicklung des Vereins. Dazu gehören insbesondere die Erfüllung beziehungsweise Abwicklung bestehender Verpflichtungen – auch gegenüber MovInn Forward –, die Begleichung etwaiger Verbindlichkeiten sowie die Erledigung der erforderlichen notariellen und steuerlichen Angelegenheiten und die Auflösung beziehungsweise Beendigung bestehender Verträge.
Nach Abschluss des Sperrjahres zum 31. Dezember 2027 wird das dann noch vorhandene Vereinsvermögen entsprechend der in unserer Satzung getroffenen Regelung der Stadt Wasserburg zufallen.
Für unsere Vereinsmitglieder besteht im Zusammenhang mit der Auflösung kein weiterer Handlungsbedarf. Die Mitgliedschaft endet mit Abschluss der Liquidation beziehungsweise entsprechend den satzungsgemäßen Regelungen automatisch; für das Jahr 2027 werden keine Mitgliedsbeiträge mehr erhoben“.
TANJA GEIDOBLER
Foto: Stadtarchiv Wasserburg
Schaufenster


Ich habe bis gerade eben gar nicht gewusst, wofür der Tourismusverein in Wasserburg stand oder was dieser organisiert hat… Wenn der Tourismusverein tatsächlich versucht hat auf sich aufmerksam zu machen, dann wohl nicht so, dass es die Jungen Leute erreicht. Das finde ich wirklich schade, denn aus Wasserburg könnte man noch so viel mehr raus holen. Ich hoffe für die Stadt, dass MovInn Forward moderne neue Ideen hat die der Verein gut umsetzt, denn das verdient so eine schöne Stadt wie Wasserburg.