Neue Ausstellung will mit feinem Humor den eigenen Blick schärfen helfen

Die „Große Kunstausstellung“ 2026 ist kaum abgebaut, da plant der AK 68 schon seine nächste Ausstellung: Mit „Doppelblick“ hat der Kunstverein nun zwei Künstler nach Wasserburg geholt, die durch ihre Kunst einiges mitteilen wollen.

Cornelia Hesse und Uli Schmid stellen in den ehemaligen Räumen der Polizeiinspektion Wasserburg, kurz „Alte Polizei“ genannt, ihre Werke aus.

Cornelia Hesse wurde in Wolfratshausen geboren und hat nach erfolgreichem Abschluss ihres Jurastudiums lange Jahre als Richterin gewirkt, bevor sie in Elternzeit ging und hier ihre Liebe für die Kunst entdeckte. 2017 hat sie ihre juristische Berufstätigkeit endgültig beendet und sich seither in ihrem Wirken ausschließlich der Kunst gewidmet. In zahlreichen Ausstellungen hat sie ihre Kunstwerke präsentiert, unter anderem in sieben Soloausstellungen und auch in zahlreichen Gruppenausstellungen.

In ihrer künstlerischen Arbeit setzt sie sich mit gesellschaftlichen Erwartungshaltungen, Wertevorstellungen und dem Streben nach Perfektion auseinander. Welche Ansprüche und Muster bestimmten das Leben, welcher Druck gehe hiervon aus und inwieweit müsse man sich diesen Vorgaben unterwerfen oder könne aus ihnen ausbrechen?  Das bewusste Beenden ihrer juristischen Berufstätigkeit und der Neuanfang in der Kunst vor fast zehn Jahren stelle hier natürlich auch einen bewussten Bruch in ihrer beruflichen Laufbahn dar.

Die Erfahrung der Aufgabe eines geordneten Lebensplans, verbunden mit dem Sprung ins Ungewisse, spiegele sich auch in ihrer Arbeitsweise wider, sagt Cornelia Hesse. Sie sei in jeder Hinsicht experimentell. Auf diese Weise könne sie gesellschaftliche Narrative und Ambivalenzen erforschen, die aus der wechselseitigen Einflussnahme natürlicher und kultureller Prozesse entstünden.

In ihren aktuellen Werkszyklen arbeite sie vorwiegend mit verschiedenen Kunststoffen, die sie formal kontrastierend in organisch anmutende Formengebilde verwandle oder natürlichen Fundstücken, wie etwa altem Holz, gegenüberstelle. 

Der aus Landshut stammende Uli Schmid wirkt seit über 25 Jahren als Künstler und hat weit über Bayern hinaus zahlreiche Ausstellungen, sowohl als Solo-, als auch in Gruppenausstellungen, gestaltet. 

Uli Schmid entbinde Alltagsgegenstände ihrer eigentlichen Funktion, stelle sie durch unerwartete Kombination in einen überraschenden Zusammenhang und versetze sie dann in einen völlig neuen Zustand. Die skurrilen Verknüpfungen entwickelten einen eigenen Humor, der dazu einlade, durch individuelle Gedankenspiele weitergedacht zu werden. Schmid stelle Sehgewohnheiten mit einem Augenzwinkern auf den Kopf. Allein durch die intensive Wirkung des reinen Materials in seiner Kombination mit alltäglichen Gegenständen entstünden außergewöhnliche Motive, die sich dem Betrachter direkt mitteilten. 

In Wasserburg sind beide Künstler seit 2023 gut bekannt.

Cornelia Hesse hatte sich mit einer Hängeinstallation aus Tetrapaks beworben und konnte die Jury damit überzeugen. 

Uli Schmid war 2023 mit seinem gebeutelten Mann im historischen Rathaussaal zu sehen.

Cornelia Hesse gestand, dass es für sie hier in Wasserburg Liebe auf den ersten Blick gewesen sei. Der AK 68 stelle ein tolles Team dar, meinte sie, man habe hier einen großartigen Kunstverein, bei dem sie nun sehr gerne ausstelle.

Mit ihrer Ausstellung „Doppelblick“ zeigten die beiden Künstler zwei künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit unserer Wahrnehmung von Welt und Wirklichkeit auseinandersetzten. Mit feinem Humor und präziser Beobachtung würden Sehgewohnheiten unterwandert, gesellschaftliche Erzählungen befragt und eingefahrene Denkmuster in Bewegung gebracht. Beide Positionen öffneten Räume jenseits des Offensichtlichen – ungeahnt, vielschichtig, überraschend. „Doppelblick“ sei eine Einladung, die Welt durch zwei Augenpaare zu sehen – und dabei den eigenen Blick zu schärfen.

Am Samstag, den 12. September um 18 Uhr findet die Vernissage zu dieser Ausstellung statt. Sie kann dann bis zum Sonntag ,11. Oktober jeweils donnerstags, freitags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr in den Räumlichkeiten der „Alten Polizei“ besucht werden.

 

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